Wenn Kinder philosophieren

Sind Kinder eigentlich in der Lage, ernsthafte philosophische Gedanken zu fassen? Nein, so war lange die Lehrmeinung. Ein Kindergehirn sei für ernsthaftes Denken über das Denken kognitiv zu wenig ausgereift, hiess es. Doch nicht einmal die Philosophie bleibt vom Zeitgeist unbeleckt und so liegt die sogenannte Kinderphilosophie heute im Trend. Da gibt es kinderphilosophische Fachtagungen, Kurse, und Seminare, wo Kinder und Fachpersonen sich gemeinsam den ganz grossen Fragen stellen.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern das Angebot gerne in Anspruch nehmen, denn oftmals lässt uns das kindliche Wissensbedürfnis in seinem Totalitätsanspruch verzweifeln. Mit Kant müssen wir uns aber fragen: Was soll ich Angesichts dieser schönen neuen Möglichkeit tun? Das Philosophieren mit Kindern an die Fachstellen outsourcen? Oder in Kauf nehmen, von den Kinderfragen an die Mauern des eigenen Wissens gefahren zu werden?
Richtig ist: philosophische Fragen gehören zum Kinderalltag. Mein Sohn zum Beispiel sinnierte mit sechs am Frühstückstisch mit Blick auf einen Löffel, dass dieser eigentlich das Gefängnis der Cornflakes sei. Oder er fragte, ob im Kampf der Guten gegen die Bösen, der Held analog das Monster der Bösen sei. Und ob ein Held auch dann noch einer sei, wenn er in Schwierigkeiten gerät. Heute, als Zwölfjähriger, erzählt er mir von seinen Träumen über sein anderes, sein dunkles Ich.
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