Holz aalänge!

Unsere Kolumnistin Michèle Binswanger über Aberglauben und wie dieser Eltern durch die Pubertät hilft.
Ich liebe es, mit meiner Schwester zu diskutieren. Sie ist psychologisch geschult, mir zugeneigt und doch kritisch. Deshalb wende ich mich gern an sie, wenn Konflikte mir zu schaffen machen. Doch so rational sie denkt, so irrational ist diese eine Angewohnheit. Immer wenn von Dingen die Rede ist, die in Ordnung sind, aber leicht aus dem Lot geraten könnten, sagt sie beschwörend: «Holz aalänge, gäll!» Leider haben die meisten Dinge im Leben die Neigung, irgendwann aus dem Lot zu geraten, besonders wenn Kinder involviert sind. Und deshalb sagt meine Schwester das ziemlich oft. Neulich war ich mit ihr in unserem Haus am See. Wir machten den Garten winterfertig, rechten das Laub zusammen und stapelten Feuerholz, abends kochten wir und redeten vor dem warmen Holzofen. Ich erzählte ihr vom Sohn einer gemeinsamen Bekannten, der immer sehr verschlossen gewesen und von den Eltern angeregt worden war, sich mehr zu öffnen. Dann begann er sich plötzlich für weiche Drogen, lange Nächte und abenteuerliche politische Ideen zu interessieren, nicht genau das, was die Eltern sich vorgestellt hatten, doch das war ihm egal. Er ging auf Konfrontationskurs, begann sich abzuschotten und tauchte immer seltener überhaupt noch zu Hause auf. 
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