Medienerziehung

Frau Willemse, wie viel Smartphone ist zu viel?

Allgemeingültige Regeln zum Medienkonsum gebe es kaum, sagt Medienpsychologin ­Isabel Willemse. Damit Kinder einen bewussten Umgang mit dem Smartphone lernen, ­seien Eltern doppelt ­gefordert: Sie müssten den eigenen Mediengebrauch ­reflektieren und die Kinder bei ihrer ­Nutzung aufmerksam begleiten. 
Text: Bianca Fritz
Bild: Kostas Maros

Frau Willemse, Studien zufolge schauen wir alle 11 bis 18 Minuten auf unser Smartphone. Sind wir eine ­Nation von Süchtigen?

Ich finde in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen süchtig und abhängig wichtig. Abhängig heisst, wir sind auf unser Smartphone angewiesen. Das passiert leicht, weil alles im Gerät steckt: Kalender, Fahrplan, Google. Wir nutzen das Smartphone für Dinge, die früher auf mehrere Medien verteilt waren. Das Wort Sucht wird mir zu inflationär gebraucht. Für eine Diagnose von Onlinesucht müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Der Kontrollverlust über den Gebrauch und das Vernachlässigen von wichtigen Dingen und Beziehungen sind zwei davon. 

Ist der unbewusste Griff zum ­Smartphone ein Warnzeichen für einen ­möglichen Kontrollverlust?

Es lohnt sich dann zumindest, die eigene Smartphone-Nutzung zu untersuchen, beispielsweise mithilfe von Kontroll-Apps. So finden wir heraus, wie viel und wofür wir das Gerät wirklich nutzen. Tatsächlich greifen viele in Leerzeiten, zum Beispiel beim Warten auf den Bus, automatisch zum Gerät. Hier sollten wir unseren Kindern etwas anderes vorleben. Langeweile ist wichtig, um eigene Ideen zu entwickeln.
Isabel Willemse ist Medienpsychologin und Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Onlinesucht an der ZHAW Zürich.
Isabel Willemse ist Medienpsychologin und Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Onlinesucht an der ZHAW Zürich.

Wie viel Smartphone ist zu viel? Was sollen wir unseren Kindern hier ­vorgeben und vorleben?

Ich halte nicht so viel von pauschalen Zeitangaben. Grundsätzlich gilt: Wenn Eltern etwas anderes vorleben, als sie sagen, wird es für Kinder sehr schwierig. Erleben Kinder, dass ihre Eltern in Frustmomenten zum Handy greifen, werden sie diese Strategie übernehmen und gamen oder mit einer Freundin chatten, sobald die Hausaufgaben nerven.

Spätestens im Kleinkindalter wirkt der Bildschirm wie ein Magnet. Wie ­können Eltern damit umgehen?

Wir alle schauen bei bewegten Bildern hin. Kinder spüren zudem, dass das Smartphone eine wichtige Rolle im Leben der Eltern einnimmt. Also sind sie neugierig. Es hilft, den Kindern zu erklären, was man selbst gerade macht. Sie können so allenfalls auch emotionale Reaktionen auf den Inhalt besser einordnen. Zwischendurch ein paar Fotos oder Videos zusammen anzuschauen, finde ich unproblematisch – wenn dann das Gerät wieder weggelegt wird.
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Jetzt haben wir schon mehrere ­Motive, zum Smartphone zu greifen, genannt.

Spass und Unterhaltung wären weitere. Und: Viele Jugendliche nutzen Videos, um etwas zu lernen. Etwa ein Musikinstrument.

1 Kommentar

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Von Steffi am 20.10.2019 13:34

Was ist mit Partnern? Mein Freund hat 2 Spiele auf seinem Handy. Das eine spielt er schon seit Jahren. Viel Chatten im clan gehört dazu. Man "verabredet " sich sogar zeitlich zum helfen. Und wenn dann das reale Leben dazwischen gretscht, gibt es Streit.

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