Elternbildung

Eine liebevolle innere Stimme für Ihr Kind und für Sie

Oft schimpfen wir auf uns selber, wie wir das nie mit anderen tun würden – in der Hoffnung, dies würde uns dazu motivieren, endlich disziplinierter und erfolgreicher zu sein. Die Hassworte bewirken jedoch genau das Gegenteil. Helfen würde uns wie unseren Kindern ein freundlicherer Umgang mit uns selbst.
Text: Fabian Grolimund
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Wir alle sprechen fortlaufend mit uns selbst und bewerten dabei unser Verhalten, unser Aussehen, unseren Charakter und die Umwelt. «Du bist so fett!», «Warum kriegst du das nie auf die Reihe?», «Du bist stinkfaul!», «Du bist so dumm, warum ist dir das schon wieder passiert?», «Dich mag doch eh niemand», «Was bist du bloss für eine Mutter? Die anderen haben das alle im Griff».

Dabei fühlen wir uns alle manchmal unzulänglich, doof oder sind mit unserem Aussehen unzufrieden. Viele Menschen – teilweise gerade diejenigen, die nie ein schlechtes Wort über andere verlieren würden – gehen allzu hart mit sich selbst ins Gericht. Sie können sich Fehler nicht verzeihen, ärgern sich bereits bei Kleinigkeiten über sich selbst, werten sich ab und stellen sich als gesamte Person infrage. 

Ihre innere Stimme spricht wütend, kalt oder verächtlich mit ihnen. Es scheint in ihrer Innenwelt nur einen fehlersuchenden Staatsanwalt und einen verurteilenden Richter zu geben – der Verteidiger fehlt.

Die psychologische Forschung konnte nachweisen, dass ein starker innerer Kritiker und Selbstverachtung fast alle psychischen Probleme begleiten. Die inneren Monologe depressiver Menschen drehen sich oft darum, dass sie nichts wert seien und für andere nur eine Belastung darstellten. Menschen mit Essstörungen beschimpfen sich selbst als fett, manchmal sogar als ekelerregend. Sie verurteilen sich, wenn sie etwas «Verbotenes» gegessen haben, und geraten durch diese Selbstverurteilung oft in eine solche innere Anspannung, dass sie erst recht die Kontrolle verlieren. 

Aufschieber sehen sich selbst als «faule Sau», die «nichts auf die Reihe kriegen», und nehmen sich durch solche Tiraden jegliche Motivation, sich dem zu widmen, was sie sich vorgenommen haben.

Keine Angst, den inneren Kritiker loszulassen!

Auf der anderen Seite erfreuen sich Menschen, denen es gelingt, freundlich mit sich umzugehen, oft einer besseren psychischen Verfassung. Sie sind fröhlicher, motivierter, gelassener und widerstands­fähiger im Umgang mit Stress und Belastungen.

Mir begegnen immer wieder Menschen, die glauben, sich durch eine verurteilende Stimme motivieren zu können. Prüfungsängstliche Schülerinnen und Schüler oder Studierende, die aufschieben, haben oft Angst, dass sie zu wenig lernen oder noch weniger erledigen würden, wenn sie den inneren Kritiker und Antreiber loslassen würden. 

Das Gegenteil ist der Fall: Wer sich selbst Fehler verzeiht und lernt, sich mit einer akzeptierenden Haltung zu begegnen, ist rascher wieder dazu in der Lage, sich seinen Problemen zu stellen, Lösungen zu entwickeln und Unveränderliches anzunehmen.
Es lohnt sich daher für die meisten Menschen, in eine ermutigende, verzeihende und mitfühlende ­innere Stimme zu investieren.

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