Interview-Digitalisierung-Schule-Philippe-Wampfler
Schule
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Das heisst, Sie als Lehrer müssen 24 Stunden erreichbar sein?

Nein, da muss man eine Kommunikations-Kultur finden. Ich habe feste Zeiten, wo ich bei WhatsApp online bin und Fragen beantworte. Man entwickelt auch eine Filterkompetenz und sieht, auf welche Nachrichten man sofort antworten muss.

Eine Kompetenz, die auch die Schüler erlernen sollten…

Ja klar, darüber sprechen wir im Unterricht. Es gibt unterschiedliche Erwartungen, wie schnell jemand antworten muss. Das kann in Stress ausarten. Vor Prüfungen haben manche meiner Schülerinnen die Strategie entwickelt, den Klassenchat stumm zu schalten. Damit sie sich nicht gegenseitig verrückt machen können. 

Müssen Handys in ihren Prüfungen ausgeschaltet bleiben?

Klassische Prüfungen mache ich persönlich nicht. Ich arbeite kompetenzorientiert. Zum Beispiel habe ich gerade Schülerinnen einen Kommentar zu einem Roman schreiben lassen – in Google Docs. Dazu geben dann andere Schüler und ich nach strengen Regeln Feedback. Danach können die Schülerinnen ihren Text fertig schreiben. Wir arbeiten zusammen daran, einen Text zu verbessern. Das wird auch dem heutigen Textverständnis gerecht: Digitale Texte sind nie einfach fertig. Ich möchte, dass die Schüler bei mir so zu arbeiten lernen, wie sie es auch später in der Berufswelt brauchen.

Aber geben sich Schülerinnen und Schüler nicht weniger Mühe mit einem Text, wenn sie wissen, dass es nur eine erste Version ist?

Das würde ich nicht sagen. Bei Aufsätzen hat es schon immer viele Texte gegeben, die eher unüberlegt schienen, und die man besser noch einmal überarbeitet hätte. Der Wille, einen bereits fertigen Text zu verbessern, war hingegen eher noch kleiner. 
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«Wenn man echtes Interesse zeigt für die Mediennutzung der Jugendlichen, baut sich ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis auf.»

Sind manche Schülerinnen eigentlich neidisch auf Ihren eigenen riesigen Erfolg in den Sozialen Medien?

Nein, das was ich mache ist ja nicht besonders cool. Meine Posts haben ja einen ganz anderen Stil als die von Jugendlichen. Aber sie haben Respekt und finden es spannend. Manchmal nehme ich sie auch mit, wenn ich irgendwo als Experte eingeladen bin und versuche sie so einzubinden – denn auch sie sind Experten – für IHRE Kommunikation.

Ist man als medienaffiner Lehrer automatisch auch Vertrauensperson für die Schüler?

Es ist ein gegenseitiges Vertrauen, dass sich dadurch aufbaut, dass mich wirklich interessiert, wie sie neue Medien nutzen. Ich stelle ihnen Fragen, weil ich vieles nicht verstehe, und so kommt man in einen Dialog.

2 Kommentare

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Von Shahram am 05.10.2017 19:41

Sehr gut & inhaltlisch reich! Korrekt, alles sind reine Fakten. Die Kinder brauchen bestimmt den Umgang mit soziale Medien lernen & sogar mit ihnen gut arbeiten bzw. verwenden, jedoch ist aber auch stark abhängig von georafischen Lage (wo man lebt im Land od. Stadt) & den Sozio ökonomische Werte der Eltern od Umfeld. Dankeschön

Von Michael In Albon am 19.10.2017 08:33

Achtung: Die letzten JAMES-Studien (www.swisscom.com/james) zeigen keine relevanten Differenzenen zw. Stadt und Land. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass unsere Städte mehr-bessere Dörfer sind😁. Es gibt aber Unterschiede zw. den Sprachregionen.

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