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Elternbildung

Warum träumt mein Kind so intensiv?

Was das Gehirn nachts tut und warum, beschäftigt die Menschen seit Jahrtausenden. Klar ist: Es schläft nicht. Kinder und Jugendliche träumen intensiv, erleben dabei grosse Abenteuer, wähnen angsteinflössende Monster unter ihrem Bett. Was bedeuten diese Träume? Wie sollen Eltern auf einen Albtraum reagieren und wann fachliche Hilfe beiziehen?
Text: Sarah King
Bilder: Fabian Unternährer / 13 Photo

Alleine in der Welt

Jeden Mittwoch kommen die Soldaten. Sie nehmen einen Menschen nach dem anderen gefangen. Nur Sophia vergessen sie. Sie bleibt alleine in der Welt zurück. Für dieses Vergehen werden die Soldaten bestraft. Sophia zückt die Schere und schneidet ihnen lustige Frisuren. Ohne Pardon. Dazu verpasst sie ihnen noch eine zünftige Bartpflege.

Diese Mittwochs-Serie träumte Sophia mit fünf Jahren. Mittlerweile ist sie zwölf und erzählt den Soldaten-Traum so lebhaft, dass man als Zuhörerin das Bartöl zu riechen glaubt. Träumen ist Sophias Leidenschaft. Sie legt sich abends hin, denkt sich eine Geschichte aus und träumt sie schlafend weiter. Manchmal vergisst sie, was sie träumt, oder erinnert sich nur an Teile davon. Und oft erfindet sie zum Erinnerten noch «ein bisschen etwas dazu, damit der Traum verstanden wird».

Wo beginnt ein Traum?

Sophia denkt also, träumt, erinnert, vergisst und erfindet. Das wirft Fragen auf, die den Menschen seit Jahrtausenden beschäftigen. Was ist ein Traum? Wo beginnt er, wo hört er auf? Und: Was bedeutet er? Vor allem wenn das Traumgebilde in einer Schreckensgestalt daherkommt, wird das Wissen über Träume drängend. Nicht alle haben die Leichtigkeit, wie sie dem Dichter Georg Heym vorschwebt: «Wenn die Abende sinken und wir schlafen ein, gehen die Träume, die schönen, mit leichten Füssen herein.»
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Dieser Artikel stammt aus unserem grossen Dossier zum Thema Traum aus der Ausgabe 06_07/18. Sie können das Magazin hier bestellen.
Zwar werden laut Studien mehr als zwei Drittel der Kinderträume von fröhlichen oder neutralen Gefühlen begleitet. Dennoch können Träume so beängstigend sein, dass nicht nur die träumenden Kinder, sondern auch ihre Eltern Angst bekommen und sich fragen: Ist mein Kind krank? Wie reagiere ich auf den Traum? Wer hilft?

Das Wesentliche bleibt unsichtbar

Im Schlummerland, so schreibt Michael Ende, hilft das Traumfresserchen. Das stachelige Kerlchen mit glitzernden Sternenaugen befreit die Leute von den bösen Träumen, damit sie wieder ein freundliches Gemüt und einen klaren Kopf haben. In der Antike waren es Propheten und Priester, die im Traum die verborgene Weissagung und Zukunftsvorhersage suchten.

Spätestens seit der Psychoanalytiker Sigmund Freud 1900 sein berühmtes Werk «Die Traumdeutung» veröffentlichte, finden der Traum und dessen Deutung zunehmendes Interesse, nicht nur in esoterischen Kreisen, sondern auch in der Wissenschaft. Von allen Seiten werden das menschliche Gehirn und die darin stattfindenden nächtlichen Aktivitäten erforscht. Die zusammengetragenen Erkenntnisse ergeben ein immer differenzierteres Bild über das Wesen des Traums.
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Die Menschen beschäftigen sich seit Jahrtausenden mit der Traumforschung.
Die Menschen beschäftigen sich seit Jahrtausenden mit der Traumforschung.
Und doch: Das Wesentliche bleibt den Forschenden vorenthalten – der Traum selbst. Er ist einzig dem Träumenden zugänglich.

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