Warum sind Eltern so spiessig?

Manchmal macht man sich eben auch über unwichtige Fragen Gedanken – besonders, wenn man mit seinen kinderlosen Freunden spricht. Eine dieser Fragen lautet: Warum tritt Spiessigkeit in Familien so sicher auf, wie die Korruption in Kongo? In Mamablogs und Mütterforen wird immer wieder heftig darüber diskutiert, was spiessig ist. Die einen halten die Angst vor Spiessigkeit für spiessig, andere den krampfhaften Individualismus oder den Besitz von Haus, zwei Autos, einer Familie und einem Hund. Ich aber denke, Spiessigkeit ist das, was notwendigerweise eintritt, wenn man eine Familie gründet.
 
Spiessertum, mit anderen Worten, ist in meinen Augen nichts anderes, als die Antithese zum jugendlichen Geist. Dieser segelt meist unter der Flagge der Nonkonformität, wirft, auf der Suche nach sich selbst und seinen Möglichkeiten, möglichst viel Ballast aus seiner Kindheit ab, strebt nach einem Leben in Freiheit, ohne Wurzeln und möglichst ohne festen Wohnsitz. Ungebunden zu sein, Chaos in sich zu tragen, für Utopien zu streiten, ohne sich um Details wie praktische Realisierbarkeit zu kümmern, das alles ist ein Privileg der Jugend. Sollte es zumindest sein, auch wenn die heutige Jugend sich manchmal spiessiger gibt als ihre Eltern.
Man geht einer geregelten Arbeit nach, bereitet drei Mahlzeiten am Tag zu, geht früh zu Bett und macht Sonntagsspaziergänge. Und findet das nicht mal schlimm.
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