Was Kindern nach einer Trennung hilft - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Was Kindern nach einer Trennung hilft

Lesedauer: 9 Minuten

Fast jede zweite Ehe wird heute geschieden. Das stecken die Kinder nicht so leicht weg. Ihre Wut und Trauer gilt es auszuhalten ­— und zwar ohne sich selber zu erklären und zu rechtfertigen.

Ich weiss noch, wie dieser Satz bei mir einschlug: «Die Eltern von Daniel lassen sich scheiden.» Ich war etwa 8 Jahre alt und mein bester Freund hatte mir erzählt, dass die Eltern eines Klassenkameraden sich trennen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir – zumindest auf emotionaler Ebene – nicht bewusst, dass Eltern sich plötzlich nicht mehr lieben und auseinandergehen könnten. Am Abend mussten mir meine Eltern versichern, dass sie sich «ganz, ganz sicher nie scheiden lassen werden».

Heute haben Trennungen und Scheidungen den Anstrich von etwas Alltäglichem. Schliesslich werden gegen 40 Prozent aller Ehen wieder aufgelöst. Das hat den Vorteil, dass getrennt lebende Eltern heute weniger stigmatisiert werden. Es hat aber auch den Nachteil, dass viele Eltern unterschätzen, was eine Trennung alles mit sich bringt.
Im Bekanntenkreis habe ich in den letzten Jahren mehrmals miterlebt, dass Eltern davon ausgingen, dass sie die Trennung «als reife Erwachsene» relativ zügig über die Bühne bringen können und die Scheidung einen Schlussstrich unter eine unbefriedigende Beziehung setzt. Erst im Nachhinein wurde klar, wie schwierig es sein kann, wenn man plötzlich viele wichtige Entscheidungen gemeinsam mit jemandem treffen muss, den man gerade verlassen hat, weil vieles im Argen lag und man kaum mehr miteinander reden konnte. Und plötzlich sahen sich Eltern, die sich geschworen hatten, genau das den Kindern zuliebe nicht zu tun, mit Anwälten vor Gericht, stritten erbittert darum, wer die Kinder wie oft «haben» darf, wie hoch die ­Alimente ausfallen sollen und darum, wer der bessere Elternteil ist.

Trennung ist fast immer eine Belastung für die Kinder

Eine Bekannte meiner Frau war überrascht, wie heftig ihre Kinder auf die Scheidung reagierten. Sie ging davon aus, dass die ständigen Streitereien für die Kinder schlimmer sind als eine Trennung. Ich glaube, dass sie mit dieser Einschätzung richtig lag. Nur hat sie unterschätzt, wie sehr Kinder doch darauf hoffen, dass die Eltern es irgendwie hinbekommen.

Artikel kostenlos weiterlesen

Gratis registrieren und profitieren:

  • Begrüssungsgeschenk
  • Zugriff auf alle Artikel
  • Artikel speichern & später lesen
  • Teilnahme an Verlosungen
Sie sind noch nicht registriert? Hier geht's zur Registration