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Familienleben

Hochbegabung: Kinder auf der Überholspur

Sie lernen rasend schnell und kombinieren messerscharf: Hochbegabte sind Gleichaltrigen in ihren kognitiven Fähigkeiten weit voraus. Was bedeutet dieser Entwicklungsvorsprung für die Kinder, ihre Eltern, die Schule?
Text: Virginia Nolan
Bilder: Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo
Hirnforscher Gerald Hüther ist ein Meister der Zuspitzung: «Jedes Kind ist hochbegabt», lautet der Titel eines seiner erfolgreichsten Bücher. 

Es gibt einen guten Grund, diese Behauptung als Buchtitel zu wählen. Sie ist Balsam auf die Seele vieler Eltern, die sich unter Druck setzen, den Nachwuchs bestmöglich zu fördern. Die Tatsache, dass Hüther­ auf etwas anderes hinauswill, bekommt ohnehin nur mit, wer sein Buch liest. Alle anderen begnügen sich mit der frohen Botschaft.

«Hochbegabt». Wir denken dabei an Zahlenkünstler, Sprachgenies oder musikalische Wunderkinder, vielleicht auch an übertriebenen elterlichen Ehrgeiz oder eine Modediagnose. Doch was bedeutet Hochbegabung überhaupt? Geht sie immer mit Höchstleistungen einher? Fällt sie uns in den Schoss oder ist sie ein Produkt der Erziehung? Macht ein brillanter Intellekt, wie oft behauptet wird, anfällig für psychische Probleme? Brauchen Hochbegabte Spezialschulen? Diesen und weiteren Fragen geht das vorliegende Dossier nach.
Der Duden definiert Begabung als natürliche Anlage, «als angeborene Befähigung zu bestimmten Leistungen». Diese zeigt sich in ganz unterschiedlichen Bereichen. So meint zum Beispiel die soziale Begabung die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, sich in sie einzufühlen, während sensomotorische Begabung dort eine Rolle spielt, wo es auf körperliche Geschicklichkeit an-kommt – sei es im Sport, beim Tanzen oder Holzschnitzen. Die wissenschaftliche Literatur betont, dass sich auch Hochbegabung auf unterschiedliche Fähigkeiten beziehen könne und deshalb verschiedene Auffassungen zulasse.

Intelligenz als entscheidendes Merkmal

Das traditionelle Verständnis von Hochbegabung, an dem sich dieser Beitrag orientiert, bezieht sich auf den Intellekt. «Intellektuelle Hochbegabung», halten die Begabungsforscherinnen Franzis Preckel und Miriam Vock in ihrem Standardwerk zum Thema fest, «kennzeichnet ein extrem hoch ausgeprägtes, leistungsbezogenes Potenzial für Informa­tionsverarbeitung, Lernen und Wissensaneignung, abstraktes Denken sowie Problemlösen».
Hochbegabte haben ein stark ausgeprägtes Potenzial,
Informationen zu verarbeiten, sich Wissen anzueignen und abstrakt zu denken.
Über intellektuelle Hochbegabung gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Modelle – allen gemein ist jedoch, dass sie von einer deutlich überdurchschnittlich ausgeprägten Intelligenz als entscheidendem Merkmal ausgehen. Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern von der ETH Zürich bezeichnet Intelligenz zusammenfassend als Fähigkeit zum präzisen und schlussfolgernden Denken: «Sie befähigt uns zum Lernen durch Instruktion und zum Lernen aus Erfahrung.»
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Dossier: Hochbegabung

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Als hochbegabt gilt ein Kind, wenn es einen IQ von mehr als 130 Punkten hat. Was bedeutet dies für seine schulische Laufbahn? Und wie muss es gefördert werden? Antworten und ­Hintergründe zum Thema Hochbegabung in unserem grossen Dossier.  

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