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Elternbildung

«Verwöhnung ist eine Art Sucht»

Der Psychologe Jürg Frick beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten mit Übervorsicht in der Erziehung – lange bevor sich der Begriff Helikopter-Eltern etabliert hat. Er sagt: Verwöhnte Kinder werden unselbständig.
Interview: Andres Eberhard

Herr Frick, wie gefällt Ihnen der Begriff Helikopter-Eltern?

Eigentlich gar nicht schlecht. Er beschreibt treffend, wie Eltern über ihren Kindern kreisen, um sie zu überwachen. Allerdings wird der Begriff heute vor allem verwendet, um Eltern anzuklagen. Das finde ich falsch. Bei Eltern sollte man keine Schuldgefühle erzeugen, denn die allermeisten wollen es ja gut machen. Ich spreche daher lieber von Verwöhnung. Dieser Begriff geht meiner Meinung nach tiefer und weiter.

Inwiefern?

Bei der Verwöhnung geht es um eine Grundhaltung, die von Übervorsichtigkeit oder Überängstlichkeit geprägt ist: dem Kind nicht viel zuzutrauen und ihm darum viele Dinge abzunehmen, die es selbst erledigen könnte.
Jürg Frick ist psychologischer Berater in eigener Praxis, Dozent und Buchautor. Er hat als Volksschullehrer und Ausbildner gearbeitet sowie viele Jahre als Dozent und Berater an derPädagogischen Hochschule Zürich. Frick bietet auch Seminare und Workshops für Schulen sowie Kurse und Vorträge für Eltern an. Frick lebt und arbeitet in Uerikon am Zürichsee.
Jürg Frick ist psychologischer Berater in eigener Praxis, Dozent und Buchautor. Er hat als Volksschullehrer und Ausbildner gearbeitet sowie viele Jahre als Dozent und Berater an der
Pädagogischen Hochschule Zürich. Frick bietet auch Seminare und Workshops für Schulen sowie Kurse und Vorträge für Eltern an. Frick lebt und arbeitet in Uerikon am Zürichsee.

Sie bezeichnen Verwöhnung in Ihrem Buch als Droge. Warum?

Werden Kinder verwöhnt, fordern sie dieses Verhalten auch in Zukunft ein. Ein Kind einmal in die Schule zu fahren, ist kein Problem. Aber am nächsten Tag wird das Kind fragen: «Mami, ich bin spät dran, fährst du mich wieder?» Gibt man dann nach, gewöhnt sich das Kind daran. Diese Gewöhnung ist eine Art Sucht. Was sind die Folgen von Verwöhnung? Sie führt dazu, dass Kinder entmutigt und für das Leben untauglich gemacht werden. Ein verwöhntes Kind glaubt, dass es nichts kann, dass es ohne Eltern verloren ist. Solche Kinder sind es ausserdem gewöhnt, dass sich die Welt um sie dreht. Das macht es für sie schwierig, sich anzupassen. In der Schule beispielsweise können sie nicht mit schlechten Noten umgehen oder damit, dass man im Turnen etwas anderes spielt, als sie möchten.

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1 Kommentar

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Von Franz Josef Neffe am 13.09.2018 12:37

Die heutigen "Helikopter-Eltern" hatten 13 Jahre Schulpflicht!
Was haben da die Lehrer gemacht?
Die Schule beschwört doch immer bis zuletzt, dass man dort FÜR´S LEBEN LERNT.
Offenbar haben die Eltern in ihrer Schulzeit für´s Leben gelernt, wie man alles verkehrt macht.
Demnächst wird man in diesen Lehrplanvollzugsanstalten Nachweise sammeln und 30 Jahre aufheben. Wenn du dann in der 7.Klasse auf einem Arbeitsblatt einmal angekreuzt hast, dass du deine Kinder nicht mit dem Helikopter in die Schule fliegen wirst, dann ist die Schule für alle Ewigkeit aus dem Schneider und DU bist schuldig. Schuldig. Schuldig!
Den Letzten beißt der Hund.
Pech-gehabt-Pädagogik ist heute modern.
Franz Josef Neffe

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