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Elternblog

The jobs are alright

Hier eine ewige Frage, die sich jeder zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben gestellt hat: Welchen Beruf soll ich ergreifen? Als besorgter Elternteil fragt man zunehmend nicht nur, was passt zu meinem Kind, sondern auch, welche Berufe haben überhaupt noch eine Zukunft?
Text: Mikael Krogerus
Illustration: 
Petra Dufkova/Die Illustratoren
In der Studie The Future of Jobs, die am diesjährigen World Economic Forum präsentiert wurde, untersuchten Forscher – ausgehend von der Fragestellung, welche Jobs automatisiert werden können – die weiteren Aussichten verschiedener Berufszweige bis zum Jahre 2024. Vorab hier die Berufe ohne Zukunftsaussichten: jegliche Art von Bürojobs wie etwa Buchhaltung, aber auch Herstellung, Handwerk und, kein Witz, Anwaltstätigkeiten. Journalismus, dies nur am Rande, wurde in der Studie nicht einmal berücksichtigt. Solche Berufe werden in den nächsten Jahren von Robotern und Algorithmen übernommen. Gute Aussichten prognostizierten die Forscher vier verschiedenen Feldern. Zum einen – eine eher naheliegende Erkenntnis – dem «Computational thinking», was etwas verkürzt mit Datenverarbeitung übersetzt werden kann. Weil sich die Informationsmenge im gleichen Takt vergrössert wie unsere Verwirrung darüber, sind Programmierer, Analysten und Marktforscher gefragt, um in dem Chaos Struktur zu schaffen. 
Kinder könnten in Berufen reüssieren , in denen man die sogenannten Softskills braucht. 
Der zweite Bereich, in dem unsere Kinder reüssieren könnten, sind Berufe, in denen man die sogenannten Softskills braucht. Damit sind soziale und emotionale Intelligenz gemeint, Empathie, aber auch Anpassungsfähigkeit und interkulturelle Kompetenzen. Eigenschaften, mit denen sich Roboter offensichtlich eher schwertun, weshalb Tätigkeiten wie zum Beispiel Verkaufen oder Verhandeln oder Beraten in acht Jahren noch immer von Menschen durchgeführt werden. Kleine Nebenbeobachtung: Man geht davon aus, dass im Jahr 2020 40 Prozent freiberuflich arbeiten werden – was wiederum gute Softskills verlangt. Die dritte und die vierte Gruppe sind die überraschendsten: Carework, also Pflege, und Lehre. Das Carewesen – ein gigantischer Bereich, der von Altenpflege über medizinische Assistenz und Physiotherapie bis zu Hebammen reicht – konnte bisher nicht automatisiert werden. Nur Menschen können sich um Menschen kümmern. 
«Man geht davon aus, dass im Jahr 2020 40 Prozent freiberuflich arbeiten werden»
Ähnliches gilt für die Lehre. Zweien der bislang am unattraktivsten erscheinenden, am schlechtesten bezahlten und am wenigsten anerkannten Arbeitssektoren prophezeit man also die grössten Wachstumsraten. Was schliessen wir aus der Studie? Was sagen wir unseren Kindern? Ich denke, Folgendes: 1. Versuche nicht, glücklich zu werden. Das ist ein ausgetrampelter Pfad, auf dem zu viele Menschen ein Leben lang herumgeirrt sind. Mach lieber andere glücklich. Das ist leichter. Und fühlt sich besser an. Und hat mehr Zukunft. 2. Wenn du nicht weisst, was du werden sollst, werde Lehrer. Werde ein grossartiger, neugieriger, begeisterter Lehrer. Wir brauchen solche. Und selbst wenn du kein Lehrer wirst, sei ein Lehrer. Liebe das, was du gelernt hast, und bring es anderen bei.

Zum Autor:


Mikael Krogerus ist Autor und Journalist. Der Finne ist Vater einer Tochter und eines Sohnes, lebt in Biel und schreibt regelmässig für das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi und andere Schweizer Medien.
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1 Kommentar

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Von Joachim am 08.11.2016 13:16

Lieber Herr Krogerus, ich finde die These spannend, dass u.a. Lehrer & Healthcare Berufsgruppen "Digitalisierungsgewinner" sein werden. Leider bietet die zitierte Studie keinerlei Beleg für ihre Aussagen - im Gegenteil: Healthcare wird als der Sektor zitiert, welchem am meisten Federn lassen wird http://reports.weforum.org/future-of-jobs-2016/press-releases/

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