Erziehen ohne Schimpfen: Muss ich denn immer laut werden?
Elternbildung

Erziehung ganz ohne Schimpfen – geht das?

In den meisten Familien gehört es zum Alltag: Eltern schimpfen mit ihren Kindern, mal mehr, mal weniger. Auslöser sind meist Stress und Überforderung. Doch Grenzen und Regeln lassen sich durch Anbrüllen nicht durchsetzen. Und zu viele Wutausbrüche schaden der Entwicklung des Kindes.
Text: Julia Meyer-Hermann 
Bilder: Fabian Hugo / 13 Photo
Manchmal werde ich laut. Unangenehm laut. Ich brülle meine Kinder an, schmeisse Dinge auf den Boden, knalle Türen zu. Vor Kurzem habe ich sogar mit dem Fuss aufgestampft. «Wie das Wutmonster in diesem Bilderbuch», schoss es mir durch den Kopf. Ich habe mich sofort ziemlich dämlich gefühlt. 
Elterliches Schimpfen bewirkt keine Verhaltensänderung bei den Kindern.
Was meinen Ausbruch ausgelöst hatte, war banal: Es ging um einen Berg Legosteine auf dem Fussboden. Meine Bitten, Aufforderungen und Ermahnungen dazu verhallten ungehört. Dabei war schon meine erste An­sage eindeutig gewesen: Ich brauchte noch eine ­halbe Stunde Ruhe, um ein paar wichtige Mails zu beantworten. Meine Kinder sollten in dieser Zeit das Spielzeug wegräumen, weil später Besuch kommen würde. Nach dem mütterlichen Inferno verschwand die 12-Jährige beleidigt in ihrem Zimmer, ihr jüngerer Bruder versteckte sich weinend in seinem Bett. Und ich fühlte mich schlecht. 

Schimpfen bringt familiären Unfrieden

Muss das sein?, frage ich mich. Was macht dieses Schimpfen mit den Kindern? Was sagt es über die Beziehung zu unseren Söhnen und Töchtern – über uns selbst? Erziehen ohne Schimpfen – geht das überhaupt?
 
Auf meiner Suche nach Antworten stosse ich schnell auf den Bestseller «Erziehen ohne Schimpfen» von Nicola Schmidt. Die Erziehungsexpertin glaubt, dass Eltern mit Schimpfen jedenfalls nicht das erreichen, was sie erreichen möchten: eine Verhaltensänderung bei ihren Kindern. «Alle Studien weisen darauf hin, dass Schimpfen, Schreien oder gar Strafen nicht funktionieren», schreibt Nicola Schmidt. «Wenn wir unseren Kindern soziale Regeln beibringen wollen, müssen wir es anders angehen.»
Lisa Briner und Noé Roy erzählen: «Strafen bewirken keine Verhaltensänderung»
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Zeitgleich mit ihrem Buch sind zwei weitere Erziehungsratgeber erschienen: «Die Schimpf-Diät» von Linda Syllaba und Daniela Gaigg sowie «Mama, nicht schreien» von Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter. Alle Autorinnen sind Mütter und stellten sich irgendwann dieselben Fragen, die auch ich mir stelle. 
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Verbale Prügel

«Psychische Gewalt ist die häufigste Form von Gewalt gegen Minderjährige», sagt der Schweizer Psychologe und Kinderschutzexperte Franz Ziegler in einem Interview, das er vor einiger Zeit dem ElternMagazin Fritz+Fränzi gegeben hat. Laut Zieglers Definition beginnt verbale Gewalt bereits mit einem Nebensatz wie «Kapierst du das eigentlich nie?». Eltern, die ständig etwas sagen wie «Lern du erst einmal vernünftig rechnen, so blöd wie du kann man doch gar nicht sein», unterwandern die gesunde Entwicklung eines ­Kindes. «Ein Kind kann unter diesen Umständen kein gesundes Vertrauen in sich selbst und in andere gewinnen. Das ist ja klar. Es hört permanent: Du bist nichts und du wirst auch nichts werden», sagt Franz Ziegler. Seine Argumentation teilen auch die Autorinnen der drei Schimpf-Diät-Bücher. Sie berufen sich auf verschiedene Studien wie die der amerikanischen Universität Pittsburgh. Die Psychologen dort haben jahrelang über 1000 Familien begleitet und ihren Umgang mit ihren Kindern dokumentiert. Das Ergebnis: 90 Prozent der Eltern schimpften mit ihren Kindern, 50 Prozent taten dies auf verletzende Weise.

«Wir wünschen uns doch heute kreative Kinder mit einem guten Selbstwertgefühl. Kinder, die Nein sagen zu Drogen und zu falschen Freunden. Kinder, die sich selbst bejahen. Aber der Selbstwert kann nicht wachsen, wenn man immer wieder seelisch verletzt wird», sagt Nina Trepp, Familienberaterin aus Bern. Die 39-Jährige hat Soziale Arbeit studiert und viele Jahre als Schulsozialarbeiterin gearbeitet, inzwischen ist sie selbständig als «artgerecht»-Coach und diplomierte Körperzentrierte Psychologische Beraterin.
Um Zurechtweisung kommen Eltern nicht herum. Entscheidend ist, wie diese geschieht.
Schimpfen kann einem Kind also so nachhaltig schaden wie körperliche Gewalt. Es sind verbale Prügel. Aber wie soll es anders gehen? Wie bringe ich ein Kind dazu, mitzumachen, wenn es bockig ist?
 
Kinder bringen ihre Eltern oft zur Weissglut. Häufig unabsichtlich, manchmal aber auch gezielt. Kinder experimentieren. Ihre Erziehungsberechtigten reagieren darauf. Sie müssen vermitteln, wann eine Grenze überschritten wurde. Wie soll ein Kind sonst lernen, dass eine bestimmte Verhaltensweise andere verärgert? Zu Familienberaterin Nina Trepp kommen viele Eltern, die sich genau diese Fragen stellen.

Online-Dossier

<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/erziehen-ohne-schimpfen"><strong>Online-Dossier Erziehen ohne Schimpfen. </strong></a>Lesen Sie mehr zum Thema, wie: <strong>Kinder verlangen ihren Eltern viel Geduld ab. Ruhig zu bleiben lohnt sich, denn schimpfen bringt nichts.</strong> Wie aber funktioniert Erziehung, ohne laut zu werden?</div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier Erziehen ohne Schimpfen. Lesen Sie mehr zum Thema, wie: Kinder verlangen ihren Eltern viel Geduld ab. Ruhig zu bleiben lohnt sich, denn schimpfen bringt nichts. Wie aber funktioniert Erziehung, ohne laut zu werden?

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Von Franz Josef am 04.11.2020 11:43

Schimpfen ist nicht ErZIEHung sondern ErDRÜCKung.
Da wir nur nach vorgegebenen Schablonen er"zieh"en lernen, ist unsere Er"zieh"ung praktisch immer ErDRÜCKung - und bewirkt folglich auch das Gegenteil.
Durch die Übernahme neuer Techniken, Strategien und Trick erhöhen wir nur den DRUCK und bringen die gesamte Kommunikation auf ein immer noch erbärmlicheres Niveau herunter. DRUCK erDRÜCKT.
Durch Schimpfen wird der Fehler wenigstens noch hörbar.
Mit DRUCK ist man immer in der verkehrten Richtung unterwegs.
DRUCK komprimiert Mensch + Problem. Das ist das exakte Gegenteil von LÖSUNG.
Für echte Lösungen brauchen wir das SOG-Problem, das Grundprinzip der neuen Ich-kann-Schule. Dort finden sich viele praktische Beispiele.
SOG löst.
SOG richtet auf.
SOG macht wachsen.
Mit SOG kann man die Kräfte mühelos punktgenau lenken. .....
Wir sollten also schleunigst lernen, uns was einfallen zu lassen, was ZIEHT.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

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