Martina und Martin Gerber: «Gemeinsam lachen hilft über vieles hinweg»
Entwicklung

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«Gemeinsam lachen hilft über vieles hinweg»

Martina, 38, Fachfrau Langzeitpflege in der ­Alterspsychiatrie, und Martin Gerber, 40, Automobil­diagnostiker, leben mit ihren Söhnen Timo, 13, und Leo, 11, in Sumiswald BE. Sie wollen den Kindern beibringen, die eigene Meinung zu vertreten, aber auch Kompromisse einzugehen.
Text: Birgit Weidt
Bild: Joël Hunn
Martina: «In den ersten Jahren mit den Kindern habe ich mir zu viel vorgenommen. Ich wollte alles zu gut machen und bekam ein Burnout. Danach habe ich gelernt, gelassener zu sein – was mir und unserer Familie guttut. Ich achte stärker auf meine Bedürfnisse und äussere sie. Ich mag etwa im Gegensatz zu meinen Buben keine Actionfilme. Doch jeder kann seine Wünsche äussern und darf mal das Fernseh­programm bestimmen. Auch beim Skifahren musste meine Familie des Öfteren Rücksicht auf mich nehmen, da ich keine steilen Hänge mag. Timo und Leo lernen durch mein Verhalten, zu sich zu stehen, ihre Meinung zu vertreten, aber auch Kompromisse einzugehen und so den Blick auf andere zu richten. Wichtig finde ich auch, seine Gefühle zu zeigen, nicht zu verstecken, wie es einem geht. Wenn ich mal wütend bin, schlucke ich dieses Gefühl nicht runter. Wie jenes Mal im Winter. Ich kam nach Hause und die Buben hatten den ganzen Tag das Fenster offen gelassen im Wohnzimmer. Es war eiskalt. Da war ich echt sauer und habe erklärt warum. Wir haben darüber gesprochen, sie haben es verstanden, dann war das Thema vom Tisch. Worauf ich wirklich stolz bin: Wir sind eine echt fröhliche, lustige Familie und lachen viel!»
«Wichtig finde ich, nicht zu verstecken, wie es einem geht. Wenn ich mal wütend bin, schlucke ich dieses Gefühl nicht runter.»
Martin: «Ja, das stimmt! Neulich schickte Martina uns drei zum Einkaufen, wir sollten unter anderem einen Kopfsalat mitbringen. Als sie ihn zum Mittagessen waschen wollte, konnte sie sich vor Lachen nicht halten. Wir liefen in die Küche – und sie sagte, dass sie noch nie einen so winzigen Kopfsalat gesehen habe! Ihr Lachen steckte uns alle an. Natürlich begriffen wir in diesem Moment, wie unmöglich es war, aus einem tennisballgrossen Salatkopf etwas zum Zmittag zu zaubern. Martina hätte ja auch genervt oder sauer reagieren können – hat sie aber nicht. Das Leben auch von der humorvollen Seite zu nehmen, kann Situationen entspannen, schmiedet zusammen, schafft Nähe. Wenn Leo angespannt ist, hilft es, ihn auszukitzeln, dann ist vieles nur noch halb so schlimm. Bei Timo klopfe ich blöde Sprüche, wenn er zum Beispiel keine Spaghetti will, reicht ein Satz von Peach Weber wie: ‹Immer wieder Nüdeli, das git es pfundigs Füdeli!› Dann grinst er und isst drauflos. Ich möchte, dass meine Jungs das Leben ernst nehmen, aber auch die komischen Seiten sehen. Das sorgt für eine positive Lebenseinstellung.»

<div>Auf der Suche nach einer eigenen Identität orientieren sich Kinder zunächst an den Eltern – und grenzen sich dann immer stärker von ihnen ab. <strong>Wie Müttern und Vätern das Vorbildsein gelingt, erfahren Sie im </strong><a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/vorbild-sein"><strong>Online-Dossier </strong><strong><em>«</em></strong><strong>Vorbild sein</strong><strong><em>»</em></strong></a><strong>.</strong></div>
Auf der Suche nach einer eigenen Identität orientieren sich Kinder zunächst an den Eltern – und grenzen sich dann immer stärker von ihnen ab. Wie Müttern und Vätern das Vorbildsein gelingt, erfahren Sie im Online-Dossier «Vorbild sein».

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    Auf der Suche nach einer eigenen Identität orientieren sich Kinder zunächst an den Eltern – und grenzen sich dann immer stärker von ihnen ab. Wie Müttern und Vätern das Vorbildsein gelingt, erfahren Sie in diesem Dossier.

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