Desktop grolimund neu 1130x500
Elternbildung

So unterstützen Sie verträumte Kinder

Kleine Träumer sind kreativ und fantasievoll, aber oft vom Alltag überfordert. Und in der Schule wird ihre Neigung zum Problem. Wie Eltern ihrem verträumten Kind helfen und es unterstützen können. 
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova / Die Illustratoren
Als Eltern eines verträumten Kindes hat man es nicht leicht. Ständig muss man das Kind an alles Mögliche erinnern, mit ihm planen, es strukturieren und anleiten, kurz vor knapp noch seine unauffind­baren Sachen suchen, alles dreimal sagen und mit dem dabei aufkommenden Ärger fertig werden.

Vielleicht macht man sich Sorgen: Was soll nur aus meinem Kind werden? Wie soll es die Schule schaffen, wenn es in Gedanken ständig woanders ist? Wie soll es später nur im Berufsleben Fuss fassen, wenn es selbst einfachsten Anweisungen nicht nachkommt, alles vergisst und verliert und für simple Aufgaben Stunden benötigt?

Hilfe, mein Kind ist ein Träumer!

Besonders verunsichernd sind oftmals die Rückmeldungen der Schule. Was soll man als Mutter oder Vater tun, wenn das Kind es in der Schule «schon könnte, aber einfach nicht zuhört und zu langsam ist» und «sich im Unterricht ständig ablenken lässt und vor sich hinträumt»?

Die Eltern stehen unter Druck, den Kindern geht es nicht besser. Sie hören den ganzen Tag Sätze wie: «Geht das auch ein bisschen schneller?», «Jetzt ist echt nicht die Zeit zum Spielen!», «Was starrst du denn schon wieder Löcher in die Luft?», «Jetzt hast du schon wieder deine Handschuhe verloren! Meinst du eigentlich, wir sind Millionäre?», «Schau, die anderen sind schon fast fertig und du hast noch gar nicht angefangen».
Verträumte Kinder sind empfindsam. Sie haben das Gefühl, dass alle dauernd irgendetwas von ihnen wollen. 
Empfindsam, wie viele verträumte Kinder sind, spüren sie die dauernde Sorge um ihre Zukunft. Sie möchten es ihrem Umfeld recht machen, schaffen es aber nicht. Sie haben das Gefühl, dass alle dauernd irgendetwas von ihnen wollen, das sie nicht leisten können. Daraus kann ein immenser Leidensdruck entstehen und das Gefühl, «nicht richtig» zu sein. 

Dieses Leiden wird von Aussenstehenden oft unterschätzt. Vielleicht gerade deshalb, weil sich Träumerchen unter Druck in ihre Traumwelt zurückziehen und dann so wirken, als würden sie nichts an sich heranlassen und die Notwendigkeit all der Veränderungswünsche, die an sie herangetragen werden, nicht sehen. 

Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, wie entmutigt und traurig viele dieser Kinder sind. 

Anzeige
1 Kommentar
Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Von Anna am 19.10.2017 09:50

Danke für diese weisen Worte. Ich bin mit einem verträumten Bruder aufgewachsen, um den ich mich lange kümmerte und nun habe ich ein verträumtes Kind, das ist wie er.... Und obwohl ich immer wieder kurz vor der Verzweifelung stehe, tut mir genau dieses Kind unglaublich gut. Es entschleunigt und zeigt mir die wirklich wichtigen Dinge im Leben, zeigt mir, was zählt. Mein Kind ist goldrichtig so wie es ist, auch und weil ich durch die Langsamkeit und Tiefe dieses kindlichen Wesens meinen kompletten - optimal getimten + perfekt durchstrukturierten - Tag als alleinerziehende Unternehmerin in der Regel in die Tonne treten kann: ich muss mich nur drauf einlassen und mal probieren, wie es ist Umwege zu laufen, stehen zu bleiben, sich hin zu legen, zu spielen, zu gucken.... all das habe ich mir selbst ja nie erlaubt! Danke mein Kind!

> Auf diesen Kommentar antworten