Medienerziehung

«Alexa, Mami und Papi streiten wieder»

Die smarten Lautsprecher von Apple, Amazon und Co. halten Einzug im Kinderzimmer. Was passiert, wenn Kinder mit Sprachassistenten interagieren? Und welche Gefahren bringt das mit sich?
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Ob ein Sprachassistent im Kinderzimmer zum Einsatz kommt oder nicht, hängt meist von der Haltung der Eltern zur Technik ab. Manche zeigen im Umgang mit neuen Technologien keinerlei Berührungsängste. Sie erfreuen sich an den komfortablen Funktionen der neuesten Gadgets und haben auch kein Problem damit, sie ihren Kindern zu überlassen. Diesen sorglosen Umgang kennen wir schon vom Smartphone, wenn bereits Einjährige im Kinderwagen das Gerät bedenkenlos in die Hand gedrückt bekommen. 
Kinder verlernen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz, echte soziale Kontakte und Empathie aufzubauen.
Andere Eltern wiederum begegnen technischen Neuerungen mit grosser Skepsis und versuchen, sie möglichst lange von ihren Kindern fernzuhalten. Ihnen attestiert dann der Bekanntenkreis Realitätsferne und Technikfeindlichkeit. Zugegeben, es fällt nicht immer leicht, in technologischen Angelegenheiten für sich und die Kindererziehung den richtigen Weg zu finden. Beim Thema «Sprachassistenten » ist es besonders schwierig, eine klare Haltung einzunehmen. Denn es liegen – anders als beim Fernsehen, bei Videospielen oder Smartphones – noch wenig Erfahrungswerte vor.

Die Überwindung der Tastatur

Sprachassistenten bieten Apple, Google, Microsoft, Amazon und viele andere an. Manche sind im Computer integriert, andere sind eigenständige Geräte, die mit oder ohne Bildschirm Internetzugang haben und auf Zuruf reagieren. Dabei sollten wir einer wirklich bemerkenswerten Funktion unseren Respekt zollen: Digitale Assistenten wie Alexa von Amazon verstehen jedes gesprochene Wort. Rund 50 Jahre nach Stanley Kubricks «2001 Odyssee im Weltraum» und dem Bordcomputer HAL erfüllt sich der lang gehegte Wunsch der Menschheit, mit Computern sprechen zu können und von ihnen verstanden zu werden. Eine exzellente Spracherkennung ist vor allem deshalb wichtig, weil nur dadurch der grösste Vorzug der Assistenten zutage tritt: die Überwindung der Tastatur. 
Kritiker sprechen von der «Wanze» im Wohnzimmer
Wer einen Sprachassistenten hat, muss nicht mehr auf kleinen Displaybuchstaben herumdrücken. Deshalb werden digitale Sprachassistenten im Alltag bald so normal wie Lichtschalter sein, zumal sie auch als komfortables Steuerungselement für vernetzte Smartgeräte und Smart Homes gelten. Gleichzeitig schlägt Sprachassistenten ein enormes Misstrauen entgegen. Kritiker sprechen von der «Wanze» im Wohnzimmer, die stets alles mithört. Merkwürdigerweise haben die meisten kein Problem damit, ständig ihr Smartphone mit sich zu führen oder eine Armlänge entfernt auf dem Tisch abzulegen. Beim Computer kann die Kamera immerhin noch zugeklebt werden. Aber was hilft beim Sprachassistenten? Eine Warmhaltehaube wie früher bei der Kaffeekanne? Die Hersteller von Alexa & Co. versuchen Abhörbedenken zu zerstreuen, indem sie betonen, dass diese Geräte keine ständigen Lauscher seien, weil sie nur auf ein Schlüsselwort reagierten. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Müssen Sprachassistenten, damit sie das Schlüsselwort überhaupt erfassen, nicht permanent zuhören? 
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