Arztbesuch
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Schulthek rückenschonend einstellen

Lange gaben Experten die Empfehlung aus: Das Gewicht eines Schultheks darf höchstens zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes betragen. Davon ist man inzwischen abgekommen, denn es konnte nicht gezeigt werden, dass Theks, die schwerer sind, dem Rücken schaden. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie schwer der Schulranzen sein darf.

So sollten Eltern sich an der Muskelkraft ihres Kindes und an der Länge des Schulwegs orientieren und vor allem den Weg einmal gemeinsam mit vollgepacktem Thek ablaufen. Während ein Kind schon mit einem Ranzen, der zehn Prozent seines Körpergewichtes wiegt, nach zwei Drittel der Strecke ins Schnaufen kommt, schafft ein anderes vielleicht problemlos fünfzehn Prozent seines Körpergewichts. Sich an pauschalen Angaben zu orientieren, ist nicht sinnvoll.

Für alle Kinder gilt jedoch: Das Rückenteil des Ranzens sollte gepolstert sein und sich gut an die Körperform anpassen. Breite Schultergurte erleichtern das Tragen, da sie das Gewicht des Ranzens besser verteilen. Sie sollten straffgezogen sein, so dass der Thek an den Schulterblättern anliegt und die Oberkante mit den Schultern abschliesst.

Sind sie zu lang eingestellt, beugt sich das Kind bei entsprechendem Gewicht ins Hohlkreuz. Dadurch werden Muskeln und Gelenke stärker belastet. Auf Rucksäcke sollten jüngere Kinder noch verzichten, sie bieten weniger Stabilität und können sich nicht passgenau an den Rücken anlegen.
Vorsicht, Smartphone-Nacken droht, weil der Kopf in diesem Winkel so viel schwerer ist. Bild: Eric Antunes
Vorsicht, Smartphone-Nacken droht, weil der Kopf in diesem Winkel so viel schwerer ist. Bild: Eric Antunes

Der Smartphone-Nacken 

Die nach vorne gebeugte Haltung beim Blick aufs Handy kann auf Dauer zu starken Beschwerden führen. So beugen Sie vor.

Den Blick ständig nach unten aufs Display gerichtet, so wird die Generation Smartphone gerne beschrieben. Mediziner nennen das Flexionshaltung: den Kopf weit nach vorn abgeknickt, als würde sein Inhaber ihn bis auf die Brust sinken lassen wollen.

Im Normalfall balancieren wir unseren etwa 5 bis 7 Kilogramm schweren Kopf – bei Kindern und Jugendlichen wiegt dieser je nach Alter nicht viel weniger – über dem Körpermittelpunkt. Damit sind wir aufgerichtet und im Gleichgewicht. US-Wissenschaftler haben in einer Studie festgestellt, dass sich das Gewicht, das der Hals tragen muss, bei einem Neigungswinkel des Kopfes von 15 Grad auf 13 Kilogramm erhöht.

Neigen wir den Kopf um 45 Grad – typisch für Handynutzer –, erhöht sich diese Last auf mehr als 20 Kilogramm. Das Problem ist, dass es sich hier nicht um eine kurzfristige hohe Belastung handelt, sondern dass diese Beugehaltung permanent stattfindet.

Das Nach-vorne-Beugen des Kopfes führt zu Stress im Nacken und generell auf der Körperrückseite. Die Muskeln verkürzen sich und lassen sich schlechter dehnen, das Aufrichten wird immer schwieriger. 
Die Haltung sorgt dafür, dass die Schulterköpfe weiter nach vorn treten, der Oberarmknochen ist nicht mehr richtig in der Schulter positioniert. Dadurch werden Gelenkkapsel und Sehnenstrukturen mehr belastet. Das führt auf Dauer zu Schmerzen und einer eingeschränkten Bewegungs­fähigkeit. Ein junger Körper steckt diesbezüglich noch viel weg, aber mit zunehmendem Alter erhalten wir die Rechnung für unsere Fehlhaltungen.  

Wird der Kopf nach vorn gebeugt, muss er gehalten werden. Das tut unter anderem auch der Muskel, der für das Heben der Schulter zuständig ist. Verspannt der aufgrund der Dauerbelastung, kann das zu Nacken- und Kopfschmerzen führen. Die Bandscheiben in der Halswirbelsäule sind weniger kräftig als die in der Lendenwirbelsäule, sie reagieren auf die Belastung mit Knochenauflagerungen am Rand.

Diese können zum Teil sehr scharf werden, bei Unfällen oder Stürzen kann das leicht zu einer schwerwiegenden Verletzung der Halswirbelsäule führen. Vor allem von jungen Sportlern wie Snowboardern oder Mountainbikern sind solche Fälle bekannt. Auch sogenannte Parästhesien, also Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen und Händen, sind die Folge überlasteter Bandscheiben.

Was hilft? Lieber Sprachnachrichten diktieren, statt zu tippen, und – auch wenn das doof aussieht – das Handy auf Augenhöhe halten, statt den Kopf zu senken. 

Zur Autorin:

Claudia Füssler und Rückenschmerzen pflegen seit Jahren eine ausgeprägte Feindschaft. Viel Yoga und Movementtraining sorgen dafür, dass sich die beiden auch in absehbarer Zeit nicht zu nahekommen.  

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