Simona Gafner: «Plötzlich war Corona näher als gedacht»
Familienleben

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Was tun, wenn Mama und Papa Corona-positiv sind

Wie geht eine Familie mit der Corona-Ansteckung um? Simona Gafner und ihr Mann hatten sich angesteckt, die beiden Buben blieben gesund. Doch was hiess es für die Familie, plötzlich «der Feind» zu sein?
Redaktion: Hanna Lauer 
Bild: Rawpixel.com / zVg
Als die Schulen auf Fernunterricht umstellten, hatten sich bei uns Homeschooling und Homeoffice gut eingespielt. Ich bin Primalehrerin und Familien-Beraterin. Da wegen der Massnahmen Mitte März alle meine Projekte gestrichen wurden und ich dieses Schuljahr eine Pause vom Unterrichten eingelegt habe, konnte ich mich ganz auf die Kinder konzentrieren. Ab August habe ich dann wieder ein kleines Pensum als Lehrerin, ab dann geht mein jüngerer Sohn in den Kindergarten.
Simona Gafner ist Primarlehrerin, Familienberaterin und Mutter von zwei Buben, vier und sieben Jahre alt.
Simona Gafner ist Primarlehrerin, Familienberaterin und Mutter von zwei Buben, vier und sieben Jahre alt.
Ich war aber auch während dem Fernunterricht sehr aktiv. Um die Familien auch in dieser Zeit zu unterstützen, habe ich kurze Filme für Eltern zum Thema Fernunterricht auf Youtube gestellt. In diesen Filmen zeige ich, was die Aufgabe der Eltern ist und gebe Tipps, wie das Arbeiten für die Schule zu Hause leichter gelingt.

Der Corona-Befund

Mein Mann hatte sich im Dachstock sein Homeoffice eingerichtet und so konnte er ungestört arbeiten. Nur für ein paar Sitzungen musste er aus dem Haus. So weit so gut. Doch dann kam der Schreckmoment: Der Chef meines Mannes wurde positiv auf Corona getestet. Zwei Tage später lag auch mein Mann mit üblem Husten und Fieberschüben im Bett. Und plötzlich war die schlimmste Befürchtung Tatsache. Wir waren infiziert und plötzlich war Corona ganz nah, die Realität näher als gedacht. Zum Glück blieben unsere Kinder gesund. 

Die Angst, was dieses Virus mit uns macht, gemischt mit der Sorge, wen wir vielleicht noch angesteckt hatten und all den organisatorischen Sachen, wie zum Beispiel «Wer wird für uns einkaufen?» war unsere neue Realität. Wir durften ja nicht mehr aus dem Haus. 

Waren wir der Feind?

Obwohl wir uns mit dem positiven Ergebnis komisch fühlten, war die Solidarität in unserem Freundeskreis gross. Viele Freunde und Bekannte wollten jeden Tag einen «Statusbericht», um zu hören wie sich diese Krankheit nun wirklich anfühlt und unterstützten uns so gut es ging. Glücklicherweise sind wir nicht in der Risikogruppe. 

Eigentlich hätte sich mein Mann für 10 Tage in ein Quarantänezimmer einschliessen sollen. Er hätte dort auch alleine essen sollen. Das brachten wir aber nicht übers Herz. Denn auch unsere beiden Buben hätten es nicht ertragen, den Papi so lange nicht zu sehen. Zudem bin ich überzeugt das Nähe und Liebe beim Heilen hilft. 

Nun, es kam wie es kommen musste. Auch ich entwickelte Symptome. Zum Glück nicht in der gleichen Wucht wie mein Mann, aber doch so, dass es schwierig wurde den Alltag zu meistern. Normalerweise dürfen die Buben in solchen Momenten zum Grossmami oder zur Omi. Zwei kranke Eltern und zwei gesunde Kinder sind eine ungünstige Mischung. Aber unter diesen Umständen wollten und konnten wir unsere Kinder niemandem abgeben. Die Chance, jemanden auf diesem Weg anzustecken war zu gross. Das Wetter war gut und die Jungs waren viel draussen im Garten. Auch der Fernseher und das bestellte Essen machten diese Tage für alle «überlebbar». Wie es bei uns zu Hause in diesen Tagen jedoch ausgesehen hat, kann man sich vielleicht vorstellen.
 
Heute, einen Monat später nach Ausbruch der Krankheit, sind wir beide wieder gesund. Jetzt gehen wir davon aus, dass wir zumindest eine Teilimmunität haben. Daher sind wir um einiges entspannter. Natürlich halten wir uns nach wie vor an alle Vorgaben, aber die Angst und die Bedrohung, die in vielen Köpfen vorhanden ist, ist bei uns weg. Das macht alles leichter. 

Bald geht die Schule wieder los und unsere Kinder schauen mit gemischten Gefühlen auf regulären Schulunterricht. Sie freuen sich natürlich alle ihre Freunde wieder zu sehen. Aber sie wissen auch, dass jetzt das Beurteilen, Gemessen und Verglichen-werden wieder anfängt. Das löst im Moment Verunsicherung aus. Sie waren während acht Wochen in vertrauter Umgebung und werden nun wieder in den Schulalltag entlassen. So wie es Zeit brauchte, um sich auf die Situation zu Hause einzulassen, wird es Zeit benötigen, sich wieder auf die Situation «ausser Haus» einzustellen. 

Ich hoffe mit diesem Schreiben den Leuten etwas die Angst zu nehmen. Wer nicht in der Risikogruppe ist, wird diese Krankheit höchstwahrscheinlich überstehen und ist danach mit grosser Wahrscheinlichkeit zumindest für eine gewisse Zeit immun. Das wiederum kann man nutzen, um anderen Leuten oder Organisationen zu helfen. Trotzdem sollte man diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen und keine Ansteckung leichtsinnig in Kauf nehmen. 

Ich bin überzeugt, dass wir alle gestärkt aus dieser Zeit kommen werden und unser Leben, unsere Möglichkeiten und unsere Freiheit auf eine neue Art und Weise zu schätzen lernen, die uns viel Kraft geben wird.
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Simona Gafners Tipps für Familien findet man unter: www.gafner-beratung.ch und auf ihrem Youtubekanal. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Flüh (SO). 

Corona-Chaos oder -Chance?

Wie gehen Sie zuhause mit dem aktuellen Ausnahmezustand um? Was bereitet Ihnen Mühe, was klappt ganz gut und was wünschen Sie sich für die Zeit nach dem Lockdown? Wie geht es Ihnen mit dem bevorstehenden Schulstart? Wir freuen uns, wenn Sie mit uns in Kontakt treten und Ihre Geschichte mit uns teilen: online@fritzundfraenzi.ch

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1 Kommentar

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Von Barbara am 10.05.2020 08:48

Die Frage „was tun?“ wird hier total im Raum stehen gelassen. Was wenn die Kinder nicht alt genug sind um im Garten alleine zu spielen? Wer hilft dann? Ich habe keine Angst vor Corona, ich habe Angst mit allem (Schule, Arbeit, Kinder, Haushalt etc) alleine dazustehen und dann krank zu werden. Da helfen all die Milliarden nichts!

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