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Elternbildung

Frau Schläpfer, muss man sich bei Mobbing immer einmischen?

Mobbingexpertin Christelle Schläpfer über Mobbingprävention an Schulen und was Lehrpersonen auf keinen Fall tun sollten.
Interview: Fabian Grolimund

Frau Schläpfer, Sie setzen sich für Mobbingprävention an Schulen ein. Dabei nutzen Sie Geschichten und Filme. Können Sie uns schildern, wie Sie dabei vorgehen?

Es reicht nicht aus, Schülerinnen und Schüler nur über das Thema Mobbing zu informieren. Man muss sie sensibilisieren. Dazu nutze ich Filme und Geschichten. Dabei verteile ich Rollenkärtchen mit den Namen der Protagonisten des Films oder der Geschichte und erteile den Schülern den Auftrag, sich auf die jeweilige Figur zu konzentrieren. Sie versuchen dabei, sich in die Figur einzufühlen und zu verstehen, wie es dieser geht und was sie braucht. Die Klasse erarbeitet dann gemeinsam Lösungswege aus der Mobbingsituation in der Geschichte. Falls man diese Übung durchführt, sollte allerdings darauf geachtet werden, dass ein Kind, welches in der Klasse Opfer ist, kein «Opferrollenkärtchen» erhält.

Sie arbeiten zu Teil auch bei akuten Mobbingsituationen auf diese Weise. Warum sprechen Sie das Mobbing nicht direkt an?

Geschichten erlauben es den Kindern, über eine Situation zu sprechen, die ihrer eigenen ähnelt, ohne sich exponieren zu müssen. Da die Schüler auf diese Art weder beschämt noch beschuldigt werden, kommen sie nicht ins Rechtfertigen oder Verharmlosen. Dies ermöglicht eine kreative und gemeinsame Lösungssuche und vor allem eine neue Sichtweise. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Lösungen können dann sorgfältig auf die eigene Situation in der Klasse transferiert werden. Man nutzt die Ressourcen der Klasse und die entstandenen Lösungsideen aus der Arbeit mit der Metapher.
Erst das Mittun oder Nichtstun der andern gibt dem «Täter» eine Rechtfertigung weiterzumachen.

Können Sie einige Geschichten und Filme empfehlen?

Bei jüngeren Kindern empfehle ich gerne Bilderbücher und Geschichten. Eines meiner Lieblingsbücher ist «Irgendwie Anders» von Kathrin Cave. Es geht in dieser Geschichte um aktive Ausgrenzung. Die Kinder fühlen mit der Figur richtiggehend mit. Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet, und man kann damit wunderbar Gefühle, Bedürfnisse, re­­spektvollen Umgang miteinander und Toleranz für Andersartigkeit thematisieren. Bei Kindern ab der Mittelstufe arbeite ich gerne mit einem Filmbeispiel von Childnet: «Let’s fight together». Zwar handelt es sich offiziell um einen Präventionsfilm gegen Cybermobbing, jedoch werden die klassischen Mobbingmechanismen dort so schön gezeigt, dass ich dieses Beispiel als besonders geeignet sehe. Es handelt sich um einen englischen Film mit Untertiteln – es wird jedoch kaum gesprochen, und die Gefühle brauchen hier definitiv keine Übersetzung.
Christelle Schläpfer ehemalige Gymnasiallehrerin, ist Gründerin von edufamily® und als Trainerin in den Bereichen Elternbildung und Lehrerfortbildungen unterwegs. Sie arbeitet zudem in eigener Praxis in Winterthur als Beraterin und Coach. www.edufamily.ch  Bild: zVg
Christelle Schläpfer ehemalige Gymnasiallehrerin, ist Gründerin von edufamily® und als Trainerin in den Bereichen Elternbildung und Lehrerfortbildungen unterwegs. Sie arbeitet zudem in eigener Praxis in Winterthur als Beraterin und Coach. www.edufamily.ch
Bild: zVg

Was müssen die Schüler lernen, damit Mobbing aufgelöst werden kann?

Die Schüler lernen durch diese Form der Arbeit, dass sie eine gemeinsame Verantwortung tragen. Es geht keinesfalls um eine Schuldfrage, sondern um eine Frage der Verantwortung. Wer meint, einzig und allein der «Täter» trage die Verantwortung für die Situation oder das «Opfer» sei selber schuld, irrt. Mobbing ist, ganz anders als ein gewöhnlicher Konflikt, ein Gruppenphänomen. Erst das Mittun oder Nichtstun der andern gibt dem «Täter» eine Rechtfertigung weiterzumachen. Mitläufer und Zuschauer sind «Möglichmacher» und müssen in die Lösungsfindung involviert werden.
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1 Kommentar

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Von Tine am 21.09.2016 09:54

Ja! Ja! und nochmal Ja! Als Lehrer Stärke zeigen und konsequent bleiben. Auch wenns unbequem wird und Zeit kostet! Sie sind es dem Kind schuldig! Eine Unterstützergruppe finde ich super. Funktioniert aber nur, wenn sich der Zustand noch nicht manifestiert hat und starke Persönlichkeiten in der Klassengemeinschaft sind die sich darauf einlassen können. Als Lehrer unbedingt klare Kante zeigen und das betroffene Kind unterstützen und ihm glauben! ... Und vor allem die Eltern verstehen und unterstützen und nicht als "Wichtigtuer" abtun.

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