Desktop feibel l
Medienerziehung

Medienkompetenz war gestern. Kinder brauchen Lesefähigkeit!

Seit Jahren sind Experten, Eltern und Lehrpersonen überzeugt, dass Kinder und Jugendliche vor allem Kompetenz im Umgang mit Medien entwickeln müssen. Aber stimmt das wirklich? Unser Kolumnist sagt Nein. 
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Die «Medienkompetenz» ist in die Jahre gekommen. Der Begriff stammt aus einer Zeit, als die «neuen Medien» tatsächlich noch neu waren und das Internet gerade seine ersten Gehversuche hinter sich hatte. Damals hiess die bekannteste Suchmaschine «Yahoo», gechattet wurde mit «ICQ» und eine illegale Musiktauschbörse namens «Napster» hob eine gesamte Industrie aus den Angeln.

In jenen Jahren bestanden die Ängste von Eltern hauptsächlich darin, dass ihre Kinder mit Wildfremden in Kontakt geraten könnten oder dass sie durch das Web ungehinderten Zugang zu verstörenden Inhalten wie Pornografie und Rechtsradikalismus fanden. In dieser Zeit wurde erstmals der Ruf nach Medienkompetenz als Schulfach laut.

Seitdem ist in der Schule einiges geschehen, aber leider viel zu wenig. Dafür schritt die technologische Entwicklung umso rasanter voran. Allein die sozialen Netzwerke krempelten das Web vollkommen um. Heute legen Kinder und Jugendliche ihr Smartphone kaum noch aus der Hand, entziehen sich zusehends der Kontrolle durch Erwachsene. Viele Eltern und Pädagogen fühlen sich beim Thema Medienerziehung überfordert.
Weil Computerspiele anders funktionieren als Bücher, müssen sie entsprechend anders «gelesen» werden.
Und die Medienkompetenz? Sie steht heute für alles und nichts. Schlimmer noch: Der Begriff ist mittlerweile dermassen verwässert, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Höchste Zeit also, sich mit einem neuen und vor allem unmissverständlichen Begriff vertraut zu machen: der Lesefähigkeit.
Möchten Sie sich diesen Artikel merken? Ihn vielleicht später fertig lesen? Kein Problem! Pinnen Sie einfach dieses Bild auf Ihre Pinterest-Pinnwand. Und folgen Sie uns doch auch bei Pinterest, damit Sie weitere spannende Artikel von uns zu sehen bekommen.
Möchten Sie sich diesen Artikel merken? Ihn vielleicht später fertig lesen? Kein Problem! Pinnen Sie einfach dieses Bild auf Ihre Pinterest-Pinnwand. Und folgen Sie uns doch auch bei Pinterest, damit Sie weitere spannende Artikel von uns zu sehen bekommen.

Was bedeutet Lesefähigkeit im Medienzeitalter?

Der Begriff Lesefähigkeit gilt nicht länger ausschliesslich der Rezeption von Büchern und Texten, sondern muss stark erweitert werden. Ein Beispiel: Wer sich mit Literatur gut auskennt, stösst bei Games wie Fortnite an Grenzen, was seine Lesefähigkeit betrifft. Weil Computerspiele anders funktionieren als Bücher, müssen sie entsprechend anders «gelesen» werden.

Zur Lesefähigkeit gehört ein differenziertes Hintergrundwissen. Zwar heisst es immer wieder, dass sich Kinder und Jugendliche besser mit der digitalen Welt auskennen als viele Erwachsene. Dieses Wissen beschränkt sich jedoch meist auf die reine Bedienkompetenz. Oft können Jugendliche weder die Absichten der Betreiber von Facebook und Instagram noch die Folgen ihrer eigenen Handlungen im Netz einschätzen. Auch deshalb wird aus einem gedankenlosen Streich mit dem Handy rasch Cybermobbing.

Was fehlt, ist die Fähigkeit zur Einordnung. Sie zählt zu den wichtigsten Erziehungsaufgaben von uns Erwachsenen, um Kinder im Me­­dienzeitalter zu schützen, zu fördern und zu begleiten. 

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren