Arztbesuch
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Die Schmerzen sind meist vorrübergehend

Die Sorge vieler Eltern, die Rückenprobleme ihrer Sprösslinge seien die Grundlage für entsprechende Beschwerden im Erwachsenenalter, ist unbegründet, dafür gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege. «Die Schmerzen und Fehlhaltungen sind meist etwas Vorübergehendes, die kommen und gehen auch wieder», beruhigt Sylvia Willi. Doch wer sich als Kind wenig bewegt, mutiert als Erwachsener eher selten zum Sportfan. Möglich also, dass sich mit zunehmendem Alter neue Rückenbeschwerden melden.   
Mitunter liegen Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen im Wachsen begründet. Schiesst das Kind in die Höhe, verändern sich die Proportionen im Körper, dann geht schon mal das Körpergefühl ein wenig verloren. «Wenn ich einem solchen Kind sage: ‹Stell dich mal richtig hin›, dann kommt da eine ganz unnatürliche Haltung raus», erzählt Sylvia Willi. 

In solchen Fällen können bereits einige Sitzungen bei einem Physiotherapeuten viel helfen. Wichtig ist, einen Therapeuten aufzusuchen, der sich mit den Besonderheiten des im Wachstum befindlichen Körpers auskennt. 
Jüngere Kinder sollten keine Rucksäcke tragen, sondern einen gut eingestellten Schulthek.
Jüngere Kinder sollten keine Rucksäcke tragen, sondern einen gut eingestellten Schulthek.
Weitaus schwieriger ist die Behandlung eines Rückenschmerzes, der sich aufgrund seelischer Belastungen entwickelt hat. Sorgen oder Ängste übertragen sich bei Kindern und Jugendlichen schnell auf die körperliche Ebene. Streit mit oder unter den Eltern, Probleme in der Schule oder auch eine emotionale Vernachlässigung durch Bezugspersonen können sich als Schmerzen in Kopf, Bauch oder Rücken niederschlagen. Hier ist dann die behutsame Anamnese des Arztes gefragt. 
 
Ein hoher Prozentsatz der Rückenschmerzen bei Kindern hat keine organische Ursache, sagt Kerstin Kuminack, die die Sektion Kinderorthopädie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am deutschen Universitätsklinikum Freiburg leitet. Das heisst: Veränderungen im Skelett oder am Körper können als Ursache für die Schmerzen ausgeschlossen werden. «Allerdings hat man Hinweise dafür gefunden, dass Rückenschmerzen und Stress zusammenhängen können», sagt Kuminack. 

Wann sollte der Arzt konsultiert werden?

Klagt ein Kind über Rückenschmerzen, sollten diese auf jeden Fall medizinisch abgeklärt werden. Denn auch wenn es sich um funktionelle und muskuläre Probleme handelt, können schwerwiegende Krankheitsbilder hinter den Beschwerden stecken. Eine ausgeprägte Skoliose zum Beispiel, ein angeborenes Wirbelgleiten, Tumore oder ein sogenannter Flachrücken. Auch Fehlhaltungen, die nicht schmerzhaft sind, seien ein häufiger Grund für den Besuch in der Klinik, sagt Kuminack.
 
Wichtig für Eltern ist zu wissen, dass sie vor allem bei plötzlich auftretenden und sehr genau zu lokalisierenden Schmerzen einen Arzt aufsuchen. «Auch bei Begleitsymptomen wie Fieber oder Gelenkschmerzen oder anderen auffälligen Veränderungen im Körper sollte medizinischer Rat eingeholt werden», sagt Kuminack. 

Leiden Kinder und Jugendliche unter chronischen, oft nicht genau lokalisierbaren Rückenschmerzen und kann eine organische Ursache ausgeschlossen werden, sollten die familiäre und die schulische Situation ebenso wie der Lebensstil – Stichwort Bewegung und gesunde Ernährung – kritisch unter die Lupe genommen werden. 
 
Theoretisch können die betroffenen Kinder und Jugendlichen eine Schmerztherapie bekommen. Praktisch sollten Eltern jedoch niemals in Eigenregie Schmerztabletten ausgeben, sondern sich ausführlich mit einem Kinderarzt beraten. «Der weiss, welche Medikamente sich für den speziellen Fall eignen und ob womöglich auch eine Verhaltensänderung angesagt ist. Das kann beispielsweise mehr Bewegung oder auch eine Sportreduktion sein», erklärt Kuminack.
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