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Arztbesuch

Hypnose – eine Brücke zwischen Körper und Seele

Die moderne Hypnosetherapie bietet die Möglichkeit, körperliche und psychische Vorgänge besonders effektiv und nachhaltig positiv zu verändern. Gerade Kinder und Jugendliche können von den Vorteilen dieser Therapieform profitieren
Text: Anja Lang
Bild: Barcroft Media / Getty Images
Vorsichtig streichelt die 10-jährige Lena die Dackelhündin Topsi. Noch vor wenigen Wochen hätte sich Lena nicht mal in die Nähe des Vierbeiners getraut, denn sie hatte panische Angst vor Hunden. Jeder Gang nach draussen war ein Problem, und weder gut gemeinte Ratschläge noch verständnisvolles Zureden von Eltern, Geschwistern und Freundinnen konnten daran etwas ändern. Erst die Hypnosetherapie bei einem Kinderpsychologen hat dem Mädchen schliesslich geholfen, ihre Angst vor Hunden zu überwinden. «Irreale Ängste gehören zu den Beschwerdebildern, die mit Hypnose besonders gut behandelt werden können», sagt Dr. Christian Ziegler, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Ausbilder und Supervisor der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Hypnose (SMSH). «Denn verantwortliche Muster oder Verknüpfungen, die im Unterbewusstsein abgespeichert sind, können im Wachzustand oft nur schwer oder gar nicht erreicht werden, in Hypnose dagegen schon.»

Effektive Hilfe zur Selbsthilfe

Unter Hypnose, abgeleitet aus dem altgriechischen «Hypnos» für Schlaf, versteht man einerseits einen Zustand, andererseits aber auch eine Methode. «Denn Hypnose ist eine Bewusstseinsebene, die man sich, neben Schlaf und Wachsein, wie einen traumartigen Dämmerzustand vorstellen kann», erklärt Ziegler. «Hypnose ist aber auch eine besondere Entspannungsmethode, die angewendet wird, um in diesen Dämmerzustand zu gelangen, und die dabei hilft, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.» Die Methoden der modernen Hypnosetherapie basieren massgeblich auf den Erkenntnissen des amerikanischen Psychiaters Milton Erickson, der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Hypnosetherapie entscheidend weiterentwickelt hat und bis heute prägt. Der Kern von Ericksons Ansatz ist die besondere Berücksichtigung der Individualität jedes Patienten und die positive Bewertung des Unbewusstseins, die Erickson als unerschöpfliche Ressource zur kreativen Selbstheilung definiert hat.

Schadhafte Muster ändern

Vielen ist Hypnose vor allem in Form von Showhypnose bekannt, bei der ein Hypnotiseur vor Publikum scheinbar willenlose Teilnehmer in spektakulärer Weise befohlene Handlungen ausführen lässt. Medizinische oder klinische Hypnose zu therapeutischen Zwecken hat damit nichts zu tun. «Hier geht es nicht darum, irgendwelche Effekte zu erzielen, sondern es stehen das Wohl und das Interesse des Patienten im Vordergrund», betont Ziegler. «Der Therapeut erteilt bei einer medizinischen Hypnose deshalb auch keine Befehle, sondern kommuniziert mit dem Patienten immer auf Augenhöhe, fragt nach Gefühlen und Empfindungen und bietet Bilder und positive Verstärker an.» 
«Im Zustand der Trance findet keine Kritik oder Bewertung durch das eigene Ich statt».
Christian Ziegler, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Ausbilder und Supervisor der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Hypnose (SMSH)
Der Hypnosezustand dient innerhalb der Therapie vor allem als unterstützendes Element, um dem Patienten noch besser helfen zu können. «Im Zustand der Trance findet keine Kritik oder Bewertung durch das eigene Ich statt», sagt Ziegler. «Das bietet die Chance, verborgene Stärken freizulegen, neue Einsichten zu gewinnen und diese auch anzunehmen, was im Wachzustand nur schwer oder gar nicht möglich gewesen wäre.»

Der Patient findet im Zustand der Hypnose also bessere Bedingungen vor, um die Lösung für seine Probleme selbst zu finden und schadhafte Muster zu ändern. Der Therapeut begleitet und unterstützt ihn auf dem Weg dorthin und hilft ihm dabei, die gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen. «Diese Aufgabe ist sehr verantwortungsvoll und erfordert vom Therapeuten viel Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und auch fachliches Know-how, das weit über die alleinigen Kenntnisse von Hypnosetherapie hinausgeht», sagt der Ausbilder der SMSH. «Wir sagen den Studenten deshalb immer, dass sie nichts mit Hypnose behandeln sollen, was sie nicht auch ohne Hypnose behandeln können.»
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