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Was für eine Rolle spielt BPA bei der Entstehung von MIH?

Der zweite Hauptverdächtige im MIH-Krimi ist Bisphenol A, kurz BPA. Auf die Liste der möglichen Verursacher hat es diese hormonell wirksame Substanz aufgrund einer Studie geschafft, die französische Forscher an Ratten durchgeführt haben. Die Demineralisation auf diese eine Studie zurückzuführen, findet Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht in Ordnung, «zumal man weiss, dass Ratten auf Bisphenol A grundsätzlich empfindlicher reagieren als Menschen». BPA dient als Ausgangsstoff für Kunststoffe, unter anderem Polycarbonate. Interessant: In den 60er und 70er-Jahren wurden Polycarbonate populär, aus ihnen wurden unter anderem Babyfläschchen hergestellt. Seit zwei Jahren sind BPA-haltige Polycarbonate in der EU verboten. «Allerdings haben wir das damals überprüft und festgestellt, dass kaum etwas davon in die Milch im Fläschchen übergeht», sagt Thier-Kundke. Auch, dass über das Stillen Bisphenol A in den kindlichen Körper gelangt, könne man weitgehend ausschliessen.

Dem BfR-Experten zufolge konnte keine Untersuchung BPA in der Muttermilch nachweisen.
Jan Kühnisch hat in München derweil noch einen weiteren potenziellen Schmelzstörer auf der Liste: Vitamin-D-Mangel. In ihrer Kohorte haben die Forscher den Vitamin-D-Spiegel im Serum gemessen und festgestellt, dass ein hoher Wert mit weniger MIH einhergeht. «Auch hier sind wir noch vorsichtig mit irgendwelchen Rückschlüssen, aber es scheint da vielleicht einen Zusammenhang zu geben», sagt Kühnisch. 
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Claudia Füssler ist freie Wissenschaftsjournalistin in 
Freiburg i. B. Sie reinigt ihre Zähne jeden Abend mit höchster Akribie – und geht dennoch nicht gerne zum Zahnarzt.

So entsteht ein Zahn

Die Entwicklung eines Zahns ist ein langwieriger und kleinteiliger Prozess. Schliesslich müssen für jeden Zahn Zahnschmelz, Dentin, Wurzel­zement und Wurzelhaut angelegt werden. Sowohl im Milchgebiss als auch bei den bleibenden Zähnen. Die Grundlagen für die Zahnbildung werden daher bereits beim Ungeborenen im Mutterleib gelegt. Den Anfang macht das Zahnbein, das sogenannte Dentin. Es wird von Odontoblasten gebildet. Jeder Mensch verfügt ein Leben lang über diese Zellen, sodass Dentin nachgebildet werden kann. 
Für den Zahnschmelz sind Zellen namens Amelo­blasten – oder auch Adamantoblasten – zuständig. 

Sie bilden den Zahnschmelz in zwei Phasen. Zunächst sondern sie zwei Proteine ab, die das Gerüst für den Schmelz bilden und eine vorläufige Mineralisierung darstellen. Dann beginnt die zweite, die sogenannte Reifephase, in welcher der Schmelz mit Salzen gefüllt wird, die zu Hydroxylapatit mineralisieren – dem Hauptbestandteil des Zahnschmelzes. Hier übernehmen die Ameloblasten vor allem Transportaufgaben. Haben sie ihren Job erledigt und das Dentin eines neuen Zahns gründlich mit Schmelz umhüllt, sterben sie ab. 

Das alles geschieht, während der Zahn noch im Kiefer steckt. Bricht die fertige Krone dann durch, ist die Schmelzbildung abgeschlossen. Da es keine Ameloblasten mehr gibt und diese auch nicht noch einmal gebildet werden können, kann auch der Schmelz nicht mehr repariert werden. Irgendwann im Laufe dieses Schmelzbildungsprozesses geht bei Kindern, die später an MIH leiden, etwas schief. So viel ist klar. Doch was genau die Funktion der Ameloblasten beeinträchtigt, ob es zu wenige sind oder die vorhandenen einfach die ihnen zugedachte Aufgabe nicht ordentlich erledigen können – keiner weiss es.

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