Gutes Lernen: Unser Thema im April - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Gutes Lernen: Unser Thema im April

Lesedauer: 2 Minuten

Was Kinder brauchen, um effektiv und mit Freude zu lernen – und wie Eltern und Schule sie dabei begleiten können.

Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen das Dossier Gutes Lernen und weitere Themen der März-Ausgabe vor. Das neue Magazin erscheint am Donnerstag, 31. März 2022. Sie können das Heft auch online bestellen.

Text: Nik Niethammer
Bild: Raffael Widmer / 13 Photo

Die Tochter, zehn Jahre alt, sitzt auf der Rückbank. Wir fahren zum Einkaufen, im Radio ­laufen Nachrichten. Die Sprecherin sagt, dass in der Nacht erneut Städte bombardiert wurden. Dass Menschen Schutz in U-Bahn-Stationen suchen. Und Hunderttausende auf der Flucht sind. «Papi, kommt der Krieg auch zu uns?», fragt die Tochter. Ich zögere, habe keine kluge Antwort parat. Ich versuche zu erklären, was in der Ukraine passiert. Und sage, dass wir hier sicher sind. «Papi, vor zwei Jahren hast du auch gemeint, dass Corona weit weg ist und nicht zu uns kommt. Das hat ja nun nicht gestimmt.»

«Man möchte, dass die Welt wunderbar, friedvoll und hell ist. Und tut alles, das seinen Kindern zu vermitteln», schreibt Michèle Binswanger in ihrer Kolumne. «Man möchte sein Kind beschützen, ihm ein Nest bieten. Und wird von der brutalen Realität des Weltgeschehens eingeholt. Diese Entzauberung ist schmerzvoll.»

Klimawandel. Corona-Pandemie. Jetzt dieser fürchterliche Krieg in Europa. Wir stecken seit Jahren im Dauermodus der Angst und Unsicherheit. In einer Spirale aus negativen Schlagzeilen und bedrückenden Bildern, die unseren Alltag überschatten. Was können wir tun, wenn uns Krisen- und Kriegsberichte belasten? «Es ist hilfreich, den Nachrichtenkonsum einzuschränken und sich beispielsweise nur zweimal täglich zu informieren», rät die Psychotherapeutin Isabella ­Helmreich in unserem Monatsinterview.

Führen Sie ein Grübel- oder Angsttagebuch. Durch Aufschreiben bekommt man die Dinge aus dem Kopf.

Isabella Helmreich, psychologische Psychotherapeutin, Leibniz-Institut für Resilienzforschung, Mainz

Ich habe bei der Arbeit an dieser Ausgabe viel darüber gelernt, wie Eltern ihr Kind durch schwierige Zeiten begleiten können. Mir wurde eindrücklich bewusst, wie sehr Kinder gerade jetzt unsere Aufmerksamkeit brauchen, unseren Zuspruch, unsere Zuversicht: «Ich bin immer für dich da, untersütze dich, egal, wie schlimm die Dinge sind.» Ich habe erfahren, dass es besser ist, sich darüber zu unterhalten, was uns bewegt, anstatt so zu tun, als gäbe es das alles nicht. Ich weiss, dass man ruhig zugeben darf, wenn man als Mutter oder Vater auf eine Frage ­keine Antwort hat. Ich habe verstanden, dass Bilder vom Krieg, von Zerstörung und Leid sich einbrennen können, man Kinder deshalb möglichst selten solchen Bildern aussetzen sollte. Und ich freue mich über die Erkenntnis von chinesischen Forschern, dass nostalgische Gefühle – das Blättern in Fotoalben, das Lesen alter Liebesbriefe – sich ­heilsam auf die Seele auswirken können, ein Gefühl von Optimismus und Lebenszufriedenheit hervorrufen, ja sogar Schmerzen lindern.

«Es ist wichtig, dass man auch in schwierigen Zeiten als Familie einen normalen Alltag weiterführt», sagt Yvonne Müller vom Elternnotruf. «Man darf den Krieg zwischendurch vergessen und sich den schönen Dingen widmen. Es darf uns weiterhin gut gehen.»

Was für ein tröstlicher Gedanke.

Herzlichst,
Ihr Nik Niethammer

Nik Niethammer
ist seit 2014 Chefredaktor von Fritz+Fränzi. Er ist Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt in Zürich und in Freiburg im Breisgau.

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