Elternbildung

Erziehen ohne Schimpfen: Geht das?

Der neue Erziehungsratgeber «Erziehen ohne Schimpfen» gibt viele praktische Tipps und Infos zum Umgang mit dem elterlichen Schimpfen. 3 Fragen an Autorin Nicola Schmidt. 
Interview: Florina Schwander
Bilder: Gräfe und Unzer Verlag/Claudia Klein / Autorenfoto: Malina Ebert

Frau Schmidt, was genau verstehen Sie unter Schimpfen und wann haben Sie selber zuletzt geschimpft?

Schimpfen ist, wenn wir jemanden mit Worten verletzen ohne das eigentliche Problem konstruktiv zu lösen. Als meine Kinder sich neulich im Auto gestritten haben und es eine brenzlige Situation gab, da habe ich sehr deutlich gesagt, dass ich solche Streite auf der Autobahn wirklich gefährlich finde. Das war wenig hilfreich – den Kindern war langweilig und es war mein Fehler, dass wir kein Hörspiel dabei hatten. Dass es schwierig ist, auf der Autobahn zu fahren, das ist sehr schwer zu verstehen, wenn man selbst nicht fährt. Da hätte ich zwei Stunden vorher anders handeln können, um mir und den Kids den Stress des «Streitens vor Langweile» zu ersparen. 
Die Autorin und Politikwissenschaftlerin Nicola Schmidt veranstaltet mit ihrem Projekt «art­gerecht» Kurse für Eltern. Die Mutter zweier Kinder im Alter von 8 und 11 Jahren lebt in der Nähe von Bonn.
Die Autorin und Politikwissenschaftlerin Nicola Schmidt veranstaltet mit ihrem Projekt «art­gerecht» Kurse für Eltern. Die Mutter zweier Kinder im Alter von 8 und 11 Jahren lebt in der Nähe von Bonn.

Was machen Sie, wenn Sie zum Beispiel im Supermarkt mitbekommen, wie Eltern ausgiebig mit ihrem Kind schimpfen?

Ich versuche es mit Empathie. Ich sage so etwas wie: «So ein Einkauf mit einem müden Kind kann wirklich anstrengend sein.» Manchmal helfe ich beim Einpacken der Einkäufe. So versuche ich, die Eltern nicht weiter zu stressen, sondern zu koregulieren, also zu beruhigen, damit sie aus ihrem Stress herauskommen, nicht beschämt sind und ihr Kind wieder als Kind sehen und nicht als Feind. Wir Eltern denken oft, dass wir «konsequent sein» oder «etwas durchziehen» müssen, obwohl das um 17.30 Uhr im Supermarkt wirklich nichts bringt. Ein müdes Kind lernt in dem Moment nichts. Wir können genausogut den Riegel einfach kaufen und die Lektion «es gibt jetzt nicht immer Schokoriegel im Supermarkt» getrost auf morgen verschieben, wenn das Kind weder müde noch hungrig ist.
«Ein müdes und hungriges Kind lernt die Lektion nicht»
Nicola Schmidt

Was soll man tun, wenn man doch wieder laut geworden ist und mit seinen Kindern geschimpft hat, obwohl es wirklich nicht nötig gewesen wäre?

Dann ist wichtig, dass wir mit dem Kind darüber reden: «Das war nicht okay, wie ich mich verhalten habe, aber du, mein Kind, bist nicht schuld daran.» Ich muss die volle Verantwortung für mein Verhalten übernehmen und nach Lösungen suchen. So lernen Kinder, dass jeder Fehler macht und wie man damit umgeht – eine Lektion fürs Leben!
Nicola Schmidt: «Erziehen ohne Schimpfen». Gräfe und Unzer 2019. 176 Seiten, ca. 25. Fr.

www.nicolaschmidt.de

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