Desktop ma dchen untersucht ihr sparschwein wie kinder sparen lernen
Geld

Frau Wegelin, was müssen Kinder über Geld wissen?

Natascha Wegelin schreibt Finanzratgeber für Frauen und sagt: Dass diese oft Berührungsängste mit Geld haben, liegt auch an der Erziehung! Im Interview gibt sie Tipps, wie Mädchen und Jungen einen guten Umgang mit Geld erlernen.
Interview: Bianca Fritz

Frau Wegelin, Sie schreiben als Madame Moneypenny einen preisgekrönten Blog und inzwischen schon Ihr zweites Buch zum Thema finanzielle Unabhängigkeit und Finanzbildung für Frauen. Können sich Frauen nicht mit denselben Büchern und Seminaren über Geld informieren wie Männer?

Sie können schon – aber sie tun es nicht. Dabei wäre es gerade für Frauen so wichtig, sich um ihre Finanzen zu kümmern, da sie weniger verdienen und häufiger Vorsorgungslücken haben als Männer. Wenn es zu einer Scheidung kommt, haben Frauen oft auch ein finanzielles Problem. Letztendlich führt mein Weg ja zu denselben Finanzpodukten und stellt dieselben Sparmöglichkeiten vor wie andere Ratgeber, aber der Weg dorthin ist ein anderer. Ich versuche, Frauen die Angst vor diesem Thema zu nehmen – denn viele Frauen denken noch immer, dass es Sache ihres Mannes sei, sich um das Geld zu kümmern. So Glaubenssätze wie «das ist nichts für mich» oder «da kenne ich mich eh nicht aus» sitzen bei Frauen oft sehr tief.
Natascha Wegelin ist Unternehmerin und Privatanlegerin und wohnt in Berlin. Mit 26 Jahren gründete sie ihr eigenes Unternehmen. Seit 2016 betreibt sie den Blog madamemoneypenny.de, um gezielt Frauen über finanzielle Unabhängigkeit zu informieren. Copyright: Jaqueline Häussler
Natascha Wegelin ist Unternehmerin und Privatanlegerin und wohnt in Berlin. Mit 26 Jahren gründete sie ihr eigenes Unternehmen. Seit 2016 betreibt sie den Blog madamemoneypenny.de, um gezielt Frauen über finanzielle Unabhängigkeit zu informieren. Copyright: Jaqueline Häussler

Liegt das an der Erziehung? Lernen Mädchen andere Dinge über Geld als Jungen?

Ich glaube, es ist noch immer so: Ob bewusst oder unterbewusst ermutigen viele Eltern Jungen, aufs Klettergerüst zu steigen und Dinge auszuprobieren, während wir Mädchen eher im Sandkasten behalten wollen und sie so auch kleinhalten. Überspitzt gesagt: Für Mädchen gibt es die pinke Küche, Jungen hantieren im Kaufladen das erste Mal mit Spielgeld.

Und das hat einen Einfluss auf ihren Umgang mit Geld?

Ja, und noch grösser ist der Einfluss von dem, was die Eltern vorleben. Wenn Papa immer bezahlt und die Verantwortung über die Finanzen im Haushalt hat, speichert sich dieses traditionelle Bild auch bei den Kindern ab. In meiner Familie war das übrigens auch so …

Wie kommt es dann, dass gerade Sie heute Geldratgeber schreiben?

Ich war da schon immer irgendwie ein Anti-Mädchen. Das hat damit angefangen, dass ich lieber Fussball mit den Jungs als Puppen mit den Mädchen gespielt habe. Und vielleicht hat genau diese Einstellung auch dazu geführt, dass ich schon früh mein eigenes Unternehmen gegründet und meine Finanzen selbst in die Hand genommen habe. Höher, schneller weiter – das war für mich schon immer ein Thema. Bei den meisten Mädchen ist das anders.
Anzeige
«Viele Kinder kommen mit Bargeld kaum noch in Berührung. So können sie kein Gefühl dafür entwickeln, dass Geld endlich ist.»
Natascha Wegelin

Und unabhängig vom Geschlecht: Was ist wichtig, damit Kinder einen guten Umgang mit Geld lernen?

Dass sie Taschengeld bekommen – und zwar in bar. Viele Kinder kommen mit Bargeld kaum noch in Berührung. Sie sehen, dass die Eltern alles mit Karte oder Paypal bezahlen und können so kein Gefühl dafür entwickeln, dass Geld endlich ist, und dass man auf grössere Investionen eben auch mal sparen muss. Wenn Kinder dann ihr Sparziel erreicht haben, schlage ich vor, dass sie das Sparschwein physisch zur Bank bringen oder das Gewünschte bar bezahlen – nur so entsteht wirklich eine Verbindung im Kopf.

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren