Familienleben

Mehr Glück im Familienalltag

Laut World Happiness Report der Vereinten Nationen ist die Schweiz das sechstglücklichste Land der Welt. Aber was ist ist Glück eigentlich? Wo findet man es und wie bringen wir Kindern bei, ein glückerfülltes Leben zu führen? Ein Gastbeitrag von Cornelia Hotz mit 10 Glücks-Tipps.
Text: Cornelia Hotz
Glück kann uns als freudige Gemütsverfassung oder in Form eines günstigen Zufalls begegnen. Während das Schicksal nicht gesteuert werden kann, stellt sich die Frage, wie wir Glück in Form eines angenehmen Gemütszustandes bewusst herbeiführen können. Das Streben nach Glück ist eine uralte Sehnsucht der Menschen, und noch nie gab es eine derartige Fülle von Ratgebern und Workshops zu diesem Thema. Viele suchen das Glück im Aussen, sei es durch wechselnde Partnerschaften, herausfordernde Freizeitaktivitäten oder heil-versprechende Behandlungsmethoden. Doch während wir dem Glück oft erfolglos hinterhereilen, bleibt uns kaum Zeit, einen Blick auf unser Inneres zu werfen. Dabei liegt dort der Schlüssel für ein glückliches Leben verborgen.

Was die positive Psychologie über das Glück sagt

Laut der positiven Psychologie ist Glück erlernbar. Gibt es eine Glücksformel, deren Beachtung uns ein gelingendes Leben beschert? In dem vom amerikanischen Psychologen Martin Seligman in den 90-er Jahren begründeten Forschungszweig versteht man unter Glück nicht bloss eine heitere Gemütsverfassung, sondern ein dauerhaftes emotionales Wohlbefinden. Um das zu erreichen brauche es die Fähigkeit, Probleme zu bewältigen und sich an wechselhafte Lebensumstände anzupassen. Denn Glück hänge nicht davon ab, wer wir sind oder was wir haben, sondern wie wir über unser Leben denken und wie wir handeln. Mit einer optimistischen Einstellung nehmen wir positive Erlebnisse stärker wahr, fokussieren uns auf die guten Dinge im Leben und erleben somit vermehrt glückliche Momente.

Für ein gutes Leben spielt auch der Faktor Selbstbestimmung eine wichtige Rolle. Nur wer seine eigenen Bedürfnisse und Ziele kennt, sich daran ausrichtet und ein authentisches Leben führt, findet seinen Frieden. Denn was bringen uns eine tolle Karriere, die perfekte Familie und eine luxuriöse Unterkunft, wenn wir uns nach einem unabhängigen Leben in einem Wohnwagen sehnen? Weitere Faktoren, welche einen positiven Einfluss auf jeden Menschen haben, sind laut der Glücksforschung Engagement im privaten und beruflichen Bereich, ein stabiles soziales Umfeld und das Erleben möglichst vieler positiver Emotionen im Alltag. Es lohnt sich, sich um sein eigenes Wohlbefinden zu kümmern, denn glückliche Menschen sind erwiesenermassen kreativer, sozialkompetenter, erfolgreicher und gesünder im Leben unterwegs. 

Welchen Einfluss haben die Gene auf unser Glücksgefühl?

Laut der Glücksforschung haben die Gene ebenfalls grossen Einfluss auf unsere Lebenszufriedenheit. Melancholisch veranlagten Menschen fällt es schwerer, ein glückliches Leben zu führen, während die sogenannten Sonnenkinder schon von ihrem Wesen her vergnügt durchs Leben gehen.

Schwermütig veranlagte Menschen müssen sich daher umso mehr Gedanken darüber machen, wie sie positive Erlebnisse und Gefühle in ihrem Leben verstärken können, damit ihre Neigung zu düsteren Gedanken in den Hintergrund rückt. Denn schlechte Gefühle entstehen nicht durch äussere Ereignisse als solche, sondern ergeben sich erst aus unserer gedanklichen Beurteilung der Situation.

Hier kann man ansetzen: Denn während man auf die äusseren Gegebenheiten oft keinen Einfluss hat, kann man wohl verändern, wie man über sie denkt. Eine positive Grundhaltung zu entwickeln, geht nicht von heute auf morgen. So wie unser Körper regelmässig Bewegung braucht, um gesund zu bleiben, muss auch unser Geist immer wieder aufs Neue positives Denken trainieren, um ein zuversichtliches Lebensbild zu entwickeln.
Auf unser Schicksal haben wir keinen Einfluss. Wohl aber darauf, wie wir damit umgehen.
Schon der römische Philosoph Seneca sagte, dass das Leben nichts für Weichlinge sei. Aber können wir auch dann glücklich sein, wenn unser Dasein von widrigsten Umständen geplagt wird? Auf unser Schicksal haben wir keinen Einfluss, aber die Art, wie wir mit Verlusten und Rückschlägen umgehen, beeinflusst unser Wohlbefinden nachhaltig.

Während die einen schwerwiegende Ereignisse in ihrem Leben unbeschadet überstehen und nach einer gewisser Zeit wieder glücklich in die Zukunft gehen, zerbrechen andere bereits an kleinen Widrigkeiten. Es gibt Menschen, die massiven Einschränkungen gesundheitlicher, finanzieller oder sozialer Natur ausgesetzt sind, sich aber dennoch als glücklich bezeichnen, während andere, die von aussen betrachtet perfekte Lebensumstände haben, zutiefst unglücklich sind.

Der Unterschied liegt im Wesentlichen im Denken und Handeln. Gelingt es uns, trotz ungünstiger äusserer Umstände und Ereignisse eine zuversichtliche Lebenseinstellung zu bewahren und unser Leben eigenverantwortlich zu gestalten, ist das Glück zum Greifen nahe.
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Glück in der Erziehung

Zur Erziehung gehört nicht nur die Vermittlung von Werten und Umgangsformen, sondern auch Eltern, die ihren Kindern vorleben, was ein gutes Leben ausmacht. Denn die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, wird zu ihrer inneren Stimme. Was unsere Kinder täglich von uns hören, formt ihr Unterbewusstsein zu Glaubenssätzen, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten werden.

Beklagen wir uns als Eltern ständig, wie hart und ungerecht das Leben sei, wachsen unsere Kinder in diesem Glauben auf und werden sich darauf in ihrem Leben fokussieren. Wollen wir unseren Kindern stattdessen eine positive Lebenseinstellung mit auf den Weg geben, dürfen wir ihnen immer wieder vor Augen führen, dass das Leben ein Geschenk ist und viele schöne Überraschungen bereithält.

Auch in schwierigen Situationen sollten wir den Fokus auf das Positive lenken, um unsere Kinder zu lehren, nie die Zuversicht zu verlieren. Negative Gefühle wie Schmerz, Trauer oder Wut müssen ihren Platz haben, doch nach einer gewissen Zeit der Niedergeschlagenheit sollte wieder Zuversicht Einzug halten.

Schon früh dürfen wir unseren Kindern auch die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen und Fehler zu machen. Für ihre Persönlichkeitsentwicklung ist es elementar, einen konstruktiven Umgang mit Misserfolgen zu lernen. 

Kinder brauchen Raum für ihre Entfaltung. Das klingt schön, aber Eltern muss auch klar sein: Herauszufinden, was die Stärken der Kinder sind und diese zu fördern, bedeutet oft, Abschied von den eigenen Vorstellungen über die Zukunft der Kinder zu nehmen.

Glück als Bildungsaufgabe der Schule?

Es ist an der Zeit, dass unsere Kinder auch in der Schule lernen, was emotionales Wohlbefinden bedeutet. Nach entsprechenden Entwicklungen in den USA begründete der Schulleiter Ernst Fritz Schubert im Jahr 2009 in Deutschland ein Institut zur Förderung der Lebenskompetenz, Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung im schulischen Alltag (www.fritz-schubert-institut.de). Er führte das Schulfach Glück ein, in welchem Techniken zur Stärkung des persönlichen Wohlbefindens vermittelt werden. Das Schulfach Glück wird mittlerweile an über 100 Schulen im deutschsprachigen Raum unterrichtet, erstmals in der Schweiz im Jahr 2013 durch das Theresianum Ingenbohl im Kanton Schwyz.

Seither ist auch in unserem Land eine Entwicklung im Gange, die die Förderung der Lebenskompetenz als fester Bestandteil im Schulsystem verankern möchte. Emotionales Wohlbefinden als Bildungsziel ist unseren Kindern zu wünschen, denn nur wer gelernt hat, was ein gutes Leben ausmacht, ist auch in der Lage, sein Glück zu finden.

Bild: Pixabay

1 Kommentar

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Von Norbert am 20.08.2019 12:26

Interessanter Artikel! Dennoch sehe die amerikanischen Glücksforscher / Glücksratgeber mittlerweile eher kritisch, seit ich "Die Amerikanische Glückspropaganda" von Colin Bear gelesen habe - wir Europäer sollten nicht blind allem folgen, was von drüben kommt ...

LG Oliver

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