Wie fest sollen Eltern das Handy ihres Kindes kontrollieren? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Wie fest sollen Eltern das Handy ihres Kindes kontrollieren?

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Mit dem eigenen Handy steigt die Gefahr, dass ein Kind auf ungeeignete Inhalte stösst. Dann braucht es Gespräche.

Text: Michael In Albon
Bild: iStockphoto

In Zusammenarbeit mit Swisscom

Wenn es um Daten auf dem Handy des Kindes geht, müssen Eltern die Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle finden. Ich finde das gar nicht immer so einfach. Sicher: Geht es um die Frage, was im Internet angeschaut werden darf und was nicht, ist der Fall klar. Pornografie beispielsweise lässt sich einigermassen zuverlässig mit den entsprechenden Kinderschutz-Programmen verhindern. 

Doch meiner Erfahrung nach sind gerade Gruppenchats oft ebenfalls mit sensiblen Inhalten bestückt. Schnell stösst ein Kind auf ein Video oder ein Bild, das es – weil verboten – als faszinierend empfindet und im Chat teilt. Das Filmchen muss nicht einmal ein Download aus dem Internet sein, sondern ist vielleicht das selbst gedrehte Video einer Pausenplatz-Rangelei.

Eltern müssen sich fragen, wo der – berechtigte – Anspruch des Kindes auf Privatsphäre aufhört und die elterliche Fürsorgepflicht schwerer wiegt. Die Antwort auf die Frage ist selbstverständlich auch altersabhängig. Kommt das Kind in die Pubertät, sollte die Gewichtung der Privatsphäre höher liegen als bei einem 10- oder 12-Jährigen. 

Familienrat zum Thema

Wir haben in unserer Familie einen pragmatischen Ansatz gefunden, der im Moment für alle Beteiligten gut funktioniert. Wir Eltern besprechen mit unseren Kindern einmal pro Woche den Chatverlauf der vergangenen Woche. Die Kinder haben ein Vetorecht, wenn sie nicht wollen, dass wir etwas sehen. Ich versuche, dieses Gespräch möglichst gleichberechtigt zu führen.

Den Umgang mit sensiblen Inhalten lernen Kinder nicht, wenn man ihnen einfach alles verbietet.

Wenn mir etwas auffällt, frage ich: Was ist da passiert? Wie fühlst du dich, wenn du dieses Video anschaust? Stört dich etwas an diesem Bild? Wie wäre es für dich, würde ein solches Video von dir veröffentlicht? Oft entwickeln sich aus diesen Fragen Diskussionen, die mir einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt meiner Kinder geben. Und sehr oft schätzen die Kinder Szenen völlig richtig als problematisch ein.

Medienkompetenz ist für Kinder in der heutigen Zeit eine der wichtigsten Kulturkompetenzen neben Lesen und Schreiben. 

Den Umgang mit sensiblen Inhalten lernen Kinder nicht, wenn man ihnen einfach alles verbietet. Erwachsene sollten daher vor allem begleitend und unterstützend agieren und bei der Einordnung verstörender oder sensibler Inhalte ihren Rat anbieten. Auf diese Art fördern sie die Medienkompetenz der Kinder – in heutiger Zeit eine der wichtigsten Kulturkompetenzen neben Lesen und Schreiben. 

Medienstark

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Michael In Albon
ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

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