Arztbesuche können die Gesundheit gefährden

Wenn die Tage kürzer werden, war dies immer das Fanal für Erkältungen, die Gehörgänge meines Sohnes zu belagern und schmerzhafte Attacken auf seine empfindlichen Mittelohren zu reiten. Besonders, als er noch kleiner war, führte dies dazu, dass er in dieser Zeit eine Standardantwort auf alle möglichen Fragen, Anwürfe oder Bitten hatte. Sie lautete: «Was?»

Die Sorge um sein Hörvermögen trieb mich eines Tages wieder in eine Kinderarztpraxis. Nach dem Mittagessen hatte ich die Tochter zur Klavierstunde gebracht und hetzte dann mit dem Sohn durch die Stadt, um pünktlich beim Arzt einzutreffen. Mit einem herbstlichen Windstoss segelten wir in die Praxis, wo uns zwei Praxisassistentinnen mit Schutzmasken und einem vermutlich freundlichen Lächeln empfingen. Wir sollten doch Platz nehmen. Aber nein, nicht im Wartezimmer, denn da befänden sich Kinder mit einem ansteckenden Hautausschlag. Aber hier in der Ecke sei noch Platz.

Wir setzten uns auf einen unbequemen Stuhl und warteten. Weil es in der Warteecke keine der üblichen Zerstreuungsmöglichkeiten gab, spielte ich gefühlte hundert Runden «Schäri, Schtei, Papier» mit ihm und beobachtete dabei das Treiben in der Praxis. Mehr Eltern mit kleinen Patienten strömten hinein, andere verliessen die Praxis und rieben sich auf dem Weg hinaus die Hände mit Desinfektionslösung ein. Schliesslich musste ich meinen Sohn um eine «Schäri, Schtei, Papier»-Pause bitten. «Was?», sagte er. Und dann: «Wie lang gohts no?»

Wir warteten. Um Konversation mit dem Praxispersonal zu machen, fragte ich, ob sie die Masken wegen der Grippe trügen. «Oh nein», teilten mir die Schutzmasken mit, «aber diese Praxis ist sozusagen ein Stelldichein aller möglichen Krankheiten, da schützt man sich besser». Ich beschloss, möglichst nichts mehr zu berühren und mir bei der nächsten Gelegenheit gründlich die Hände zu waschen. Das sagte ich auch meinem Sohn. «Was?», antwortete der. Und dann: «Wie lang gohts no?»

«Was?»
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