Corona: Wie erkläre ich meinem Kind die neuen Massnahmen?
Elternbildung

Wie viel Corona können Eltern ihren Kindern zumuten?

Die zweite Corona-Welle ist hier und täglich sind wir mit Nachrichten über Neu-Infektionen und neuen Vorgaben konfrontiert. Wieviel davon sollen Eltern ihren Kindern zumuten? Und wie reagiert man, wenn das Viruswirklich nah ist; Freunde, Verwandte oder das Kind selbst betrifft? Jugendpsychologin Nadine Messerli-Bürgy gibt Antworten.
Interview: Sandra Casalini
Bild: Rawpixel.com

Frau Messerli-Bürgy, seit dem Ende der Herbstferien gilt im Kanton Zürich für Erwachsene Maskenpflicht im Schulhaus. Was geht in einem Kind vor, wenn da plötzlich nur noch «maskierte» Erwachsene herumlaufen?

Die meisten Kinder haben sich durch die bereits seit mehreren Monaten bestehende Maskenpflicht in verschiedenen Bereichen gut daran gewöhnt. Kinder lernen schnell und wenn man ihnen erklärt, warum dies nun notwendig ist, dann ist es für ein Kind schnell normal – so, wie dies auch beim Händewaschen für viele Kinder der Fall war. Sicher können Kinder - und auch wir Erwachsenen - die Mimik der anderen Person schlechter erkennen. Aber eine Bedrohung stellt eine Maske heute für unsere Kinder kaum dar.

Trotzdem: Wie erklärt man den Kindern eine solche Massnahme?

Genau so, wie wir ihnen bereits im Frühling verständlich machten, warum wir nun die Hände häufiger waschen. Erklärungen müssen dabei altersangepasst sein. Kleinen Kindern ist es noch nicht möglich, sich in andere hineinzuversetzen. Daher sind Erklärungen eher schwierig. Bei Kindern ab Kindergartenalter kann gut erklärt werden, dass wir das Virus über die Atemwege aufnehmen, es sich bei Husten oder Niesen besonders gut über die Luft verbreiten kann und uns sowie andere darum Masken vor einer Erkrankung schützen.
Prof. Dr. Nadine Messerli-Bürgy ist Professorin an der Universität Freiburg und leitet die Forschungsgruppe für Klinische Kinderpsychologie und die nationale Studie «STERN» zum Einfluss von Stress auf die psychische Gesundheit von Vorschulkindern. 
Prof. Dr. Nadine Messerli-Bürgy ist Professorin an der Universität Freiburg und leitet die Forschungsgruppe für Klinische Kinderpsychologie und die nationale Studie «STERN» zum Einfluss von Stress auf die psychische Gesundheit von Vorschulkindern. 

Die gefürchtete «zweite Welle» scheint mittlerweile hier zu sein. Und wenn man den (sozialen) Medien glaubt, scheinen wir zu pendeln zwischen Panikmache und Ignoranz. Was ist Ihrer Meinung nach der richtige Weg, als Eltern mit dieser Bedrohung umzugehen?

Kinder hören oft mit, wenn Erwachsene sich unterhalten und kriegen so verschiedene Informationen mit. Als Eltern können wir unseren Kindern helfen, diese aufgeschnappten Informationen richtig einzuordnen. Dabei hilft es sicher, dass man altersentsprechend auch über Fakten spricht, jedoch ohne Panik zu machen, sondern aufzeigt, was jedes einzelne Familienmitglied tun kann, um die bestehenden Schutzkonzepte im Alltag umzusetzen. Die Eltern laden zum Beispiel die Covid-App aufs Handy, alle waschen sich regelmässig die Hände und halten in der Öffentlichkeit Abstand etc. Es geht darum, dem Kind Unterstützung zu bieten im Umgang mit der Angst vor Corona, aber auch mit der Furcht vor den möglichen Einschränkungen. 

Wann und wie soll man dieses Thema als Familie diskutieren?

Kinder können sich Zusammenhänge aus dem im Umfeld aufgeschnappten Kommentaren meist schlecht selber erklären. Es lohnt sich daher, das Thema daheim aufzugreifen und nachzufragen, was die Kinder gehört und verstanden haben, um ihnen so zu ermöglichen, die verschiedenen Informationen einzuordnen und sie zu verstehen. Können sie dies nicht tun, dann besteht die Gefahr, dass sie verängstigt und verunsichert werden. Es ist empfehlenswert, das Thema Covid19 von Zeit zu Zeit zu thematisieren, und dann mit dem Kind konkret zu besprechen, was man als Familie tun oder wie man handeln kann, um beispielsweise die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. 
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Wie reagiert man am besten, wenn das Virus tatsächlich «nahe» kommt, also zum Beispiel ein Verwandter oder Freund positiv getestet wurde?

Für Kinder ist es einfacher zu wissen, was los ist, als im Dunkeln zu tappen. Es ist daher sinnvoll, dem Kind dem Alter entsprechend die Informationen mitzuteilen, die es braucht, um dies einordnen zu können. Ein Gespräch zur Klärung von Begriffen kann helfen: Was bedeutet «positiv getestet»? Dies kann helfen, dem Kind die Angst zu nehmen, dass nun etwas ganz Gefährliches in seiner Nähe passiert ist. Kinder brauchen Sicherheit, daher sollte das Kind wissen, dass jemand mit einem positiven Test sich möglicherweise krank fühlen kann, aber vielleicht auch gar nichts von der Ansteckung spürt. Aber dass man sich wegen der Ansteckungsgefahr nun vorläufig nur über Telefon oder Videocall treffen kann, und die Kontaktmöglichkeiten für eine gewisse Zeit eingeschränkt sind.

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