Familienleben

Autorität: Wie streng erziehen wir? 

Gleichberechtigung oder klare Grenzen? Wir haben Familien gefragt, wie sie das Thema Autorität in ihrer täglichen Erziehung sehen.
Protokolle: Virgina Nolan
Bilder: Vera Hartmann / 13 Photo

«Ich setze meinem Kind klare Grenzen!»

Nadine Berner, 30, Büroangestellte aus Stäfa ZH, wurde streng erzogen. Mit ihrem Sohn Lionel, 6, handhabt sie es mit der Autorität gleich.

Nadine Berner erzählt:

«In den ersten zwei Lebensjahren meines Sohnes war ich alleinerziehend. Ich habe früh klare Strukturen eingeführt – fixe Bettgeh- und Ruhezeiten etwa –, ganz einfach, weil ich es musste, um bei Kräften zu bleiben. Aber auch aus der Überzeugung heraus, dass Ordnung Kindern Sicherheit vermittelt.

Meine Eltern haben mich liebevoll, aber streng erzogen, und ich handhabe es mit meinem Sohn genauso. Es ist ein Miteinander, und damit dieses funktioniert, muss jeder seinen Beitrag leisten, sich an Regeln halten.

Für das Kind fängt es im Kleinen an, mit Ämtchen wie Tischdecken oder Wäscheaufhängen. Mir sind aber auch althergebrachte Werte wie Tischmanieren, Bitte- oder Dankesagen wichtig – warum soll es nicht zeitgemäss sein, einander mit Respekt zu begegnen? Vor allem aber handle ich aus Liebe, lege Wert auf solche Dinge, weil ich glaube, dass sie meinem Kind das Leben vereinfachen werden.
 «Es ist erstaunlich, wie viele Eltern sich nicht dazu aufraffen, ihren Kindern Grenzen aufzuzeigen.»
Nadine Berner, Mutter des 6-jährigen Lionel.
Mein heutiger Partner erzieht meinen Sohn mit. Wir haben in dieser Hinsicht dieselben Vorstellungen, ein Glück. Aber wir sind damit fast schon Exoten. Es ist erstaunlich, wie viele Eltern sich nicht dazu aufraffen, ihren Kindern Grenzen aufzuzeigen. Stattdessen drohen sie ihnen zigfach mit Konsequenzen, die dann nicht eintreffen. Davon halte ich nichts.
Nadine Berner ist stolz auf ihren Sohn Lionel.
Nadine Berner ist stolz auf ihren Sohn Lionel.
Wenn ich Lionel mit etwas beauftrage, Zimmer aufräumen zum Beispiel, gebe ich ihm zur Orientierung einen Zeithorizont vor: Er hört dazu eine Geschichte; bis die fertig ist, sollte es erledigt sein. Danach essen wir meist.

Kommt es zu Verzögerungen, weil er sich querstellt, fangen wir ohne ihn an. Dann gibts eben kalte Küche. Mein Sohn ist ein starker Charakter, es ist nicht so, dass ich es nie mit Widerstand zu tun hätte. Meist gelingt es mir, ihm zu vermitteln, dass, wenn er etwas von mir möchte, ich auch etwas von ihm verlangen darf: Räumst du dein Zimmer auf, haben wir wieder Platz, sei es zum Kuscheln oder für ein gemeinsames Spiel.

Ein Geben und Nehmen ist auch unsere Freizeitgestaltung als Familie. Für meinen Sohn ist der Zoo das Highlight, für uns ein Essen auswärts. Beides muss möglich sein. Natürlich muss sich Lionel nicht mit stundenlangen Tischgelagen herumplagen. Aber es ist mir wichtig, ihn für ein einfaches Nachtessen ins Restaurant mitnehmen zu können, ohne dass er dort herumturnt oder für Dauerbeschallung sorgt. Und es erfüllt mich mit Freude und Stolz zu sehen, wie gut er das macht.»

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