Manche Väter finden ihren Platz nicht - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Manche Väter finden ihren Platz nicht

Lesedauer: 1 Minuten

3 Fragen an Remo Ryser, erster ­männlicher Berater bei der Mütter- und Väterberatung Kanton Bern, zur Rolle heutiger Väter.

Interview: Florina Schwander
Bild: Rawpixel.com

Herr Ryser, wer kommt zu Ihnen in die Beratung?

Väter beginnen erst langsam, uns für sich zu entdecken. Der Grossteil der Beratungen findet weiterhin mit den Müttern statt, bei jeder achten Beratung ist der Vater mit dabei. Der Anteil der Väter, die sich mit ihren Fragen alleine zu uns aufmachen, nimmt – auch dank ­spezieller Angebote für Väter wie den Online-Väterrunden oder dem Väter­telefon – laufend zu. Die Ergebnisse unserer Väterbefragung haben gezeigt, dass Väter ihre Themen gerne mit einem Fachmann besprechen, der selbst Vater ist. Und sie wünschen sich Angebote, bei denen sie von anderen Vätern hören, wie diese es machen. Beides hätte auch ich mir übrigens rückblickend gewünscht, als ich vor acht Jahren Vater wurde.

Remo Ryser (Bild: zVg)

Welche Themen brennen Vätern auf der Seele? 

Für manche geht es darum, mehr Sicherheit zu gewinnen, ihren eigenen Stil zu entwickeln und Zweifel an ihren väterlichen Fähigkeiten zu überwinden. Andere fühlen sich im Spagat Arbeit und Familie unter Druck, spüren Schuld­gefühle gegenüber der Partnerin und dem Kind aufgrund ihrer hohen Arbeitspräsenz und wollen ihre Prioritäten überprüfen. Wieder andere sind von den heftigen Gefühlen überrascht, denen sie in der Vaterrolle begegnen und wollen etwas über den Umgang mit Frust-, Ärger- und Ohnmachtssituationen und zum Thema Stressmanagement ­erfahren. Daneben gibt es auch Väter, die sich an mich wenden, weil sie ihren Platz in der Familie nicht finden, sich an den Rand gedrängt fühlen oder einen Paar- oder Familien­konflikt entschärfen möchten.

Wie stehen Sie zum Thema ­Vaterschaftsurlaub?  

In vielen Köpfen hält sich leider weiterhin hartnäckig, dass es in den ersten Wochen und Monaten vor allem um die Beziehung zwischen Mutter und Kind geht. Das ist von der Bindungs- und Familienforschung schon lange widerlegt. Dem Vater kommt als Drittem im Bunde eine bedeutsame Rolle als Brücke zur Welt zu – von Anfang an. In dem Sinne ist ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ein Zeichen der Wertschätzung an die Väter und eine symbolische Starthilfe für die Familie.

Die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern bietet kostenlose Beratung.
Spezielle Angebote für Väter gibt es unter:
www.mvb-be.ch/de/beratung/fuer-vaeter