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Mediennutzung

«Online wird mein Kind gemobbt» – und 8 weitere Elternsorgen

Hand aufs Herz: Wer von Ihnen weiss wirklich, was sein Kind da die ganze Zeit am Smartphone macht? Und wie oft haben Sie sich schon gesorgt, ob das Ihrem Kind schaden könnten? Wir nehmen die heute erschienene JAMES-Studie zur Mediennutzung von Jugendlichen zum Anlass, um auf die häufigsten Elternsorgen einmal statistisch zu antworten. Manches wird sie beruhigen.
Text: Bianca Fritz

SORGE 1: Mein Kind hängt nur noch am Handy und vernachlässigt alles andere.

Tatsächlich zeigt die gerade neu erschienene JAMES-Studie, dass die Schweizer Jugendlichen heute 25 Prozent mehr Zeit online verbringen als vor zwei Jahren. Die befragten 12- bis 19-Jährigen sind nach eigenen Angaben unter der Woche im Schnitt 2,5 Stunden und am Wochenende 3 Stunden und 40 Minuten pro Tag online.

Eine Erklärung für den Anstieg ist, dass das Internet fast überall mit dabei ist: 99 Prozent der Jugendlichen besitzen ein Handy und geben an, es täglich oder mehrmals in der Woche zu benutzen. Schon ein Drittel der Jugendlichen hat monatlich mehr als 5 Gigabyte mobiles Internet zur Verfügung, kann also überall und immer online sein. Da Jugendliche aber nicht immer online sind, wenn sie am Handy sitzen, liegt die selbst eingeschätzte Nutzungszeit der Jugendlichen sogar noch höher: nämlich bei 3,5 Stunden pro Tag unter der Woche und 4,5 Stunden am Wochenende.

Spannend ist aber: Die Häufigkeit der Freizeitaktivitäten ohne Medien nimmt trotzdem nicht ab. Jugendliche treffen genauso oft Freunde wie früher, gehen zum Sport, ruhen aus, kümmern sich um Haustiere und machen Musik. Sie tun also das eine immer mehr, lassen aber gleichzeitig das andere nicht bleiben.

Zudem vermischen sich Online und Offline immer mehr, und so wird auch die Selbsteinschätzung der Onlinezeit immer schwieriger. Gilt Freunde treffen als nichtmedia­le Tätigkeit, wenn man sich zwischendurch über ein Youtube-Video austauscht und dort reinschaut?

SORGE 2: Mein Kind gibt zu viel von sich preis!

Vermutlich nicht. Jugendliche sind zunehmend zögerlich, was das Veröffentlichen persönlicher Inhalte be­­trifft. Erinnern Sie sich an YouNow? Die Plattform, die Livestreams mit Chat aus dem Kinderzimmer heraus ermöglicht und Eltern damit in Angst und Schrecken versetzt hat? Die JAMES-Studie hat dieses Jahr erstmals gefragt, wer diese Möglichkeit nutzt. Gerade zwei Prozent der Jugendlichen tun dies regelmässig, sieben Prozent mindestens einmal im Monat. Auch Blogs, Podcasts und Wikipedia-Beiträge werden von Jugendlichen nur sehr selten erstellt. Etwas häufiger laden Sie Musik oder Sound-Dateien ins Internet (etwa 15 Prozent tun dies monatlich) oder beteiligen sich an Foren. Lediglich Fotos und Videos werden von Jugendlichen wirklich regelmässig ins Internet geladen. Aber auch hier sind die Zahlen kleiner, als viele vermuten:  11 Prozent der Jugendlichen machen dies mehrmals die Woche, 39 Prozent mindestens einmal im Monat.

Es fällt auf, dass die häufigsten Tätigkeiten von Jugendlichen in den sozialen Netzwerken passive Tätigkeiten sind: Fotos und Profile ansehen und «liken». Oder dass sie in einem eher privaten Rahmen stattfinden (chatten und Nachrichten versenden). 61 Prozent geben an, dass sie in sozialen Netzwerken vor allem Fotos posten, bei den Videos sind es nur 23 Prozent. Ein beruhigender Fakt: Dass plötzlich Fremde vor Ihrer Türe stehen, ist sehr un­­wahrscheinlich. Nur 15 Prozent der befragten Jugendlichen geben ihren echten Wohnort in einem sozialen Netzwerk preis. Noch weniger, nämlich 8 Prozent, ihre Telefonnummer. 

SORGE 3: Mein Kind blickt bei den komplizierten Privatsphäreeinstellungen von Facebook nicht durch.

Stimmt. Und das ist mit ein Grund, warum viele Jugendliche ihre Bilder und Nachrichten lieber auf Plattformen teilen, bei denen sie besser kontrollieren können, wer diese sehen kann. Auf Instagram zum Beispiel ist der Account schnell auf privat gestellt, und auf WhatsApp und Snapchat bestimmen die Jugendlichen selbst, wer der Empfänger ihres Bildes ist.
 
Mit diesem Wechsel zu privateren Netzwerken findet aber auch eine leichte Abnahme der Sorge um die eigene Privatsphäre statt. Heute geben 74 Prozent der Jugendlichen an, dass sie ihre Privatsphäre schützen. 2012 waren es noch 84 Prozent. Umso wichtiger ist also, dass Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen, dass jedes digitale Foto im Internet geteilt werden kann. Auch jenes, das vertrauensvoll über WhatsApp einem Freund geschickt wurde.

SORGE 4: Mein Kind lernt im Internet Pädophile kennen.

Dass einer Online-Bekanntschaft ein reales Treffen folgt, ist längst keine Seltenheit mehr: 41 Prozent der Jugendlichen haben das schon erlebt. Das Treffen an sich muss keine Gefahr darstellen, wenn man sich an bestimmte Regeln hält, zum Beispiel an einen öffentlichen Platz geht und einen Elternteil mitnimmt. So können aus Bekanntschaften im Internet echte Freundschaften werden – oder gar Liebe.

Die Kehrseite der leichten Kontaktaufnahme im Netz: Ein Viertel der Jugendlichen hat bereits erlebt, dass sie im Internet unerwünscht und mit sexuellen Absichten angesprochen wurden – man nennt das im Fachjargon Cybergrooming. Mädchen sind mit 34 Prozent deutlich häufiger betroffen als Jungen (17 Prozent). 
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