Aggressionen und negative Gefühle zulassen

In vielen Lebenssituationen tun Eltern alles, damit die Kinder in einem harmonischen Zuhause aufwachsen können. Aber es ist nicht angebracht, vor Kindern Konflikte zu vermeiden, «negative» Gefühle zu verdrängen, ihnen eine heile Welt vorzumachen.
Aggressionen sind für mich keine negativen Gefühle. Ich weiss nicht, wie es kam, dass sie zu negativen Gefühlen gemacht worden sind. Sie sind Signale, die zeigen, dass etwas los ist – was würden wir ohne sie tun?

Viele Eltern sind sehr darauf bedacht, Konflikte zwischen den Kindern zu unterbinden. Auch im Kindergarten werden oft Regeln aufgestellt, die es den Kindern verbieten sollen, zu raufen oder zu streiten. Ich meine, dass in den Familien, im Kindergarten, aber auch in vielen Therapien und alternativen Richtungen wie der Öko-Szene nur sogenannte «weibliche» Werte den Sieg davongetragen haben, wogegen nichts einzuwenden ist − aber sie lassen den Kindern zu wenig Entfaltungsraum. Es ist keine gute Idee, Aggressionen zu unterbinden: Du versuchst, ein Symptom loszuwerden, statt zu fragen, was sich dahinter verbirgt.

Die meisten Kinder – egal, ob zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule – sind tatsächlich fähig, ihre Konflikte selbständig zu bewältigen; sie brauchen die Supervision der Erwachsenen nicht. Die Idee der Erwachsenen, alle Konflikte in einer vernünftigen Weise zu klären, ist nett, aber unrealistisch. Du kannst als Erwachsener wünschen, dass deine Kinder, wenn sie 20 sind, ihre Probleme ausdrücken und mit ihnen umgehen können. Das kann ein lobenswertes pädagogisches Ziel sein. Aber das von fünf- oder sechsjährigen Kindern zu verlangen, ist schlichtweg unmöglich.
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