Familienleben

Ab an die Urne: Unsere Teenies gehen wählen!

Seit kurzem flattern bei uns vier graue Abstimmungscouverts ins Haus: Anderthalb Jahre nach dem Sohn ist nun auch die Tochter volljährig und darf ihre Stimme in die Urne legen. Da werden Erinnerungen an die eigene Jugendrebellion wach. Aber heute ist vieles anders.
Text: Irma Aregger
Lang ist es her, als ich zusammen mit meinen Eltern zum ersten Mal an eine eidgenössische Urnenabstimmung schritt. Die zuvor gemeinsam am Küchentisch ausgefüllten und danach feinsäuberlich gefalteten Wahlzettel in den Schlitz der metallenen Kiste schob. Begleitet mit einem Gefühl von Stolz und endlich Erwachsensein.

Meine Voten waren anfänglich Lichtjahre von denen meiner Eltern entfernt, ich hatte mich sehr weit links aus dem Fenster gelehnt, während meine Eltern gequält bürgerlich liberal in der Stube sassen. Ich plädierte für den EU-Beitritt, wollte die Grenzen nicht nur ausloten sondern öffnen. Ein Europa für alle! Und schlug danach laut knallend die Türe zu. Ich verstand Vaters Argumente für das Schweizertum überhaupt nicht. Beinahe zu jeder Wahl warf ich das Gegenteil meiner Eltern in die Urne ein.

Rebellisch progressiv versus bieder konservativ. Wenn nur Vater und ich abstimmten, weil Mutter ab und zu die Stimme verweigerte, hebelten wir uns gegenseitig aus, sein Ja machte ich mit meinem Nein platt. Das hat richtig Spass gemacht. 
So wird zum Beispiel der Vater genötigt, CO2-Zertifkate für sein grossvolumiges Midlife-Crisis-Vehikel zu kaufen. 
Nun ist auch unser Töchterlein, anderthalb Jahre nach ihrem Bruder, in der Volljährigkeit angekommen. Die eine oder andere Abstimmung liegt bereits hinter ihr. Diskutiert wird natürlich auch bei uns am Küchentisch, gerade das Klima ist ein Thema. Es beeinflusst mittlerweile auch dasselbige innerhalb unserer vier Wände. So wird zum Beispiel der Vater genötigt, CO2-Zertifkate für sein grossvolumiges Midlife-Crisis-Vehikel zu kaufen. 

Youtube und easyvote statt Zeitung

Aber jetzt, wo unsere Jugend zum ersten Mal den National- und Ständerat wählen darf, also unsere Volksvertreter, ist das Interesse der beiden vorderhand überschaubar. Dabei, so meinen wir Eltern, ist doch gerade diese Wahl für die Zukunft von Sohn und Tochter sehr bedeutend. «Um sich ein Bild zu verschaffen», dozieren wir, «braucht es Zeitungen und Diskussionen in Fernsehrunden oder am Familientisch.» «Nö», entgegnet der Sohn, «wenn uns danach ist, ziehen wir uns auf Youtube entsprechende Beiträge rein.» Schauen geht bei ihm eh besser als lesen. 

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.