Elternbildung

Frau Aklin, warum fehlt es heute vielen Kindern an Respekt?

Katrin Aklin bringt als Schulleiterin der Zürcher Stiftung OPA Jugendliche wieder auf Kurs, die die Schule oder die Lehrstelle abgebrochen haben. Sie sagt, viele Eltern seien überfordert, Verbindlichkeiten in ihrer Erziehung zu entwickeln.
Interview: Virginia Nolan
Bild: Vera Hartmann / 13 Photo

Frau Aklin, Sie arbeiten mit Jugend­lichen, die sich so querstellten, dass sie von der Schule geflogen sind. Was ist der Grund für ihren Widerstand? 

Er ist eine Folge der Tatsache, dass diese Jugendlichen im Lauf ihrer Entwicklung nicht die Kompetenzen entwickelten, auf die es im Leben ankommt: zum Beispiel eine Belohnung aufschieben oder die Konsequenzen eigenen Handelns abschätzen können. Das ist kein Problem einer bestimmten sozialen Schicht: Die meisten Erwachsenen erziehen ihre Kinder nach einem überholten Modell.

Nämlich?

Kindern Geborgenheit und Liebe zu geben, ein Nest, aus dem heraus sie Selbstwertgefühl, Vertrauen und ihre Fähigkeiten entwickeln können. Dies allein reicht aber heute nicht mehr. Wir leben in Zeiten rasanter Entwicklung, die Anforderungen an den Menschen werden immer höher. Ich weiss, dass es niemand gerne hört, aber: Die Schere geht immer weiter auf.
Katrin Aklin ist Schulleiterin bei der Zürcher Stiftung OPA, die männlichen Jugendlichen nach einem Schul- oder Lehrabbruch hilft, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ausserdem coacht die Mutter dreier erwachsener Kinder Familien, Eltern und Einzelpersonen.
Katrin Aklin ist Schulleiterin bei der Zürcher Stiftung OPA, die männlichen Jugendlichen nach einem Schul- oder Lehrabbruch hilft, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ausserdem coacht die Mutter dreier erwachsener Kinder Familien, Eltern und Einzelpersonen.

Welche Schere meinen Sie?

Es vertieft sich die Kluft zwischen denen, die aus den Möglichkeiten, welche die moderne Welt bietet, etwas machen können, und jenen, die von ihnen überrollt werden. 

Was heisst das?

Es gibt immer mehr Menschen, die den Fokus verlieren, untergehen in dieser Flut von Möglichkeiten, der wir täglich gegenüberstehen – weil sie nicht gelernt haben, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen. Das müssen wir unseren Kindern beibringen. 
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Welche Fähigkeiten braucht ein Mensch, um sich in dieser zunehmend komplexen Welt behaupten zu können? 

Machen Sie sich als Eltern von mir aus eine Liste davon – aber stellen Sie sich diese Frage. Die meisten Eltern sind überfordert, weil sie nicht darüber nachdenken, was ihre Erziehung bewirken soll.

Woran orientieren sie sich?

Sie orientieren sich an dem, was sie als Kind selbst erlebt haben, oder nehmen wahlweise das Gegenteil zum Vorbild, gucken ein bisschen nach links und rechts in der Hoffnung, dem eigenen Kind den besten Platz am Feuer zu sichern. Das Problem ist: Es fehlt ein Plan. Ich sage nicht, dass wir als Eltern auf alles vorbereitet sein können. Aber wir sollten wissen, was wir mit unserer Erziehung erreichen wollen. Stellen Sie sich vor, jemand würde ein Unternehmen ohne Plan führen ... 

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