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Zuhause

UHU – darum sind Ferien daheim am besten 

Kein lästiges Kofferpacken, keine nervigen Warteschlangen am Check-in und obendrein eine kurze Anreise: «Ums-Huus-ume»-Ferien machen Spass und entlasten das Familienbudget. Trotzdem sollte man ein paar Regeln beachten. 
Text: Irena Ristic
Familienferien «ums-Huus-ume», kurz UHU, haben viele Vorteile. Sie sind nicht nur günstig, auch die stressige Vorbereitungszeit entfällt. Auf den letzten Drücker die Koffer packen für Kind und Kegel? Nicht nötig. Lange Warteschlangen am Check-in mit misslaunigen Teenagern und schreienden Kindern. Was ist das? Sich übergebender Nachwuchs, verstopfte Autobahnen, übelriechende Plumpsklos auf Autobahnraststätten? Nix da. Denn für UHU-Ferien braucht es weder lange Autofahrten noch Flüge. Die Anreise ist kurz. Mühselige An- und Abreisetage entfallen, dafür gewinnen Sie zwei Ferientage. Und das Gute dabei: Das ökologische Gewissen ist ganz rein. 

Abschalten, abschalten und nochmals abschalten ... 

Die wichtigste Voraussetzung für schöne Familienferien zu Hause: Um selbst abzuschalten, müssen Sie Ihren Laptop und das Smartphone auch mal abschalten. Zu gross ist die Versuchung sonst, in den Alltag zurückzufallen. Sie wollen noch schnell wie jeden Morgen die Büro-E-Mails checken? Nein! Jetzt, da man eh zu Hause ist, die längst fällige Steuererklärung machen? Nein! Unterlassen Sie alles, was Sie unter dem Sonnenschirm an der kroatischen Küste oder an der Strandbar an der Costa Brava hoffentlich auch nicht tun würden. 
Verschieben Sie alle anstrengenden Projekte auf die Zeit nach den Ferien.
Und was der Ferienstimmung und der eigenen Entspannung gut tut, fördert auch das Familienleben. Oder um es in den Worten des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul zu sagen: Smartphones haben auf der Familieninsel nichts zu suchen! Mittlerweile würden diese elektronischen «Familienmitglieder» so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass es für die Familienbeziehungen ungesund sei. Mit Folgen: Dieses erhöhte Nutzerverhalten der Eltern könne sogar dazu führen, dass ihre Kinder sie vermissen – obwohl Mama und Papa physisch anwesend sind. Sie wissen also, was zu tun ist. Und noch was: Verschieben Sie alle anstrengenden Projekte auf die Zeit nach den Ferien. Das heisst: Kein Grossputz, kein Ausflug in ein grosses schwedisches Möbelhaus und auch kein Keller entrümpeln. 

Tourist in der eigenen Stadt 

Denn Ferien zu Hause bedeuten auch viele Stunden entspannte Familienzeit, die sich bestens mit den vielfältigen Ausflugsmöglichkeiten in der Schweiz kombinieren lassen. So kann der Familienausflug ohne aufwendige Vorbereitung oder langwierige Anreise, nach dem Frühstück gleich losgehen. Dabei kann jedes Familienmitglied ein bisschen Reiseleiter spielen und sich jeweils ein Ausflugsziel wünschen. 
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Liebe Eltern, üben Sie sich im süssen Nichtstun
Und wer gar keine Lust auf eine kurze Recherche hat – schliesslich sind Sie ja im Urlaub –, dem sei unsere Rubrik «Unterwegs» empfohlen. Hier stellt die Redaktion des ElternMagazins Fritz+Fränzi schöne Ausflugs- und Ferienregionen der Schweiz vor mit vielen Tipps für die ganze Familie. Was auch viel Spass macht: Tourist spielen in der eigenen Stadt. Viele Tourismus-Büros wie etwa das in Bern, Basel oder in Zürich bieten ein grosses Angebot an Ausflugs- und Veranstaltungstipps für Familien und Kinder in ihrer Stadt an.

Langeweile in den Ferien ist gesund – und im Alltag auch

Sollte den Kindern trotz Gartenparty, Badi, Wandern oder Velofahren zwischendurch langweilig werden, dann denken Sie daran: Langeweile ist gesund für die Kinder. Und: Sie tun Ihren Sprösslingen damit etwas Gutes. Das bestätigt auch Elterncoach Fabian Grolimund. «Langeweile ist etwas Wunderbares», sagt der Psychologe, der unter anderem die Videoserie «Was mein Kind stark macht» in Zusammenarbeit mit dem ElternMagazin Fritz+Fränzi produziert hat. «Langeweile erlaubt es Kindern, wirklich runterzufahren», meint er weiter. Sie lernten dabei, dieses Gefühl auszuhalten und sich selbst etwas zu überlegen. Dabei würden sie ihre eigenen Interessen entdecken und ihre Kreativität schulen. «Bald wird aus einer Bettdecke und zwei Stühlen eine Höhle oder aus einem Karton ein Raumschiff», sagt Grolimund. Kinder müssten so die Initiative ergreifen, eigene Spiele entwickeln oder einen Freund anrufen, um mit ihm zu spielen. Und die Eltern? Sie können sich im süssen Nichtstun üben und das Gefühl aushalten, den lieben Kleinen nicht immer ein Programm zusammenstellen zu müssen. 

Sich Zeit nehmen für liebe Menschen 

Und seien wir ehrlich: Die Zeit zwischen Beruf und Familie, die vielen Eltern im Alltag bleibt, reicht höchstens, um sich mit den engsten Freunden zu treffen. Und dies auch nur, nachdem fünf Doodle-Anfragen über mehrere Wochen hin und her gemailt worden sind, bis endlich der richtige Termin gefunden war, der allen passt. Wer sich also mit seiner Familie für UHU-Ferien entscheidet, hat auch Zeit, sich wieder mit lieben Menschen zu treffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. So eine Sommerparty unter Freunden ist eben immer lustig. Und egal ob im Seebad, beim Wandern oder im eigenen Garten: Noch mehr Spass macht es, wenn auch andere Kinder dabei sind, mit denen der eigene Nachwuchs etwas unternehmen kann. Sollten die Grosseltern oder der Sommer-Babysitter Zeit haben, einen Abend oder zwei zu übernehmen, dann könnten die Ferien zu Hause auch der richtige Moment sein für kinderfreie Zweisamkeit. Zwar ohne Meeresrauschen und Palmen, aber was solls – das temporär abwesende Geschrei der lieben Sprösslinge ist paradiesisch genug.

Bild: Fotolia.com

6 Kommentare

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Von Jacqueline am 12.07.2018 07:37

Danke für Ihren tollen Bericht. Es timmt, es ist nicht für alle Familien erschwinglich Ferien ausserhalb der Schweiz zu verbringen. Nicht alle sind Doppelverdiener und bringen die Kinder zur Kita, zu Tagesmüttern oder den Grosseltern etc. Sind Bewusst Einzelverdiener und verzichten auf vielen Luxus (Flugreisen et) Warum muss man den Kindern schon von klein auf die ganze Welt zeigen? Wenn sie dann Teenager sind schon, aber da ist dann das Problem, dass die Kosten für eine Auslandreise unerschwinglich wird. Wenn sie grösser sind erinnern sie sich eh nicht mehr wo sie als 4jährige waren ... Es gibt so tolle Ausflugsziele und Antivitäten hier....Wandern - jaa wandern...schweisst wirklich zusammen und entspannt, Seilpark, Zoo, Baden, bräteln etc Ihre Tips sind toll....haben wir schon fast alle gemacht die lezten Jahre....

Von Fritz am 17.08.2018 08:46

Danke liebe Jacqueline
für deinen Kommentar. Bin genau deiner Meinung und erlebe mit meiner Familie schon jahrelang wunderschöne UHUFerien.
Dir und deiner Familie weiter so glückliche Momente.
Liebe Grüsse von Fritz

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Von Ellen am 14.07.2016 09:00

Wer der Meinung ist, dass Ferien daheim am Besten sind, der ist noch nie wirklich mit seinen Kindern gereist. Ich habe viel Verständis dafür, wenn sich eine Familie Ferien schlicht nicht leisten kann und ich finde das sehr bedauernswert. Wer allerdings aus reiner Faulheit und Bequemlichkeit darauf verzichtet, seinen Kindern die Welt zu zeigen, für den habe ich kein Verständnis! Reisen hat sehr viel mit Bildung zu tun - auch mit der Herzensbildung. Ausserdem bringt man sich so um viele sehr schöne, gemeinsame Erlebnisse. Wir reisen sehr bewusst mit unseren Kindern und ich möchte keine einzige dieser gemeinsamen Reisen missen. Es gibt kaum etwas Schöneres, als gemeinsam, mit den Kindern die Welt zu entdecken!!! Sicherlich sind wir in den Ferien auch mal zu Hause. Allerdings nur gezwungernermassen und auf gar keinen Fall, weil diese Ferien am Besten wären!

Von Fritz am 17.08.2018 08:52

Ich finde diese Meinung nicht nur naiv sondern auch veraltet. Gerade im Zeitalter von Internet das die ganze Welt umfasst. Meine Kindern sind nicht weit gereist doch haben sie ein grosses Allgemeinwissen! Woher wohl? Aus Büchern, dem Internet und vielen Gesprächen mit uns Eltern, die sich für Frage der Kinder Zeit nehmen.
Liebe Grüsse

Von Fritz am 16.11.2017 11:07

Ja hallo Herr André, Sie besitzen aber nicht zufällig selbst ein Auto, oder?

Von André am 15.11.2016 12:50

Das "Zeigen der Welt", sprich das Reisen, die Mobilität der Menschen und seiner Güter zu einem niemals die Folgen deckenden Preis, ist im Laufe des kurzen Erdölzeitalters die Wurzel eigentlich aller Übel und Probleme, vor denen die Menschheit steht.
Wer guten Gewissens in ein Flugzeug steigt, weil er ja zu Hause im Hofladen einkauft und ausserdem auf seinem Hausdach Sonnenenergie umsetzt, hat nichts verstanden.
Ellen, es nähme mich schon Wunder, ob Sie mit Ihren Kindern die Hügel in Ihrem Umkreis schon erklommen haben oder die Kinder wenigstens ihre Namen kennen, das wäre nachhaltige Bildung, Bildung von geerdeten Menschen.

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