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Elternbildung

Aggressive Kinder – was ist normal?

Wutanfälle, herumschreien, das kleine Geschwister hauen – wer Kinder erzieht, kennt diese Ausbrüche. Was aber, wenn die Aggression extrem wird?
Text: Jacqueline Esslinger
Bild: Adam Burn / Plainpicture
Welche Form von aggressivem Verhalten bei Kindern auftritt, ist stark altersabhängig. Bereits Säuglinge ab rund sechs Monaten können Ärger ausdrücken, sie verfolgen jedoch keine Schädigungsabsicht. Im zweiten und dritten Lebensjahr hingegen sind Wutanfälle und aggressives Verhalten nicht ungewöhnlich und richten sich oft gezielt gegen Er­­wachsene und andere Kinder. 

Ab dem Grundschulalter sind ge­­schlechtstypische Muster bei der Aggressionsäusserung sichtbar: Buben scheinen eher offene und körperliche Formen von Aggression zu zeigen. Bei Mädchen hingegen kommen häufiger verdeckte sowie verbale Formen vor. Beispiele sind Lügen und die Verbreitung von Gerüchten, etwa um einer Person zu schaden oder sie auszuschliessen. 

Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen

Aggressives Verhalten im Kindes- und Jugendalter wurde in gross angelegten Studien wie beispielsweise der KiGGS/BELLA-Studie bei bis zu acht Prozent der unter 17-Jährigen festgestellt. Es zeigt sich nicht nur in physischen Angriffen, sondern auch in verbaler Gewalt, Mobbing und Diebstählen.

In der Adoleszenz ist aggressives Verhalten in der Regel weniger häufig zu beobachten. Im Gegensatz zu kleinen Kindern, die Emotionen oder Impulse direkt ausdrücken, werden im Laufe der Jahre Selbstkontrolle und hemmende Mechanismen gelernt. Allerdings fällt das aggressive Verhalten oft heftiger aus als im Kleinkindalter, bedingt durch zunehmende körperliche Kraft, mehr Freiheiten ausser Haus und grössere finanzielle Ressourcen.

Entsprechend tritt die höchste Frequenz von aggressivem Verhalten im Vorschulalter auf, die gravierendsten Ausprägungen jedoch in der Jugendzeit und im frühen Erwachsenenalter.
Unter oppositionellem Trotzverhalten wird wiederholt trotziges, ungehorsames und verweigerndes sowie feindseliges Verhalten gegenüber Autoritätspersonen zusammengefasst.

Auch dies zählt zu aggressivem Verhalten, da opposi­tionelle Kinder schnell wütend reagieren und ausrasten und sich Regeln widersetzen. In Abgrenzung dazu tendieren Kinder mit einer Störung des Sozialverhaltens zu Einschüchterungen, Körperverletzung, Waffengebrauch und Tierquälerei. 
Im Vorschulalter ist die höchste Frequenz von Aggression zu 
beobachten, in der Adoleszenz die gravierendste Ausprägung.
Von Kindern, die stark oppositionell auffällig sind, entwickelt rund die Hälfte eine Störung des Sozialverhaltens. Zeigt ein Kind schon sehr jung Muster von Aggressivität, behält es diese oft bei und läuft Gefahr, delinquent zu werden. Tritt das strafrechtlich auffällige Verhalten schon früh auf, etwa im Alter von 14 Jahren, steigt die Wahrscheinlichkeit für dauerhaftes kriminelles Verhalten. Oppositionelles Verhalten ist jedoch ein typisches Merkmal der frühen Kindheit (Trotzalter) und der Adoleszenz.

Eine Diagnose im Sinne einer Verhaltens­störung wird deshalb erst in Betracht gezogen, wenn Aggression häufiger sowie mit schwerwiegenderen Folgen auftritt als bei anderen Kindern und es für die Entwicklungsstufe des Kindes angemessen wäre. Das Verhalten muss über einen Zeitraum von sechs Monaten auftreten und familiäre, soziale oder schulische Bereiche drastisch beeinträchtigen. 

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