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Entwicklung

Spielzeug: Weniger ist mehr

Das kindliche Spiel findet nicht nur draussen, sondern auch in den eigenen vier Wänden statt. Meist sind die Kinderzimmer schon in wenigen Jahren komplett überfrachtet. Wie findet man aus der Konsumfalle wieder raus? 
Text: Claudia Landolt
«Als ich ein Junge war, besass ich einen Bagger, eine Steinschleuder, ein paar Kuscheltiere, ein Schachspiel, für das ich das Brett selbst bemalt hatte, einen Metallbaukasten, auf den ich unheimlich stolz war, ein Taschenmesser, eine kleine Tasche mit echtem Werkzeug, ein Fahrrad und ein paar Kinderbücher», erinnert sich Opa Max, 75, im Gespräch mit seinem Enkel Benjamin. «Echt? Nur so wenig?», fragt der Zehnjährige ein bisschen fassungslos.
 
Wer sich einen Weg durch Benjamins Kinderzimmer bahnen möchte, tut gut daran, einen Schneepflug mitzubringen. «Ich habe damals rein gar nichts vermisst. Ich bin immer gleich nach der Schule nach draussen gegangen, habe mit meinen Freunden gespielt, mit einfachen Haken geangelt, neue Ställe für meine Hasen gebaut. Oder auch mal den Nachbarn Streiche gespielt», erzählt Opa Max.
 
Der Spielzeugmarkt ist ein Wachstumsmarkt. An der internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg präsentieren Hersteller jährlich eine Million neue Spielzeuge, davon 60 000 Innovationen oder veränderte und verbesserte Produkte. Manche davon schaffen es in die Schweiz.
 
2015 kauften Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz Spielzeug im Wert von rund 460 Millionen Franken. Viele dieser Spielzeuge sind überflüssig, sagen Forscher wie der Hamburger Psychologe André Frank Zimpel. «Schon mehr als vier genutzte Spielzeuge können die Aufmerksamkeit eines Kindes überfordern, zumindest im Vorschulalter.» Kinder seien überaus findig darin, alles Mögliche zum Spielzeug zu erklären. Ein Besen ist ein Ritter, ein Schuhkarton ein Auto, Knöpfe Edelsteine. Jeder Haushalt, jeder Garten und jeder Wald bieten genügend Ausgangsmaterial.
 
So finden Sie heraus, welches Spielzeug Ihr Kind mag (und welches Sie getrost weitergeben können):

  • Welche besonderen Interessen hat mein Kind?
  • Welches Material braucht es zur Unterstützung seiner derzeitigen Entwicklung? (Wenn es beispielsweise gerade einen starken Bewegungsdrang hat, ist ein Ball oder ein fahrbares Gerät besser als ein Puzzle.)
  • Wofür haben wir Platz? (So schön eine Eisenbahn ist – wenn sie immer im Weg herumsteht, gibt es nur Ärger.)
  • Welche Spielmaterialien sind bereits vorhanden und können sinnvoll ergänzt werden? (Verkleidungskisten zum Beispiel können laufend mit wenig Aufwand ergänzt werden.)

Und so ersparen Sie sich den Stress mit Spielzeug:
 
  • Spielzeug wie Lego, Playmobil oder die Brio-Bahn sind auf permanenten Zukauf ausgerichtet. Es lohnt sich daher, sich rechtzeitig für ein Konstruktionsspielzeug zu entscheiden.
  • Zu viel Kleinzeug verstopft das Kinderzimmer und treibt Eltern zur Verzweiflung. Widerstehen Sie der Ver­­­suchung, Lebensmittel mit Spielzeuggeschenken zu kaufen.
  • Merchandising-Artikel zu Filmen oder Figuren verkaufen sich über hohen Werbedruck, Herzenswünsche sind sie selten. Bleiben Sie standhaft!
  • Verwandte und Freunde oder Götti und Gotte bringen gerne etwas mit. Bitten Sie um Bücher, Stifte und Bastel­material; das erhöht den Spielzeugberg nicht.
Bild: Fotolia

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Dies ist ein Artikel aus dem Dossier zum Thema Spielen aus unserem August-Magazin. Dieses wird ab dem 17. August am Kiosk zu haben sein. Oder ganz bequem mit einem Abo bei Ihnen zu Hause.

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