Oliver Wirtz ist neuer Verlagsleiter - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Oliver Wirtz ist neuer Verlagsleiter

Lesedauer: 5 Minuten

Seit dem 1. April 2022 ist der 47-jährige Zürcher der neue Verlagsleiter beim Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi. Im Interview verrät Oliver Wirtz, welches Potenzial er als Digitalexperte beim erfolgreichen Printmagazin sieht und was ihm persönlich wichtig ist bei der Erziehung seiner Kinder. 

Text: Florina Schwander
Bild: Rawpixel

Herr Wirtz, Sie haben die letzten Jahre hauptsächlich digital gearbeitet. Was reizt Sie als Digitalexperte an einem Printtitel? 

Die Medienwelt, der Journalismus und die vielseitigen Möglichkeiten der Kommunikation im Allgemeinen haben mich schon als Jugendlichen fasziniert. Der Job als Verlagsleiter bei Fritz+Fränzi ist eine Traumstelle für mich. Denn: Er führt mich zurück zu meinen Wurzeln in die Verlagswelt und versinnbildlicht den heute wichtigsten Wert für mich: Ein glückliches Familienleben führen zu dürfen. Das möchte ich auch anderen Eltern und ihren Kindern ermöglichen.  
 
Vor mehr als 20 Jahren startete ich beim Nachrichtenmagazin FACTS als Online-Produzent und Journalist. Ich lernte die ganzen Prozesse des Verlagswesens kennen – vom Rohtext, der Disposition von Anzeigen, dem Auswählen des Covers bis hin zur gedruckten oder der Online-Ausgabe. Meine weiteren Stationen bei Spick, annabelle, Schweizer Familie, SonntagsBlick oder PCtipp haben mich bis heute stark geprägt. Danach folgte eine intensive, aber lehrreiche Zeit bei verschiedenen digital orientierten Start-ups.  

Oliver Wirtz ist seit 1. April 2022 Verlagsleiter (Bild: Marvin Zilm)

Mein Hauptfokus in der letzten Jobfunktion hat stark der Generierung von Verkaufsleads, der Optimierung von Performance-Kampagnen und der Auswertung von unüberschaubaren Datensätzen gegolten. Die menschliche Komponente und das Wissen, ein echtes Kundenbedürfnis zu befriedigen oder bei der Lösung eines Problems zu helfen, haben dabei leider oft gefehlt.  

Bei Fritz+Fränzi gefällt mir sehr gut, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter mit Herzblut hinter dem Produkt steht und sich stark mit den Inhalten identifiziert. Was mich besonders reizt, ist die Herausforderung, wie ein etabliertes, klassisches Printmagazin das vorhandene gebündelte Wissen zu allen relevanten Themen aus den Bereichen Elternsein, Kinder, Schule, Erziehung usw. auch im digitalen Umfeld im richtigen Format nutzergerecht präsentieren kann. Insbesondere interessiert mich eine Antwort auf die Kernfrage, ob man ein modernes, zeitgemässes Gefäss mit echtem Mehrwert auf sozialen Kanälen wie z.B. Facebook oder Instagram schaffen kann, welches kostendeckend die Vermittlung von Elternwissen an die breite Bevölkerung ermöglicht. 

Was sind Ihre beruflichen Ziele für die ersten 100 Tage? Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?

In erster Linie geht es mir in den ersten paar Monaten darum, das Team und die Arbeitsweise kennenzulernen, die Abläufe und Eigenheiten des grössten Schweizer ElternMagazins zunächst einmal zu verstehen. Ich möchte mir die komplette DNA von Fritz+Fränzi verinnerlichen. In dieser Lernphase werde ich sicher viele Fragen stellen und ebenso viele Antworten bekommen. Damit entsteht eine solide Basis für alle weiteren Schritte und Überlegungen, um dann nachgelagert businessrelevante Ziele zu definieren.  

Auf meiner Agenda ganz weit oben stehen aber natürlich auch generelle unternehmerische Aspekte, wie das Sicherstellen eines erfolgreichen Wachstums der Leserschaft, das Generieren von nachhaltigen Anzeigeneinnahmen, eine speditive und zuverlässige Distribution und Logistik sowie die Evaluation von interessanten, dem Stiftungszweck dienenden Partnerschaften. 

Ich bin überzeugt davon, dass wir mit den wertvollen, crossmedial aufbereiteten Inhalten des ElternMagazins zum richtigen Zeitpunkt einen wichtigen Beitrag leisten können für viele Mütter und Väter in der Schweiz. 

Corona hat in den letzten Jahren unter anderem der Werbebranche arg zugesetzt, auch die Papierpreise sind deutlich angestiegen. Das nur zwei der Herausforderungen, die Sie bei Fritz+Fränzi antreffen. Wo sehen Sie Chancen und Schwierigkeiten für Printtitel?

Der Papierkreislauf ist während Corona komplett aus dem Gleichgewicht geraten, weil die Menschen in Lockdown und Quarantäne unter anderem viel häufiger und intensiver im Internet eingekauft haben. Das Schweizer Altpapier wurde also nicht wie herkömmlich wieder zu normalem Papier, sondern zu Karton für Pakete. Aber: Entsorgter Karton kann dann eben nicht mehr zu Papier verarbeitet werden.  

Zudem hat die einzige Schweizer Papierfabrik Ende 2021 lichterloh gebrannt und wurde im Januar 2022 auch noch durch einen Cyberangriff lahmgelegt – mit weitreichenden Folgen: Es entstand eine noch grössere Papierknappheit in unserem Land. Die Papierpreise sind dadurch bis zu dreimal höher als noch vor der Pandemie, was uns als Verlag besonders hart trifft. 
 
Viele Branchen der Wirtschaft haben arg gelitten in den zwei letzten Pandemiejahren. Vieles musste von heute auf morgen neu geregelt werden, der Digitalisierungsboom hat viele Unternehmen verunsichert. Ich empfinde die Situation in der Werbewelt noch immer als regelrechte Achterbahnfahrt. 
 
Zum Glück konnten wir im 2022 gestärkt ins neue Jahr starten und es ist zu hoffen, dass sich der Markt wieder auf einem stabilen Niveau einpendelt. Durch oben genannte Faktoren haben sich die Mediaspendings in den letzten, wie auch im laufenden Jahr wiederum stark in den Bereich «Internet» verlagert. 49% aller Massnahmen auf dem Gesamtmarkt werden heute ausschliesslich unter Berücksichtigung von Google Search, Display, Facebook oder Youtube geplant – mit einem zunehmenden Fokus auf mobile Geräte. Die Tatsache, dass Schweizer Unternehmen ihren Werbefranken zu einem grossen Teil in amerikanische Firmen wie Google und Co. investieren, empfinde ich als Leiter eines traditionellen Schweizer Verlages als grosse Herausforderung. 
 
Was mich aber sehr freut und zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass das Schweizer Elternmagazin Fritz+Fränzi gegen den aktuellen Trend auf dem Markt mehr Leserinnen und Leser erreicht als je zuvor. Aus der neuesten Mach-Basic-Studie von der WEMF AG ist vor einigen Tagen hervorgegangen, dass unser Elternmagazin neu 225’000 Menschen erreicht. Allein im vergangenen Jahr konnten 14’000 neue Leserinnen und Leser gewonnen werden. Die Leserschaft wurde somit seit 2016 um insgesamt 78’000 Leserinnen und Leser gesteigert. Fritz+Fränzi ist damit einer der wenigen Printtitel der Schweiz, dessen Leserschaft seit Jahren konstant wächst. 

Im vergangenen Herbst wurde die Plattform www.fritzundfraenzi.ch komplett erneuert. Der neu eingeführte ElternPass unterstützt Eltern mit Vergünstigungen im Freizeit- und Bildungsbereich. Was haben Sie online für Pläne?

Der ElternPass ist ein gutes Instrument, um Eltern neben den klassischen Elternthemen auch in den Bereichen Freizeit und Familienleben eine Unterstützung zu bieten. Mit dem ElternPass profitieren Familien bei über 80 Angeboten von deutlichen Rabatten und Gratis-Leistungen. Das entlastet das Familienbudget und trägt zudem zu einem harmonischen Familienalltag bei. Mithilfe von parallel laufenden datengestützten Analysen kann man sogenannte User Journeys von potenziellen Kunden heute mit modernen Tools besser verstehen. Je nach Ort des Kunden im Verkaufsprozess oder auch der Eigenheit des nächsten möglichen Touchpoints kann der Kunde individuell und interessenbasiert informiert werden. Es fehlt aktuell an vielen Stellen in diesem komplexen Lead Nurturing-Prozess noch an der Datentransparenz – denn nur so können wir die Bedürfnisse unserer Kunden verstehen. 
 
In einer ersten Phase ist es aus meiner Sicht darum matchentscheidend, dass wir mit den vorhandenen Instrumenten eine möglichst durchgängige Messbarkeit von allen wichtigen Aktionen unserer Nutzerschaft auf unseren digitalen Kanälen herstellen. Noch viel wichtiger: Die einzelnen Datenbestände sollen miteinander verknüpft und synchronisiert werden. Daten zu sammeln ist das eine – intelligente Schlüsse daraus ziehen zu können das andere. Viele Firmen verfügen zwar heute schon über schier unerschöpfliche Datenbestände, d.h. sie verfügen über «BigData-Ressourcen» – meistens noch verteilt in verschiedenen voneinander getrennten Silos. Viel wichtiger wäre es aber, dass man diese Daten umwandelt zu «SmartData», welche in ständiger Kommunikation miteinander stehen. Erst dann kommen wir dem Ziel näher und können aus unseren Daten clevere Schlüsse ziehen und unseren Leserinnen und Lesern die für ihre individuellen Lebenssituation relevanten Hilfestellungen anbieten. 

Zum Schluss eine persönliche Frage. Sie sind Vater von zwei Söhnen im Alter von 6 und 10 Jahren. Was möchten Sie Ihren Kindern auf den Weg geben?

Treue, Ehrlichkeit, Loyalität und Aufrichtigkeit sind wichtige menschliche Charaktereigenschaften für mich. Mir ist es wichtig, dass meine Söhne diese traditionellen Werte im Alltag leben. 
 

Was möchten Sie Ihren Kindern auf den Weg geben? Diese Frage beantwortet Oliver Wirtz auch im Video:

Herzlich willkommen, lieber Oliver Wirtz und guten Start beim ElternMagazin Fritz+Fränzi! 

Sie erreichen Oliver Wirtz unter: o.wirtz@fritzundfraenzi.ch oder 044 / 277 70 34