Die kleine böse Stiefmutter in mir - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Die kleine böse Stiefmutter in mir

Lesedauer: 2 Minuten
Es war die Abschlussveranstaltung der Klasse meiner Tochter vor dem Übertritt ins Gymnasium. Ich sass neben meinem Ex-Mann im dunklen Zuschauerraum, und unser Mädchen spielte auf der Bühne Theater. Ihre Rolle war die der PR-Managerin einer Band, wozu sie Blazer, Absätze und Lippenstift trug. Und gar nicht mehr aussah wie das Mädchen, das sie doch noch war. Oder etwa nicht mehr? Seit auch sie der heiligen Dreifaltigkeit von Haaren, Nägeln, Make-up huldigt, verwischt sich die Grenze zwischen Kind und junger Erwachsener nicht nur für Aussenstehende immer mehr. An jenem Abschlussabend blieb auch mir nicht mehr verborgen, dass sie nicht mehr länger nur mein Mädchen war, sondern auch eine junge Dame.
«Ist sie nicht schön?», flüsterte mir mein Ex-Mann zu. «Eine wunderschöne junge Frau.» Ich nickte und erschauerte auch ein bisschen. Eine junge Frau? Ist man das mit vierzehn wirklich schon? Wenn das nur gut geht!

Ich weiss, dass es Mütter gibt, die sich von der Jugend ihrer eigenen Töchter bedroht fühlen. Und man kann es ihnen nicht verdenken. Wenn die Kinder noch klein sind, freut man sich daran, wie schnell sie wachsen, sich verändern, der Zeit Form und Gestalt geben. Aber heute? Nie fühle ich mich älter, als wenn ich neben meiner Tochter vor dem Badezimmerspiegel stehe. Dann denke ich an in der Sonne schrumpelnde Rosinen und verblühende Rosensträucher. Während sie mit jedem Tag mehr strahlt.

Die kleine böse Stiefmutter, die Schneewittchen an den Kragen will. Bang fragte ich mich, ob auch in mir eine solche irgendwo schlummere.
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