Zuhause
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Flügge werden im Sog der Grossstadt

Benedict Wells: Spinner. Diogenis Verlag 2016, 320 Seiten, ca. 18 Fr.
Benedict Wells: Spinner. Diogenis Verlag 2016, 320 Seiten, ca. 18 Fr.
Das waren aufregende Zeiten, als man damals auszog aus dem elterlichen Nest, hinein in die Grossstadt, kleine Wohnung, noch kleineres Auto – viele Fertiggerichte im Kühlschrank und jede Menge Leben aufgesogen. Benedict Wells Romanfigur Jesper Lier zieht es in «Spinner» nach dem Abitur ins aufregende Berlin. Der Leser merkt sehr schnell, wie wenig Jesper dem Sog der Grossstadt entgegensetzen kann. Tagsüber treibt er durch die Strassen, nachts schreibt er an seinem Erstlingsroman. Jesper schläft kaum noch, isst nicht mehr, verwahrlost zunehmend. 

Und dann kommt noch eine Schreckensmeldung: sein Mentor und Freund, ein ehemaliger Germanistik-Professor, ist verstorben. Das wirft ihn noch weiter aus der Bahn. Jesper zieht sich zunehmends zurück und leidet unter dieser Einsamkeit, die er mittlerweile auch in Gesellschaft spürt. 

Spätestens da fängt man als Leser an, sich um diese tragisch komische Figur zu sorgen und hofft, dass es doch noch gut ausgeht mit diesem jungen Mann, dem man so manches Mal unter die Arme greifen und über den Kopf streichen möchte. Aber es geht wohl gut aus, denn «Spinner» ist Benedict Wells (ziemlich autobiographischer) Erstlingsroman, dem viele weitere erfolgreiche gefolgt sind. Beeindruckend! Evelin Hartmann

Ein besonderer Hörgenuss für Gross und Klein

Wir entdecken Komponisten. Hörspiel-Reihe, Deutsches Grammophon, ca. 17 Fr. pro Folge
Wir entdecken Komponisten. Hörspiel-Reihe, Deutsches Grammophon, ca. 17 Fr. pro Folge
Wussten Sie, dass Johann Sebastian Bach sieben Geschwister hatte und bereits im Alter von neun Jahren Vollwaise war? Ist Ihnen bekannt, dass Ludwig van Beethoven jähzornig und grob sein konnte? Und dass Johannes Brahms Zeit seines Lebens an seinen Meisterwerken zweifelte?
 
«Wir entdecken Komponisten» ist eine zauberhafte Hörspielreihe, die uns die Marotten und den Alltag grosser Komponisten näher bringt. Jede Folge beschäftigt sich auf kindgerechte, aber auch für Erwachsende äusserst unterhaltsame Weise mit einem der grossen Komponisten unserer Zeit. Neben Mozart, Bach, Händel und Chopin sind beispielsweise auch Vivaldi und Schubert vertreten.
 
Interessante Details aus ihren Leben, aus der jeweiligen Epoche sowie die Wege und Wirrungen zu ihren grossen musikalischen Werken werden kompakt und leicht verständlich zusammengetragen. Die Erzählungen werden bereichert mit Ausschnitten der wichtigsten musikalischen Erzeugnisse des jeweiligen Komponisten.
 
Als Sprecher konnte seinerzeit der inzwischen verstorbene Theaterschauspieler Willi Quadflieg gewonnen werden, dessen grossartige Stimme den Hörer in die damalige Zeit entführt.
 
Wer also Lust verspürt, sein eigenes Wissen über klassische Musik aufzufrischen oder wer seinen Kindern einen spielerisch unterhaltsamen Zugang zu den grössten Komponisten der Weltgeschichte ermöglichen möchte, dem sei diese Hörspielreihe ganz besonders ans Herz gelegt. Nik Niethammer

Altes Kinderbuch neu entdeckt

Marta Koci und Edgar Breuss: Schwarzack. Nordsüd, 1981, 32 Seiten. (Das Buch ist leider vergriffen, aber gebraucht noch erhältlich.)
Marta Koci und Edgar Breuss: Schwarzack. Nordsüd, 1981, 32 Seiten. (Das Buch ist leider vergriffen, aber gebraucht noch erhältlich.)
Es gehört für mich zu den grossen Freuden des Mutterseins, meine alten Kinderbücher von früher wiederzuentdecken. So geschehen auch bei Schwarzsack. Eines meiner Lieblingsbücher aus meiner Kindheit. Noch heute muss ich jedes Mal die Tränen zurückhalten, wenn die Sonnenblume über das mutige Mädchen Marie und ihren neuen Freund Schwarzack wacht. Mehr sei hier nicht verraten, es ist ein grossartiges Kinderbuch mit viel Tier- und Lebensliebe.  Florina Schwander

Für verliebte Väter

Steffen Weinert: Läuft bei uns. Ein Vater-Tochter-Roman. Rohwohlt Taschenbuch, 2019. 208 Seiten, ca. 16 Fr.
Steffen Weinert: Läuft bei uns. Ein Vater-Tochter-Roman. Rohwohlt Taschenbuch, 2019. 208 Seiten, ca. 16 Fr.
Puh, ganz ehrlich: Mit der 14-jährigen Mathilda möchte ich nicht tauschen. Ihr Vater Sebastian ist eine echte Glucke. Steffen Weinert schreibt ein hochkomisches Buch darüber, wie sich der alleinerziehende Teenager-Vater in alle möglichen Katastrophen hinein denkt, die seinem kleinen Schatz blühen könnten.

Dabei wünscht sich Mathilda doch einfach nur ein klein wenig mehr Unabhängigkeit. Was sie stattdessen bekommt? Ein Handy mit Schnüffelsoftware darauf und einen ungewollten Test, ob das Töchterlein nicht vielleicht doch hochintelligent ist. Ein klarer Anti-Ratgeber in Romanform. Liebeswürdig und lustig. Und mit 208 Seiten selbst für Lesemuffel als Sommerferienlektüre geeignet. Bianca Fritz
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Macht auch beim Vorlesen Spass

Steven Kellog: Malwine in der Badewanne. Oetinger, 1979, 32 Seiten, ca. 17 Fr. 
Steven Kellog: Malwine in der Badewanne. Oetinger, 1979, 32 Seiten, ca. 17 Fr. 
Ich habe ein Herz für Tiergeschichten und dazu gehört das Buch über das liebe Ungeheuer Malwine. Das harmlose Geschenk vom Onkel aus Schottland entwickelt sich nicht wie erwartet zu einem Frosch, sondern wächst weiter und weiter …

Schon bald hat Malwine in der Badewanne nicht mehr Platz und eine kreative Lösung muss her! Die Geschichte ist liebevoll gezeichnet und hält ein paar Augenzwinker-Momente für Gross und Klein parat. Florina Schwander


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