Desktop grolimund neu 1130x500
Elternbildung

Mein Kind hat Angst vor Neuem

Bei Ängsten denken wir an Spinnen, Hunde, enge Räume, Höhen oder Prüfungen. Für manche Kinder reicht jedoch eine neue Situation aus, um sie zu blockieren. Diese Kinder brauchen geduldige Erwachsene.
Text: Fabian Grolimund
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Neue Menschen, neue Erfahrungen, neue Gerichte – alles, was Leander, 5, nicht kennt, löst zunächst eine starke Abwehrreaktion aus. Für seine Eltern stellt sich immer wieder die Frage: Wie gehen wir damit um? Sollen wir Leander fordern oder doch lieber schonen? Sie geraten ob dieser Fragen oft in Streit. Leanders Vater stören die Ängste seines Sohnes genauso wie die «Schonhaltung» seiner Frau. Er kann die übervorsichtige Art seines Sohnes kaum ertragen. Er empfindet sie als unmännlich und sorgt sich, dass sein Sohn «auf diese Weise bei den anderen Jungs doch unten durch» ist. Leander hört von seinem Vater immer wieder, dass er sich «nicht so anstellen» soll. Leanders Mutter nimmt ihren Sohn jeweils in Schutz. Sie hat das Gefühl, ihr Kind gegen die Forderungen des Vaters verteidigen zu müssen, der ihn «einfach nicht versteht». 
Kriegstraumatisierte Kinder aus Ex-Jugoslawien versteckten sich unter den Pulten. Der Lehrer setzte sich zu ihnen und unterrichtete unter dem Tisch.
Selbst eher ängstlich und vorsichtig, kann sie die Ängste ihres Kindes besser nachvollziehen. Sie achtet darauf, dass der Alltag in gewohnten Bahnen verläuft und richtet alles so ein, dass Leander auf möglichst wenig Stresssituationen trifft. Sie macht keine Ausflüge und vermeidet Besuch. Leander wächst praktisch ohne Kontakt zu anderen Kindern auf, da es immer wieder zu Szenen kommt, wenn ihm andere Kinder zu nahe kommen, sein Spielzeug «ausborgen» oder etwas tun, was ihn irritiert.

Den Spielplatz suchen sie nur auf, wenn nicht zu viele andere Kinder zu sehen sind. Während Leanders Vater der immer enger werdende Bewegungsradius zunehmend stört, hat sich seine Mutter damit abgefunden. Ihr Stresslevel steigt jedoch erheblich, als er eingeschult wird und die Aussenwelt zunehmend Forderungen an ihn stellt. Sie sieht sich gezwungen, immer mehr Personen das Verhalten ihres Kindes zu erklären. Dabei fühlt sie sich von ihrem Mann alleine gelassen, der sich geniert und meint: «Du kannst doch nicht von allen verlangen, dass sie unseren Sohn in Watte packen.» Leanders Mutter sieht die Aussenwelt zunehmend als Feind, gegen den sie ihr Kind schützen muss. Wie können Eltern aus dieser Situation herausfinden und ihr Kind unterstützen? In unseren Seminaren sind uns immer wieder Eltern begegnet, die sehr vorsichtige Kinder haben und einen positiven Umgang damit gefunden haben. Die folgenden Punkte empfand ich dabei als besonders hilfreich.

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren