Desktop was kinder krankt macht teil 5 l
Psychologie

Wie helfen wir Kindern mit  Zurückweisungen umzugehen?

Wie Jugendliche von den Gleichaltrigen wahrgenommen werden, ist von entscheidender Bedeutung für ihre psychische Gesundheit. Leiden sie unter Zurückweisungs­empfindlichkeit, besteht ein hohes Risiko, dass aus nur empfundener reale Zurückweisung wird – Essstörungen oder Depressionen können die Folge sein. Wie kann den Betroffenen geholfen werden?
Text: Felicitas Forrer
Bild: Alamy
Die Angebetete gibt einem einen Korb, die vermeintlich beste Freundin lässt einen links liegen
und hat nun eine neue engste Vertraute oder man wird nicht zu einer Party eingeladen – Zurückweisungen können äusserst schmerzhaft und emotional belastend sein. So konnten US-amerikanische Forscher zeigen, dass Gehirnregionen, die mit der Schmerzverarbeitung in Verbindung stehen, auf psychischen Schmerz wie Zurückweisung ähnlich reagieren wie auf physischen Schmerz.

Zurückweisung tut also wortwörtlich weh. Zudem wissen wir heute, dass die Stärke solcher Empfindungen zwischen dem 11. und 17. Lebensjahr ansteigt, wobei Jugendliche besonders stark auf Zurückweisung reagieren.

Im Laufe der jugendlichen Entwicklung werden Beziehungen zu Gleichaltrigen wichtiger, die Eltern rücken als primäre Bezugspersonen in den Hintergrund. Denn soziale Beziehungen mit Gleichaltrigen legen die Lern- und Erfahrungsgrundlage für die Entwicklung einer eigenen Identität, für reife zwischenmenschliche Beziehungen und für einen guten Umgang mit Konflikten.
Das Selbstwertgefühl von Jugendlichen hängt von der Bewertung durch Gleichaltrige ab.
Der grosse Einfluss von Gleichaltrigenbeziehungen auf diese Entwicklungsaspekte zeigt sich darin, dass das Selbstwertgefühl von Jugendlichen in entscheidendem Mass von der Bewertung durch Gleichaltrige abhängt. Akzeptanz durch Gleichaltrige und Zugehörigkeit sind im Jugendalter zentrale Grundbedürfnisse und tragen wesentlich zur Entwicklung der psychischen Gesundheit bei.

Wie oft und in welchem Aus­mass Jugendliche Zurückweisungs­erfahrungen machen, hängt auch davon ab, wie Jugendliche in unein­deutigen Situationen Zurückwei­sung wahrnehmen beziehungsweise mögliche neutrale Hinweisreize vor­ schnell als Zurückweisung interpre­tieren. Während einige Jugendliche ausbleibenden «Likes» für ein Foto auf Instagram keine tiefere Bedeutung zumessen, fühlen sich andere persönlich zurückgewiesen und sind tief verletzt. Während sich einige Jugendliche keine weiteren Gedan­ken darüber machen, wenn sie an tuschelnden Gleichaltrigen vorbei­ laufen, beziehen andere die Tusche­lei auf sich und fühlen sich zurück­gewiesen.

Welche Folgen hat eine Zurückweisungsempfindlichkeit?

Eine solche Hyperempfindlich­keit für soziale Zurückweisung wird als «Zurückweisungsempfindlichkeit» bezeichnet. Betroffene Jugendliche erwarten in sozialen Situationen grundsätzlich, nicht akzeptiert zu werden. Diese Erwartungshaltung führt dazu, dass sie potenzielle Zurückweisungssignale schneller wahrnehmen und auch nicht ein­deutige Situationen als Zurückwei­sung bewerten.

Damit verbundene negative und abwertende Gedanken über sich selbst oder andere können intensive negative Gefühle wie Traurigkeit, Verletzung oder Wut auslösen, was
zu fehlangepasstem Verhalten füh­ren kann.

Einige Jugendliche ziehen sich zurück und meiden den Kontakt mit anderen, andere wiederum bemühen sich übermässig um Zuwen­dung, wieder andere reagieren aggressiv auf die wahrgenommene Zurückweisung. Diese sozial fehl­angepassten Reaktionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich abgelehnt zu werden. Daraus ent­steht ein Teufelskreis aus wahrgenommener und realer sozialer Zurückweisung, der das Bedürfnis der Jugendlichen nach Akzeptanz und Zugehörigkeit langfristig gefährdet.

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