Neun Tipps für fröhliche Skitage mit Kindern

Skifahren gehört in der Schweiz zum Kulturgut, das viele Eltern ihren Kindern vererben möchten. Doch statt Kindern, die mit roten Wangen die Freiheit auf den Brettern spüren, gibt es oft Quängelei und Konflikte auf der Skipiste. Aber mit unseren Profi-Tipps kann das noch werden.
Mit dem Skifahren von Sohn und Tochter verhält es sich wie bei anderen erzieherischen Kardinalthemen: Mama und Papa möchten wohl, das Kind aber eher weniger. Da ist es hilfreich, sich von gewissen Vorstellungen zu lösen – selbst in den Skiferien. Etwa, dass Kinder sich ein oder zwei Wochen im Jahr mit Begeisterung in die Arme einer wildfremden Person begeben und sich mit anderen, unbekannten Kindern brav in eine Reihe einordnen, um Stemmbogen und Parallelschwung zu lernen. 

Angst vor der Skischule und den rutschigen Dingern? Ganz normal!

Das hat mit der kindlichen Entwicklung zu tun. Fachleute nennen dies neophob, wir sagen: konservativ. Offenbar hat es sich entwicklungsgeschichtlich bewährt, Vertrautes vorzuziehen und Unbekanntem mit Skepsis zu begegnen. Kinder wissen diese Maxime elegant zu perfektionieren. Und natürlich haben sie das Recht, Dinge abzulehnen. Aber es ist mein Recht als Mutter oder Vater, dem Kind Dinge immer wieder anzubieten. 

Probieren, anbieten, wiederholen – damit es irgendwann klappt

Folglich lautet die Regel: Alles wird probiert. Also auch Skifahren. Irgendwann findet man es vielleicht toll (ich behaupte: fast sicher). Für wintersportaffine Eltern gilt es also, durchzuhalten. Denn: Skifahren, Snowboarden oder Schlitteln gehören für Familien zu den schönsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt – weil man sie gemeinsam ausüben kann. Sogar bis die Kinder gross und der Skischule längst entwachsen sind. Dann nämlich nehmen sie ihre Freunde und Freundinnen mit oder fahren mit ihren Kumpels, aber zum Mittagsessen in der Hütte, zu dem kommen sie garantiert. 

Wie Skispass gelingt? Wir haben für Sie neun Tipps zusammengestellt für entspannte Tage im Schnee.

1. Skifahren – ab welchem Alter? 

Mit vier Jahren sind die meisten Kinder für die ersten Skiversuche bereit. Je nach Kraft, Neugier und Motivation schon früher oder eben später. Wichtig ist: Das Kind sollte Lust aufs Skifahren haben, sich zumindest teilweise allein an- und ausziehen können und idealerweise windelfrei sein. Eine kleinen Umfrage unter Freunden und Bekannten zeigt: Mit fünf Jahren fahren fast alle Kinder gerne und begeistert Ski und finden auch die Skischule toll. Leider wahr: Die meisten Kinder lernen schneller und besser, wenn sie zusammen mit anderen Kindern Skifahren.

2. Wie erkenne ich, eine gute Skischule für mein Kind?

Das aus der Ferne, sprich im Netz zu beurteilen, ist schwierig. Besser ist es, Bekannte zu fragen. In vielen Skiorten sind herumhopsende Bären oder andere Plüschfiguren im XL-Format bereits Standard. Für kleinere Kinder ist das aber sehr nett: Sie werden schnell müde und Pausen mit Geschichten oder Liedern, die von eben diesen Plüschtierfiguren erzählt werden, sind hilfreich. Was auch nützlich sein kann: Sich an einem Vormittag die Skikurse anzuschauen. Wie arbeiten die Skischulen? Welche Atmosphäre herrscht? Sind die Lehrer engagiert und liebevoll? Und wie sind die Kinder drauf, wenn sie zurückkommen? Auch wichtig: Auf versteckte Aufschläge bei den Preisen achten: Sind die Liftkarten oder das Mittagessen dabei? 

3. Die schweren Skischuhe und der Horror mit der Ausrüstung

Wer erinnert sich nicht an die unzählige Male, an denen man mit den schweren Skistiefeln auf den superglatten Böden ausgerutscht ist. Oft übrigens in den Toiletten, noch öfters mittags im Restaurant, den Teller Pommes in der Hand. Bei kleineren Kinder ist es deshalb von Vorteil, bequeme Schuhe im Rucksack mitzuschleppen. Bei manchen Skiorten gibt’s auch Garderobenkasten, in denen man gegen Mietgebühr Skis und alles andere verstauen kann. Sind die Kinder grösser, wollen und können sie sich selber anziehen – inklusive Skischuhe. Das heisst aber: Zeit dafür einplanen! Und ein kurzer Check, bevor man die Wohnung verlässt: Thermowäsche angezogen? Helm, Sturmhaube, Handschuhe und (eventuell) Rückenprotektor dabei? Skibillet auch in der Jacke? Skisocken hoch gezogen? Das Plüschtier nicht in der Skihose mitgeschmuggelt? Lachen Sie nicht, das ist alles schon vorgekommen. 

4. «Ich will nicht in die Skischule!», sagt das Kind. Und nun?

Die ersten «Pflügli» (neudeutsch: Pizza) können aber auch Mama oder Papa auf dem flachen Hügel beibringen – vorausgesetzt, man bringt die nötige Extra-Portion Geduld mit und geht es langsam an, bis das Kind für die Skischule bereit ist. Skilehrer bezweifeln den Wert der elterlichen Skididaktik – mit gutem Grund: Heulende Kinder, Mütter, die «Talski belasten, Taaaalskiii!» brüllen und Väter, die pädagogische Predigten über die Kräfte, die beim Skifahren wirken, halten – kennt man doch. Aber bis man mit dem eigenen Kind jede Piste runtersausen kann, dauert es nämlich: Jahre. Deshalb nicht vergessen: Ansprüche runterschrauben. Um negative Erlebnisse zu überwinden, brauchen Kinder Zeit. Darum: Lieber einmal mehr die blaue Piste runterrutschen, als ein überfordertes Kind auf der roten Piste ständig aufheben zu müssen. Und Vorträge über Normalkraft, Bodenkräfte, Gewichtskraft oder Hangabtriebskraft auf die Zeit verschieben, in der das Kind erwägt, das Schwerpunktfach Physik zu wählen.
Mama und Papa sind in den Skiferien vor allem Sherpas.

5. Einer hat immer Hunger, friert oder muss aufs WC

Kinder kühlen schneller aus als wir Erwachsene. Damit sie draussen nicht frieren und drinnen nicht schwitzen, sind mehrere Kleidungsschichten übereinander ideal. Und weil Skifahren anstrengend ist, brauchen Kinder viele Pausen. Kurze Zwischenhalte und mehrere WC-Stopps sowie einen Snack auf dem Sessellift sind daher empfehlenswert. Am besten einen Rucksack mitnehmen, in dem Taschentücher, Ersatzkleidung und Proviant inklusive Getränke (das Kind könnte abmagern!) dabei sind. Ja, Mama und Papa sind in den Skiferien vor allem eins: Sherpas. 

6. Kinder (und Eltern) im Motzmodus

Man kennt das ja von daheim: Die Jacke ist nicht aufgehängt, die Dreckwäsche liegt herum und Geige üben, nein danke. Kinder befinden sich manchmal im Streik und Eltern fallen in den Motzmodus – auch in den Ferien. Denn da prallen zwei Welten aufeinander: Eltern wollen maximale Entspannung in wenigen Tagen. Bei begeisterten Skifahrern oder Snowboardern heisst das: Brettern, bis das Dopamin sprudelt. Kinder dagegen verfolgen besonders in den Ferien das geheime Gestaltungsprinzip des modernen Lebens, das da heisst: Rumspielen und Spass haben. Damit gilt es also, die Interessen vorab zu klären: Wer will heute wie viel fahren? Wer will gar nicht, wer geht lieber schlitteln? Bei uns wird dann demokratisch abgestimmt, und alle halten sich an die Abmachung (nach dem Prinzip: die Ausnahme bestätigt die Regel). Wer dann noch grummelt, wird mit durchaus manipulativen Tricks abgelenkt: «Schau mal der Mann dort, der fährt aber lustig. Du fährst viel, viel toller, weisst du das?» Bei grösseren Kinder funktioniert das naturgemäss nur bedingt. Da kann es sein, dass sich hinter der schlechten Laune etwas anderes verbirgt. Ein Wunsch nach Aufmerksamkeit, nach Gehörtwerden oder ähnlichem. Manchmal ist es auch nur das Bedürfnis nach ein wenig Zeit mit den Eltern allein. Oder noch profaner: Ausschlafen. Schokolade. Playmo. TV. Handy. Gamen. Das zu erlauben, hat einen exorbitanten Vorteil: Die Eltern können auch mal alleine fahren. Allein! Dieses Wort kann nicht genug betont werden.

7. Skiferien sollen entspannt sein

Das Kind will nicht mehr Skifahren? Dann vielleicht morgen. Es will keine ganze Woche in die Skischule? Dann nur einen, zwei oder drei Tage buchen, das bieten die meisten Skischulen an. Oder halbe Tage. Zwang oder Festhalten an Vorsätzen oder vermeintlichen elterlichen Vorstellungen führt nur zu Frust bei allen Beteiligten. Stattdessen lieber einen Schlitteltag einlegen, ins Hallenbad gehen oder Schlittschuh fahren, respektive Hockey spielen. Oder einfach: Einen Tag Nichtstun. Es sind Ferien, also Schluss mit Optimierungsgedanken.

«Mach dich grooooss wie eine Giraffe und jetzt schleiche wie eine Schlange.» Kinder lernen am besten mit Bildern das Skifahren. Dieser und weitere Tipps vom Deutschen Skiverband im Video.

8. Skifahren mit Geschwistern

Bis alle Kinder einer Familie auf einem ähnlichen Niveau Skifahren können, vergeht viel, viel Zeit. Eltern müssen folglich viel Geduld haben und noch mehr Flexibilität. Heisst im Normalfall: Man teilt sich auf. Der oder die eine geht am Vormittag mit dem einen Kind, der andere am Nachmittag, und vielleicht fahren eine oder zwei Abfahrten alle zusammen. Denn Kinder lieben es in der Regel, wenn die ganze Truppe unterwegs ist.

Wir handhaben es – an skischulfreien Tagen – so: Mein Fünfjähriger darf sich vormittags zwei Pisten pro Tag wünschen, wo man fährt. Er darf seinen grösseren Brüdern voraus fahren (wehe, man hält sich nicht daran – dann kennt der Zwerg kein Pardon) und ist ein wenig the King of the Slope. Und jedes meiner anderen Kinder darf mindestens zwei Abfahrten pro Tag aussuchen, gerne auch tiefschwarze Pisten,  und sich dort nach Belieben produzieren, bis die Beine sich cremig anfühlen und der Rest der Familie Neidpickel kriegt. Denn wir wissen es: nichts ist schöner als eine Schussfahrt! 

Wem diese Piste zu schwer ist, oder wer keine Lust mehr hat, fährt mit den anderen, geht früher nach Hause, schlittelt oder macht Pause im Restaurant. Meine beiden grössere Kinder können problemlos alleine fahren. Wenn ihnen die Lieblingspisten der Kleinen zu langweilig sind oder das Durchschnittstempo zu gering, dürfen sie auch ohne uns fahren – ein, zwei oder drei Fahrten. Bis einer von uns mit dem Zwerg unten ist. Wir vereinbaren dann jeweils einen Treffpunkt für einen Halt, eine Pause oder das Mittagessen. Diese Form von bewilligtem Auslauf finden sie super. 

9. Darum lohnt es sich: Ferien sind schön!

Der erste Biss einer Bündner Nusstorte, der erste Schluck eines Kafi Schnaps in der Berghütte oder die erste Gondelfahrt in den blauen Himmel hinein. Das selbstgebaute Iglu, die rasante Schlittenfahrt oder der erste, glimpfliche Sturz in den daunenweichen Tiefschnee. Zum Winter gehört viel dazu und oft für jeden etwas anderes. Es mit seinen Kindern zu teilen, macht alle Anstrengungen und jeden Verzicht wett.

Bild: Fotolia


Claudia Landolt ist begeisterte Snowboarderin und im Winter so oft wie möglich im Schnee. Ihre Kinder haben – juhui! – die Passion geerbt. Trotzdem stellen sie ihre vier Söhne (vier Kinder, vier Bedürfnisse!) jeden Winter vor neue Herausforderungen.
Claudia Landolt ist begeisterte Snowboarderin und im Winter so oft wie möglich im Schnee. Ihre Kinder haben – juhui! – die Passion geerbt. Trotzdem stellen sie ihre vier Söhne (vier Kinder, vier Bedürfnisse!) jeden Winter vor neue Herausforderungen.