Der Pilz auf unserer Haut
Arztbesuch

Der Pilz auf unserer Haut

Mehr als 60 Prozent der Menschen erkranken einmal im Leben an einer Pilzinfektion – betroffen sind Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche. Gefährlich sind die sogenannten Mykosen nicht, sie sollten aber trotzdem schnell behandelt werden.
Text: Claudia Füssler
Bild: Inkje Drescher/Plainpicture
Die Haut ist rot und juckt, es zeigen sich Schuppen und mitunter kleine Bläschen – ein Zeichen dafür, dass sich ein Pilz eingenistet haben könnte. Selten ist das nicht: Pilzinfektionen gehören weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Kinder sind ebenso betroffen wie Erwachsene. Die Pilze können sich auf der Haut oder den Schleimhäuten niederlassen und sich so ­lange vermehren, bis wir davon krank werden. Im schlimmsten Fall kann so ein Pilz auch innere Organe befallen und zum Tod führen. Das passiert bei normal gesunden Menschen fast nie, besonders gefährdet sind hier Personen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel nach einer Operation oder einer Chemotherapie. 

Die Immunabwehr hält den Keim in Schach

«Pilze kommen überall in unserem Umfeld vor, und manche profitieren von der obersten Schicht unserer Haut, sie ernähren sich von dem ­darin enthaltenen Keratin», sagt Emmanuella Guenova, Dermatologin am Universitätsspital Lausanne. Obwohl wir fast ständig in Kontakt mit Pilzen sind, führt das nicht permanent zu Entzündungen, sogenannten Mykosen. Das liegt daran, dass unser Körper das eigentlich recht gut managen kann. Die Immun­abwehr hält den Keim in Schach und verhindert, dass er sich zu sehr vermehrt. «Wenn dieses Gleichgewicht kippt und die Immun­abwehr ihre Verteidigung hochfahren muss, sehen wir diese Immunantwort als klinische Reaktion in Form einer Entzündung», erklärt Guenova.

Mehr als 100 00 verschiedene Pilzarten gibt es, nur die wenigsten davon machen den Menschen krank. Andere wiederum haben partout nichts verloren auf unserer Haut oder den Nägeln. So ein Kandidat ist beispielsweise Trichophyton rubrum, ein Pilz mit sehr langlebigen und stabilen Sporen, die auch über Monate hinweg infektiös bleiben.

Turnschuhe sind ein Pilzparadies

Wo aber holt man sich so einen potenziell krank machenden Pilz? Dort, wo es feucht, dunkel und warm ist. Denn genau das lieben diese Lebewesen. Die Turnschuhe von Jugendlichen und Erwachsenen sind also ein Pilzparadies, hier gedeihen Fuss- und Nagelmykosen prächtig. «Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung erkrankt einmal im Leben ­daran», sagt Guenova. Auch gemeinsam genutzte Waschbecken oder Hotelteppiche sind Gefilde, in denen man sich schnell mal ein juckendes Andenken für daheim mitnimmt. Wobei auch hier gilt: In der Regel macht unsere Immunabwehr einen guten Job.
 
Bei Kindern ist eine besonders relevante Quelle der Ansteckung eine ganz andere: Strassen- und Haustiere. Vor allem Katzen und Meerschweinchen, aber auch Hunde erkranken an Pilzen, die sie dann beim Kuscheln und Streicheln an den Menschen weitergeben. Häufig bemerkt man nicht, dass das Tier selbst leidet, unter dem Fell fallen gerötete Stellen nicht auf, und dass sich ein Vierbeiner mal kratzt, erscheint uns eher normal als verdächtig. «Dass erste Anzeichen einer Pilzerkrankung dann bei den Kindern verkannt und falsch behandelt werden, passiert leider häufig», sagt Guenova. Oft werden dann auch andere Familienmitglieder oder Freunde angesteckt, bis man endlich die Ursache entdeckt hat. Um solche Ketten zu unterbrechen und eine Wiederansteckung zu vermeiden, müssen auch die Haustiere behandelt werden.

«Extrem häufig sehen wir zudem, dass Kinder Pilzerkrankungen aus den Sommerferien mitbringen», sagt Guenova. In südlichen Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland oder Bulgarien leben traditionell mehr Strassenkatzen und -hunde, mit denen Kinder gerne spielen. «Pilzinfektionen haben eine gewisse Latenz, so dass die roten, juckenden Stellen erst ein paar Wochen später auffallen – da ist die Katze aus dem Urlaub längst vergessen, wir müssen da gezielt nachfragen», sagt Guenova.

Mykose

Eine durch Pilze verursachte Infektionskrankheit bezeichnen Experten als Mykose. Oft fällt auch die Bezeichnung Pilzinfektion. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, denn nicht jede Infektion mit einem Pilz führt auch zu einer Erkrankung, also einer Mykose. Pilze können Menschen, Tiere und Pflanzen befallen. Vereinfacht kann man die Erreger, die beim Menschen Mykosen auslösen, einteilen in Dermatophyten (Fadenpilze), Hefen (Sprosspilze) und Schimmel­pilze. Die weitaus meisten Mykosen breiten sich auf der Oberfläche unseres Körpers aus und befallen Haut, Nägel und Schleimhäute. Im Gegensatz dazu gibt es auch die sogenannten systemischen Mykosen. Hierbei gelangen die Erreger vor allem über die Lunge in den Blutkreislauf und befallen innere Organe. Diese schwerwiegenden Erkrankungen können bis zum Tod führen, sind aber sehr selten.
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