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Elternbildung

Die Schule – unser Feind?

Unser Bildungssystem ist in Verruf geraten. Aber den Kindern hilft das mediale Schulbashing nicht. Wie sollen Eltern damit umgehen?
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova / Die Illustratoren
Es fällt mir nicht leicht, den heutigen Artikel zu schreiben, weil er viele Menschen aus meinem Umfeld vor den Kopf stossen und mir wahrscheinlich einige böse Kommentare einhandeln wird. Aber das  Thema beschäftigt mich zu oft, um das Folgende ungesagt zu lassen. Es geht um die zunehmend aggressiver werdende Kritik an der Schule.

In unserer Zeit, in der es auf Klickraten und Interaktionen in den sozialen Medien ankommt und gerne alles auf Facebook und Co. geteilt wird, was knackig und plakativ daherkommt, greifen Journalistinnen, Autoren und Expertinnen vermehrt auf die Strategie «Polarisieren und emotionalisieren» zurück. Mit Titeln wie «Schulinfarkt» oder «Das Lehrerhasser-Buch» wird um Aufmerksamkeit gebuhlt. Die Experten, die zum Thema Schule interviewt und in Talkshows eingeladen werden, vermischen berechtigte Kritik immer mehr mit populistischer Rhetorik.

Macht lernen dumm?

Einige Monate vor Erscheinen seines Buches «Anna, die Schule und der liebe Gott. Der Verrat unseres Bildungssystems an unseren Kindern» lud der Philosoph Richard David Precht den deutschen Professors Gerald Hüther in seine Sendung ein – unter dem Titel: «Skandal Schule. Macht lernen dumm?»

Precht leitete die Sendung mit folgender Pauschalisierung ein: «An unseren Schulen werden die Kinder von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet.»

Das war vor sechs Jahren. Seither hat sich der Ton noch verschärft. Gerald Hüther behauptet, dass unsere Schulen unsere Kinder zu «Systemlingen» dressieren, die nicht selber denken können, sie zu unkreativen Kümmerwesen verkommen lassen.
«Bei ihrer Geburt sind 98% aller Menschen hochbegabt, nach der Schulzeit sind es nur noch 2 Prozent.»
Zitat aus dem Film «Alphabet»
Der Film «Alphabet», der in den letzten drei Jahren viel diskutiert wurde, zeigt nicht nur interessante Lern- und Bildungsalternativen. Er wirbt auf dem Filmplakat und der DVD-Hülle auch mit dem Zitat: «Bei ihrer Geburt sind 98% aller Menschen hochbegabt, nach der Schulzeit sind es nur noch 2 Prozent.» Seither begegnet mir diese Aussage auf Facebook, in Artikeln und in Büchern immer wieder. Kommentare wie diese versetzen Eltern in Aufruhr. Wie können wir unsere Kinder, die uns so viel bedeuten, solch scheinbar grausigen Institutionen anvertrauen?

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4 Kommentare
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Von Matthias am 07.02.2018 13:58

Die gute Mischung von verschiedenen Lehr- und Lernmethoden sollte doch im Konsens in einer demokratisch geführten Schule durchgefürt werden können. Zudem müssten möglichst viele Kinder teilnehmen können am Unterricht, so dass allen dabei wohl sein kann.
Dabei den Respekt gewähren allen gegenüber, dürfte ein zentrales Element in jeder Schulgemeinschaft bilden.

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Von Katharina (hyperaktiv.rocks) am 06.02.2018 19:30

Vielen herzlichen Dank für diesen Kommentar!
Ich finde es wichtig, dass Schule, das Schulsystem, die Lehrpläne etc. kritisiert werden. Das braucht es, um es vorwärts zu entwickeln und zu verbessern.
ABER: Die erwähnten Rundumschläge gegen "DAS System" sind einfach nur Rundumschläge, die teilweise kaum mehr etwas mit dem heutigen, aktuellen Schulleben zu tun haben. Mit Harmos und PER/LP21 kam einiges an neuen Schwung in die verschiedenen Schweizer Schulsysteme (auch wenn es mit der Harmonisierung in der Deutschschweiz nicht geklappt hat). Viele der Kritikpunkte, die man immer wieder hört, wurden mit dem neuen Paradigma behoben! "Das Schulsystem" ist mitnichten mehr dasselbe, wie vor 20 oder 50 oder gar 100 Jahren!
SchulkritikerInnen argumentieren beispielsweise ständig gegen den Frontalunterricht an - dabei ist der heutzutage bei dem, was ich in der Schulpflege sehe (PER Unterstufe 1H - 4H im Kanton Neuenburg) praktisch inexistent. Die machen fängs viel mehr Gruppenarbeiten oder praktische Ateliers als Frontalunterricht (was auch nicht allen zugute kommt, viele der BEP-Kinder bräuchten eigentlich etwas mehr feste Strukturen, aber das ist ein anderes Thema).
Ja, Kritik an der Schule ist wünschenswert. Aber bitte konkret, aktuell und konstruktiv!

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Von Franz Josef Neffe am 06.02.2018 11:14

Wir sollten lernen, genauer hinzuschauen: Nicht das Bildungssystem ist in Verruf geraten sondern das, was wir daraus gemacht haben.
Bildung ist das, was sich bildet, bei dem, was wir tun oder nicht tun.
Wir haben gar kein Bildungssystem sondern ein Unterrichtungssystem in dem man durch Unterricht nach unten gerichtet wird.
In einer schäbigen Statistenrolle für die Unterrichtsabwickelung üben Kinder mit ihren Unterrichtern unten ein, sich nach denen oben zu richten. Von Persönlichkeit bleibt da immer noch weniger übrig. Die Persönlichkeit schrumpft und wird erschöpft bis in den Burnout und die Depression hinein.
In der neuen Ich-kann-Schule habe ich an vielen praktischen Beispielen gezeigt wie vernichtend eine solche "Pädagogik" wirkt. Je weniger man etwas kann, umso mehr muss man es üben und erschöpft so seine Kräfte immer mehr und die Ergebnisse werden umso schlechter je besser man es (so) macht. Dieses Problem kennen wir schon vom Apostel Paulus, der schreibt: "Das Gute, das ich will, tue ich nicht, aber das Schlechte, das ich nicht will, das tue ich. COUÉS GESETZ der das Gegenteil bewirkenden Anstrengung zeigt und den Fehler und die Lösung: Je schlechter die Ergebnisse dieser verkehrten Pädagogik, umso mehr wird man unter Druck gesetzt und setzt sich schließlich selbst unter Druck und erschöpft damit seine Kräfte immer noch mehr.
Von Üben, Üben, Üben werden die Talente nicht satt sondern matt (Burnout) und platt (Depression).
Statt zu wachsen schrumpft man als Persönlichkeit.
In der neuen Ich-kann-Schule habe ich aber gezeigt, dass wir alle nur durch WACHSEN Sem Leben GEWACHSEN werden.
Wenn ich nur auf einfachste Weise für eine Stärkung und Wachstum der Persönlichkeit sorgen, dann können die Kinder - ohne dass ich auch nur eine Zahl oder einen Buchstaben übe - auf einmal ganz extrem viel besser rechnen und schreiben.
Wenn man in einer Schule deine Talente ständig verkehrt behandelt dann ist diese Schule dein Feind. Dann dürfen auf gar keinen Fall immer die Schüler noch mehr traktiert werden; dann müssen endlich die LEHRER LEHREN lernen.
LEHREN ist etwas vollkommen anderes als UNTERRICHTEN.
LEHREN heißt in der neuen Ich-kann-Schule: ein mitreißendes Vorbildfür Lernen sein.
Einen wirklichen LEHRER erkennt man daran, dass er KEINEN DRUCK macht sondern SOG-Wirkung entfacht, indem er vorausgeht und seine Schüler mitreißt.
Es ist hochgradig auffällig, dass wir bei den Problemen der Kinder immer nur plump ihre sog. Förderung intensivieren und uns nie um die Wirkung der Pädagogen kümmern. Damit erreichen wir geradezu gigantische Problemvergrößerungen und -Vermehrungen. Als Beispiel verweise ich nur auf die sog. Legasthenie-Förderung, die in wenigen Jahrzehnten die Zahl der Rechtschreibfehler vervielfacht und eine Menge zusätzlicher Probleme produziert hat. Mit Dyskalkulie dasselbe. Im Ich-kann-SYchule-Experiment erlebe ich immer wieder, wie einfach die betroffenen Kinder unter geistreicheren Bedingungen viel mehr und vor allem viel Besseres leisten.
LERNEN wird unter solchen Gegebenheiten zur Hauptpflicht nicht der Kinder sondern der Erwachsenen. Ich wünsche guten Erfolg.
Franz Josef Neffe

Von Michaela am 12.02.2018 20:10

Ach ja, der frustrierte Neffe mal wieder. Diesmal auch außerhalb von Facebook.

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