Philippe Wampfler: «Die Kombination von Präsenz- und Digital-Unterricht wäre eine ideale Lernform.»
Schule

«Kombi von Präsenz- und Digital-Unterricht wäre ideale Lernform»

Digitalexperte Philippe Wampfler hat mit den eigenen Schülerinnen und ­Schülern erlebt, was es bedeutet, wenn es nur noch Fernunterricht gibt. Der Gymnasiallehrer sagt, welche Lehren er aus der Corona-Krise zieht, welchen Einfluss der Lockdown auf die Digitalisierung der Schule hat – und was Kinder, Eltern und Lehrpersonen an ­Veränderungen erwartet, wenn wieder alle regulär zur Schule gehen.
Interview: Hanna Lauer
Bild: rawpixel.com / zvg

Herr Wampfler, während jüngere ­Kinder wieder zur Schule gehen, geben Sie als ­Gymna­siallehrer noch immer Fernunterricht. Worauf legen Sie bei dieser Form des Unterrichts besonders Wert?

Als wir aufgrund der Corona-Krise auf diese Form des Lernens umstellten, haben sich die Lehrpersonen an unserer Schule auf zwei Massnahmem verständigt: Zum einen wollten wir uns vergewissern, dass die Schülerinnen und Schüler anwesend sind. So entstand ein tägliches Morgen­ritual in Form einer Videositzung mit der ganzen Klasse. Meist bildet diese Sitzung den Auftakt zur ersten Unterrichtsstunde.

Und auf was noch?

Zum anderen gibt es wöchentlich ein bis zwei Touchpoints pro Klasse und Fach. In diesen rund 20-minütigen Videositzungen können die Schülerinnen und Schüler spezifisch Fragen stellen. Sie bekommen von mir Unterstützung bei Projektaufgaben und ich kann ihnen Aufträge erteilen. Das alles passiert bei uns an der Schule mehrheitlich mit der Arbeits- und Kommunikationsplattform Teams. Ich sammle dort alle Informationen und tausche mich mit meinen Schülerinnen und Schülern aus. Der Nachteil von Teams ist, dass ich nicht alle Personen per Video sehen kann.

Welches sind die grössten Herausforderungen für Sie als Lehrperson? 

Die Schülerinnen und Schüler zu spüren. Wenn ich in mein Klassenzimmer komme, sehe ich nicht nur, ob alle anwesend sind, sondern auch wer wie drauf ist. Das ist in einer Videositzung wesentlich schwieriger. Ich kann nicht auf jede Schülerin und jeden Schüler einzeln eingehen.
Digitalexperte und Gymnasiallehrer Philippe Wampfler im Zoom-Interview mit Online-Redaktorin Hanna Lauer.

Waren Sie schon vorher mit Ihren Klassen digital unterwegs?

Ja. Ich arbeite mit meinen Klassen schon länger mit Teams. Die Schülerinnen und Schüler sind mässig begeistert, denn ich kann sie besser kontrollieren als in der normalen Schulsituation. Zurzeit ist diese digitale Unterrichtsform halt Standard.
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Was heisst das, die Schülerinnen und Schüler besser kontrollieren?

Zunächst fordern synchrone Settings eine Präsenz der jeweiligen Person. Zudem werden die Aufgaben mit engen Terminen und klaren Vorgaben eingefordert und die Schülerinnen und Schüler angerufen, wenn die Aufgaben nicht erledigt werden. Digitale Überwachungsmethoden werden an Schweizer Schulen kaum eingesetzt. 
«In Videositzungen kann ich nicht auf jede Schülerin und jeden Schüler 
 einzeln eingehen.»

Wer entscheidet, ob eine Lehrperson seine Klasse online oder analog ­unterrichtet: die Lehrperson selbst oder die Schulleitung?

Die Touchpoints beziehungsweise die Kontakte zu den Klassen wurden durch die Schulleitung geregelt. Lehrpersonen mit «kleineren Fächern» – also solchen mit nur zwei Lektionen pro Woche – sollten ­einmal pro Woche mit den Schülerinnen und Schülern kommuni­zieren, Lehrpersonen mit «grossen Fächern», wie Deutsch oder Mathematik,  zweimal. Die meisten arbeiten mit Teams, aber auch Zoom kommt bei ein paar Lehrerkolle­ginnen und -kollegen zum Einsatz. Und wiederum andere verschicken PDF-Dokumente. Es ist davon abhängig, wie digital eine Lehrperson unterwegs ist. An unserer Schule gibt es im Lehrerkollegium die ganze Bandbreite, vom Techno­logie­freak bis zum wissenschaftlichen Doktor. 

Wie wurden die Lehrpersonen geschult, ihren Unterricht online zu gestalten?

Entscheid und Übergang zum Fernunterricht waren eine Hauruckak­tion. Am Freitag stand die Vermutung im Raum, am Montag traf sie ein. Auf die Videokonferenzsituation war niemand vorbereitet. Es gab an unserer Schule Mircofortbildungen im Vorfeld, aber es ging so schnell und die Schülerschaft war bereits zu Hause. Ich arbeite noch an einer Uni, und dort haben wir die Weiterbildungen für die Lehrpersonen geändert und auf die digitale Ausrichtung gesetzt. Diese Fortbildungen finden per Zoom statt.

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