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Berufswahl

Berufe im Wandel

Kaum einen Beruf, den es vor zehn Jahren gegeben hat, gibt es heute noch. Berufsberaterin Eva Holzmann weiss, welche Berufslehren Zukunft haben – und welche nicht.
Text: Adrian Soller
Foto: Ornella Cacace/ 13Photo
Unsere Gesellschaft verändert sich ständig – und mit ihr unsere Berufe», sagt Eva Holzmann vom Laufbahnzentrum der Stadt Zürich. Fast alle Bezeichnungen der Berufslehren mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis (EFZ) hätten die Berufsverbände in den vergangenen zehn Jahren ausgetauscht, erklärt die Berufsberaterin. Mal bedeuten die Namensänderungen nur kleine Anpassungen des Berufsbildes, mal reflektieren sie tiefgreifende technische, soziale oder gesetzliche Entwicklungen.
Ein Trend, der schon viele Berufe verschwinden und neue entstehen liess, ist die Fusion von Berufen. Die Ausbildungen etwa des Dachdeckers, Flachdachbauers, des Fassadenmonteurs, des Gerüstmonteurs sowie des Storenmonteurs sind zu jener des Polybauers oder des Polybaupraktikers verschmolzen. Die Berufe der Elektro- und Maschinenmechaniker sind im Beruf Polymechaniker aufgegangen, und der Bäcker-Konditor fusionierte mit dem Konditor-Confiseur zum Bäcker-Konditor-Confiseur. Eva Holzmann kann sich vorstellen, dass sich dieser Trend noch weiter fortsetzt. «Gut möglich», sagt sie, «dass die Pflästererlehre dereinst in einer Ausbildung des Bauhauptgewerbes aufgehen wird.»

Trendwende bei Handarbeit?

Nicht nur das Setzen von Pflastersteinen ist weniger gefragt als früher, auch andere traditionelle Handwerkskünste verschwinden allmählich. Gefährdet sind beispielsweise die Berufslehren des Geigenbauers, des Graveurs oder des Schuhmachers. Jene Lehren absolvieren schweizweit nur noch je drei bis vier Lernende. «Die Überlebenschancen dieser Berufe sind aber», ergänzt Holzmann, «schwer abzuschätzen.»
Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin vermutet bei einigen Traditionsberufen schon bald einen Gegentrend. Gerade der Schuhmacher ist wohl in Zukunft wieder eher gefragt. Ob Massschuhe oder Spezialschuhe, ob Reparaturen oder kleinorthopädische Korrekturen: Das Bedürfnis nach qualitativ hochstehender Handarbeit dürfte eher wieder zunehmen.
Ein anderer Megatrend, der immer noch anhält, ist die Digitalisierung. In den Neunzigern entstand wegen dieser Entwicklung nicht nur der Beruf des Informatikers. Die Digitalisierung hat fast alle Berufsbilder verändert. Seit vergangenem Jahr können Kreative zum Beispiel eine Lehre als Interactive Media Designer machen. Die technisch versierten Fachmänner und Fachfrauen planen Websites, Apps, soziale Foren, soziale Netze oder Benutzeroberflächen von Billettautomaten.

Neue Ausbildungen in Sicht

Auch der Professionalisierungstrend bei den Ausbildungen schafft neue Berufe. Von Systemgastronomiefachleuten über Fachangestellte im öffentlichen Verkehr bis hin zu Experten im Kundendialog oder Fachleuten in der Bewegungs- und Gesundheitsförderung: «Wir können heute Berufe erlernen, in denen es bis vor Kurzem keine Abschlüsse auf Stufe der Grundbildung gab», erklärt Holzmann und ergänzt: «Diese eidgenössisch anerkannten Lehrabschlüsse sind auf dem Arbeitsmarkt oft sehr gefragt.»
Berufe der Zukunft vermutet Holzmann unter anderem im Dienstleistungsbereich und in der Ökologie. «Gut möglich», sagt sie, «dass Jugendliche irgendwann Fachmann beziehungsweise Fachfrau Umwelt lernen können.» Für welchen Beruf sich die Jugendlichen von heute oder morgen auch immer entscheiden mögen, eines sei klar: «Lebenslanges Lernen ist mehr als ein Schlagwort.» Denn: Die Konstante bleibe der Wandel.
Wer Geigenbauer werden will, muss ein Streichinstrument spielen können.

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