Elternbildung

Unsicher in Sachen Erziehung? Ein gutes Zeichen!

Sie wissen oft nicht so recht, ob Sie Ihre Kinder gut erziehen? Dann sind sie vermutlich auf dem richtigen Weg, sagt Psychologe Fabian Grolimund.
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Viele Eltern fühlen sich heute unsicher im Umgang mit ihren Kindern. Wir stellen uns Fragen und uns selbst infrage: «Wie soll ich meinem Kind Grenzen setzen? Wie gehen wir mit dem Thema Medienkonsum um? Wie offen sollen wir als Eltern sein? Wie begleiten wir das Kind gut durch die Schulzeit? Was muss ich tun, um mein Kind auf die Zukunft vorzubereiten? Ab wann ist mein Kind alt genug, um in den Ausgang zu gehen? Habe ich richtig reagiert? Warum habe ich nicht mehr Geduld? Müsste ich auf eine gesündere Ernährung achten? Wo kann ich mein Kind machen lassen und wo muss ich eingreifen?»

Diese Verunsicherung wird von vielen als Schwäche ausgelegt: Die Eltern hätten heute ihre Intuition verloren, könnten sich nicht mehr auf ihre Instinkte verlassen, nicht mehr selbst denken und bräuchten für jeden Mist einen Ratgeber.

Wenn wir über Intuition sprechen, meinen wir damit oft angeborene Elterninstinkte. Diese sind beim Menschen jedoch relativ rudimentär ausgeprägt und betreffen vor allem den Umgang mit Säuglingen. Zudem ist unser instinktives Verhalten immer noch darauf ausgelegt, unsere Kinder auf ein Leben als Jäger und Sammler vorzubereiten.

Barbie-Drama im Supermarkt

Wenn unsere Kinder im Supermarkt toben, weil sie die neue Barbie wollen, zu lange am Smartphone hängen oder zu spät anfangen, für die Prüfung zu lernen, greift unser angeborenes Programm zu kurz.

Nehmen wir die erste Situation: Die 4-Jährige weint und kreischt im Supermarkt, weil sie die Barbie will. In dieser Situation wird unser Stresssystem aktiviert – wir sind als Eltern angespannt. Lassen wir uns von unseren Impulsen leiten, werden wir wahrscheinlich ungünstig reagieren.

Vielleicht empfinden wir in erster Linie Scham, weil andere uns angaffen. Das kann uns dazu verleiten, dass wir die Barbie kaufen – nicht, weil wir das sinnvoll finden, sondern weil wir diese unangenehme Situation möglichst rasch beenden wollen. Vielleicht schiebt sich auch die Wut in den Vordergrund und sorgt dafür, dass wir das Kind anbrüllen oder ihm die kalte Schulter zeigen und es einfach stehen lassen und weggehen. Vielleicht machen wir es uns auch einfach und lügen das Kind an: «Ich habe nicht genug Geld dabei.»
Wenn das Kind schreit, sollen wir uns einfühlend verhalten. Dafür müssen wir unsere eigenen Emotionen kontrollieren können.
Eine reife Reaktion würde beispielsweise darin bestehen, dass wir uns bewusst machen, dass ein Kind erst lernen muss, mit Frust umzugehen. Hat es einen drängenden Wunsch, ist es schwierig, sich davon zu lösen und die damit verbundenen Gefühle auszuhalten.

Als Elternteil könnten wir uns in das Kind einfühlen, es auf den Arm nehmen, ihm zugewandt bleiben und seine Gefühle verbalisieren – «Ich weiss, das hättest du jetzt sehr gerne» –, während wir weitergehen, das Weinen aushalten und die Barbie nicht kaufen. Dabei müssen wir unsere eigenen Emotionen regulieren im Wissen, dass es dem Kind langfristig besser gelingt, sich zu beruhigen, wenn wir selbst ruhig bleiben.

Diese kompetente Reaktion verlangt uns als Eltern unheimlich viel ab. Das merken wir daran, dass es uns nicht mehr gelingt, sobald wir selbst zu gestresst, müde oder gereizt sind.

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