Familienleben

Kinder und Katzen sind die wahren Corona-Meister

Die einzigen zwei Dinge, die ich bislang in dieser *** Corona-Krise gelernt habe, habe ich von meinen Kindern gelernt. Und von meinen Katzen.
Text: Mikael Krogerus
Illustration: Petra Dufkova / Die Illustratoren
Zuerst die Kinder.
Ich weiss nicht, ob es die Tatsache ist, dass das Virus offensichtlich bei Kindern nicht so schwer zuschlägt, oder ob die beiden den Ernst der Lage nicht erkennen, oder ob sie es einfach geniessen, nicht mehr in die Schule gehen zu müssen, jedenfalls nehmen sie den Lockdown erstaunlich sportlich. Natürlich, als Mittelstandskinder mit eigenen Zimmern geht es ihnen wahrlich nicht schlecht, aber die Unbekümmertheit mit der sie der neuen Situation begegnen, gibt mir doch zu denken. Anfangs war ich verwundert, irritiert sogar über ihre Nonchalance, inzwischen denke ich: Ist das vielleicht die vielbesungene Resilienz? Die Fähigkeit, auch einer Krise noch ins Gesicht grinsen zu können? 

Während ich mühsam versuchte, der Jüngsten zu erklären, wie man mit dem Kehrwert malnimmt, schien sie mir im Gegenzug Grundlegendes zu vermitteln: Es geht nicht darum, wie wir leben wollen, wenn die Welt irgendwann wieder funktioniert. Du brauchst dir nicht Dinge vornehmen für das Leben danach. Du musst die Quarantäne nicht klug überbrücken. Du musst nicht hoffen, dass es irgendwann vorbei ist. Du musst, umgekehrt, es dir hier und jetzt so einrichten, dass du gern lebst. 

Natürlich sagte sie das nicht. Aber sie lebte es. 
Du musst, umgekehrt, es dir hier und jetzt so einrichten, dass du gern lebst. 
Es gibt von Friedrich Nietzsche den schönen Gedanken, wonach nicht jedes Ende das Ziel ist. Das Ende einer Melodie zum Beispiel, heisst es dort, sei nicht ihr Ziel; aber trotzdem: hat die Melodie kein Ende, so hat sie ihr Ziel nicht erreicht. Schön, oder?

Ich nahm mir in diesem Moment jedenfalls vor, ab sofort und bis ans Ende meines Lebens mich jeden Tag über etwas zu freuen.

Die zweite Erkenntnis stammt von meinen Katzen.
Wie auch immer man zu diesen Tieren steht, eines muss man ihr lassen: Sie haben die Ruhe weg. Rollen sich einfach zusammen, die Pfote übers Gesicht, und schlafen ein. Leisten den ganzen Tag nichts, und sind dabei komplett mit sich im Reinen. Dahinter steckt, das wurde mir nach ungefähr zwei Wochen klar, in denen ich kaum was geschafft hatte, und darüber vollkommen gestresst war, eine geheime Botschaft: Sei wie wir! Werde Katze!
Mikael Krogerus' Büronachbar hält den Mindestabstand nicht ein. (Bild: zVg)
Mikael Krogerus' Büronachbar hält den Mindestabstand nicht ein. (Bild: zVg)
Und tatsächlich. Bald schon begannen wir länger zu schlafen. Um 08:30 klingelte der Wecker, um 23 Uhr lagen wir im Bett. 9 Stunden Schlaf, wann hatte ich das zuletzt gehabt? Irgendwann fing ich an, mich auch noch mittags hinzulegen. Es war keine Flucht. Kein fatales die Augen-vor-dem-Leid-der-Welt-Verschliessen. Es war bloss, was die Katze mir gesagt hatte: Wenn du schläfst, kannst du nichts falsch machen.
Mikael Krogerus ist Autor und Redaktor des «Magazin». Der Vater einer Tochter und eines Sohnes lebt mit seiner Familie in Basel.

Neu schreibt er einmal pro Woche eine Kolumne zum Thema Corona. 
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1 Kommentar

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Von Miriam am 29.04.2020 08:16

Wunderbarer Artikel! Vielen Dank! Wir können so viel von unseren Kindern lernen.

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